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Die Welt · 1909-03-05 · 10 (5.3.1909) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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und nach Macht dürstend und feil für Gold, wie Dir das Leben lästig und wie in Dir nur irgendeine schwere Prüfung den Geist wachrufen könnte. Könnte man nur auch das winzigste Samenkörnchen Unzufriedenheit in Dein faulsattes Gemüt säen. Dir ist so gut, so wohlig, Du kannst so frei hassen und peinigen, und Du hast es nie nötig, Dich in Krümmungen zu bewegen. Nur eins ist es, was Dein Hirn ein wenig plagt, — das bin ich. Ich bin Deine Abwechslung. Ich bin Dein Pathos der Dimensionen. Einmal bin ich Dir zu groß, ein anderes Mal zu klein, bald zu nah, bald wieder zu fern. Du würdest Dich sonst in den Todesschlaf hineinlullen, Du würdest mit allem zufrieden sein, — mit dem Bestehenden, dem Gegenwärtigen und dem Zukünftigen, Ich gebe Dir etwas Kummer und Hader. Das sind meine Strahlen . . So schaffe ich, das Leben, für die Zukunft und baue an und säe diese Zeit für eine ferne Zeit, da kommende Geschlechter genießen werden die Früchte dieser Saat. Ich weiß es, daß bis die Früchte reifen, die wir pflanzen, längst schon unseres Odems Spur verhaucht ist. Aber ich vergehe nicht, denn ich bin das immer wieder aufblühende Leben." Das Ungeheuer horchte zu und lachte höhnisch: „Wo ist das Glück, das Du den Deinigen gegeben hast?" „Das kannst Du nicht sehen," erwiderte das jüdische Leben, „Dafür hast Du keine Augen. Du begreifst es nicht, wie man irrt und wallt, sonder Rast und Ruh', und woran es gebricht, warum man nicht ans Ziel gelangt. Wie man vor Plag' und Mühe nicht satt wird und wie man auf Erden, auch während man irrt, den Himmel findet, wie man durch ein Wunder gerettet wird." „Nein. Du wirst nicht gerettet. Du sollst nicht gerettet werden. Zerstören muß ich Dich, — ein für allemal," — schrie das Ungeheuer. Es rückte heran. Das bedrohte jüdische Leben entwich. Es hüllte sich in seine Wolken der Trauer und spähte umher nach einem Wunder. Das Wunder trat ein. Man nannte e£: „Das Wunder des Purim." Da stieg die Lebensfreude wieder herab, und da hieß es: La-Jehudim usw. Das Ungeheuer und die jüdische Lebensfreude gingen auseinander bis zu einer gewissen Zeit. Aber sie begegnen sich immer wieder. N. S. 0 ra o Maskerade (Zu Purim) Wir Juden haben begreiflicherweise Die Lust am Mummenschanz verloren, Es dringt nur fern und dämmernd — leise, Die Mär der Freude an unsere Ohren; Der Brummbaß verstummte, es schweigen die Geigen Nur Feste der Trauer sind unser eigen. Und doch! Die bunte Maskerade Ist keineswegs aus der Mode gekommen, Nur wird sie von den Maskierten gerade Sehr wichtig und bitter ernst genommen; Und ferner dauert das sonderbare Vermurnmungsspiel zwölf Monat' im Jahre. Sehr kleidsam sind auch die flatternden Trachten Der salbungsvollen Kosmopoliten, Jedoch den größten Beifall entfachten Die Gruppen der jüdischen Antisemiten. — Nach Meininger-Art gibt's auch manche Geschöpfe, Die tragen waschechte Taufwasserköpfe. Da spielt der eine den Urgermanen Mit Krug und Schwert und allen Symbolen, Der andre schwingt die allslavischen Fahnen Und schwärmt fürs wieder geeinigte Polen —, Die wieder tragen Romanen-Sombreros, — Am köstlichsten wirkt der Paprika-Heros. So drehen sich denn die Masken im Reigen, Und suchen krampfhaft Eindruck zu machen, — — Doch der Brummbaß verstummte, es schweigen die Geigen, Und nur die gehässigen Zuschauer lachen! Wir Juden können nicht lächen — Schade! Zu traurig für uns ist die Maskerade. Beda BBZALEL JERUSALEM

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