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Die Welt · 1909-02-26 · 9 (26.2.1909) · page 16

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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fünf Leinenbänden JC 12.—. Geschenkaussabe Jt 15.—. Leipzig, Max Hesses Verjag. Die Zahl der Ghettoschilderer innerhalb der deutschen Literatur ist heutzutage keine, gar so kleine mehr. Wichtiger aber noch als der beträchtliche Umfang der Ghettonoveliistik ist der künstlerische Wert einer ganzen Reihe in dieses Gebiet fallender Schöpfungen, deren Verfasser sich nachgerade eine Art von Klassizität erworben haben. Zwei Namen kommen zunächst in Betracht, wenn man von klassischen Ghettoschilderern sprechen will. Es sind dies der galizische Karl Emil Franzos und der böhmische Leopold Kompert. Von Franzos liegt bislang noch keine Gesamtausgabe seiner Werke vor, die einen sichern Maßstab seines umfassenden Könnens ermöglichte. Leopold Komperts künstlerischer Ruhm dagegen ist schon so hoch gestiegen, daß nun auch das Erscheinen einer volkstümlichen Ausgabe seiner Werke im Rahmen des bekannten Leipziger Klassikerverlags Max Hesse zu begrüßen ist. Die neue Kompertausgabe zeigt wiederum so recht, welchen Schatz wir in den Erzählungen dieses Dichters besitzen. Mit künstlerisch abgeklärtem Realismus versteht es Kompert, ein scharfgezeichnetes, niemals schönfärberisches, aber doch mit sichtlicher Liebe geschaffenes Bild von dem eigenartigen, bunten Leben im böhmischen Ghetto zu entwerfen, und in feinsinnigen, psychologischen Ausführungen zur Kenntnis des Volkscharakters und der Wesensart der östlichen Juden beizutragen. Neben dieser rein künstlerischen Freude am Erzählen und Schildern geht aber noch eine, die kleinen Erzählungen wesentlich vertiefende, sittliche Tendenz einher, deren Bestreben es ist, Milde und Toleranz zu predigen und die entgegengesetzten Religionen in einer höhern Menschlichkeit aufgehen zu lassen. Die künstlerische Reife aber, die feinsinnige Sprachbehandlung und der poetische Geist, der aus Komperts Werken spricht, sichert dem Dichter einen angesehenen Platz innerhalb der allgemeinen deutschen Literatur und empfiehlt seine Novellen allen, die Sinn für eine abgeklärte, frische Erzählungskunst besitzen. Das Märzheft der Süddeutschen Monatshefte (Süddeutsche Monatshefte G. m. b. H. München) hat folgenden Inhalt: Die Kinder von Anegg, Erzählung von Hans von Hoffensthal, die Fortsetzung des großartigen Romans „Bis zur Grenze" von Grazia Deledda und der köstlichen Lebenserinnerungen von Ludwig Ganghof er, San Gimignano von Professor Dr. Josef Schnitzer, Prolog zum Weimarer Jubiläum des „Barbier von Bagdad" von Professor Dr. Carl Maria Cornelius, Schule und Industriestaat von Professor Dr. Max Flesch; die Rundschau des Heftes enthält einen Nachruf auf Ernst von Wildenbruch, einen Artikel über das Pfitznersche Klavierquintett von Dr. Walter Riezler, überraschende Aufklärungen über die Reimannsche Biographie Hans von Bülows, Newyorker Börsenbericht von Otto Juli us Merkel, einen größeren Aufsatz von Dr. Paul Busching über den Prinz- Regenten Luitpold von Bayern und Notizen über neu erschienene Bücher. Die Berliner Premiere von Ruederers „Wölkenkuckucksheim" findet im März am Deutschen Theater statt; Meister Reinhardt hat die Regie persönlich übernommen. Die Buchausgabe der Komödie, deren Uraufführung im Münchener Künstlertheater so lebhaften Widerstreit der Meinungen erregte, erscheint am 1. März. Wir erlauben uns, unsere Mitglieder hierdurch zur Ordentlichen Generoluersommluns für Sonntag den 28. März, vormittags 11 Uhr, Berlin, Hotel Prinz Albrecht, Prinz-Aibrecht-Str. 9 ergeben st einzuladen. Tages«Ordnung: 1. Erstattung des Geschäftsberichts. 2. Entlastung der Verwaltung. 3. Kooptation für das Zentralkomitee. Hilfsverein der Deutschen Juden: James Simon. Heue Jüdische Bücher: Jüdische Fragen eine Sammlung von wissenschaftlichen Arbeiten aus dem Seminar des Vereines „Theodor Herzl" in Wien. Inhalt: Dr. H. Zuckermann: Geleitwort. — Dr. D. Pasmanik: Nation und jüdische Nationalität. — Leo Goldhammer: Judenwanderungen. — Dr. J. Schipper: Agrarkolonisation der Juden in Polen. — Artur Felix: Palästina. — Dr. E. Müller: Die Sprache der Juden in Palästina. — Oswald Löbl: Jakob Wassermann. — Elias Tisch: J. Berschadski. — Dr. J. Meisl: Moriz Lazarus. — Seminarbericht. ca. 150 Seiten. Preis: kart. M. 2.=— (mit Porto M. 2.20). Getaufte und Baldgetaufte Satirische Gedichte von Beda (Preis M. 1.— mit Porto M. 1.20) Es ist ein Stoff, der zur Satire herausfordert. „Bedas" gesammelte Satiren sind ein köstliches Büchlein. Er „predigt" nicht, er simuliert keine Zornesausbrüche. Mit kräftigen Strichen zeichnet er wohlvertraute Gestalten des Wiener Nochjudentums. Du lieber Gott! Sie sind zu erbärmlich und widerwärtig, um Haß oder Schmerz zu wecken. Schlecht angebrachte, pathetische Entrüstung liegt auch Beda fern. Er gibt uns Porträts und Gruppenbilder, urdrollr, und grotesk, aber lebenswahr und mit sicherer Hand gekennzeichnet. Alle Bestellungen richte man ausschließlich an den Judischen Verlag, g. m. b. h., Köln a. Rh. Karolingerring 6

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