Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 -. . ■ -== DI El Jüngst hat. er zwei Zweigstellen in Bialystock und Elisabetgrad ..eröffnet. An der jüngst stattgehabten Rabbinerkonferenz in Warschau übt der Rabbiner Jehuda Lejb Kowalski aus Wloclawek in der hebräischen " Zeitung - „ Haboker" \ eine; schärfe Kritik, die zum wenigsten Deweist, däß auch die f üdisch^orthodoxen Kreise in der Zustimmung zu dieser Konferenz durchaus nicht einig sind. Kowalski verlangt die Einberufung einer neuen Konferenz, denn die Warschauer Konferenz könne keinesfalls als Ausdruck der Stimmung der Mehrzahl der Rabbiner betrachtet werjjeti. Diese Kritik hat in den weitesten Kreisen großes Aufsehen'hervorgerufen, : England n (Von unserm Berichterstatter) Jubiläum des Jewish Board of Quardians Das Jubiläum des Jewish Board of Quardians in London wurde in Anwesenheit einer großen Schar einflußreicher Gäste am 1. ds. durch ein Diner im Trocadero-Restaurant gefeiert. Den Vorsitz führte der Präsident des Boards Mr. Leonhard M. Cohen. Unter den Erschienenen bemerkte man den Chief Rabbi Adler, Lord Rothschild, den Earl of Lichfield, den Lordmayor von London, Mr. Herbert Samuel, Unterstaatssekretär des Ministeriums des Innern, Sir Francis Montefiore, Sir Philip Magnus, Sir Isidore Spielmann, Mr. Claude Montefiore u. v. a. Aus Anlaß des Jubiläums hat Mr. Laurie Magnus, einer der ehrenamtlichen Schriftführer der Gesellschaft, eine Geschichte des Boards of Guardians geschrieben, die in der Presse eine sehr gute Aufnahme gefunden hat. Man hatte einen Aufruf erlassen, um dem Boards zu seinem Jubiläum die Summe von £ 40 000 zur Verfügung stellen zu können; mehrere Monate hindurch war ein Komitee für diesen Fonds tätig. Indessen wurde auf dem Diner bekannt gegeben, daß bisher nicht ganz £ 25 000 (Mk. 500 000) aufgebracht seien. Die Zahl, der Spender beträgt insgesamt 2100. Während des Diners wurden verschiedene bedeutungsvolle Ansprachen gehalten. Der Präsident Mr. Leonhard L. Cohen gab einen Überblick über die Geschichte des Boards und seine Wohltätigkeitseinrichtungen. Der Präsident betonte, daß kein Einwanderer vom Board unterstützt werde, der nicht die Möglichkeit seiner Existenz für mindestens sechs Monate nachweisen könne. Der Board fördere energisch die Auswanderung der eingewanderten Elemente, die fähig seien, in einer neuen Heimat ein neues Leben anzufangen, und habe dergestalt in den verflossenen 10 Jahren 11 700 Seelen zur Auswanderung verhölfen. Das sanitäre Komitee des Boards habe seine Aufmerksamkeit jetzt der Verbreitung der Schwindsucht zugewandt, im letzten Jahre habe es allein 600 Fälle in seiner Behandlung gehabt. Das Gewerbekomitee habe bis jetzt 1060 Knaben und Mädchen Lehrstellen verschafft. Das Wachstum des Boards gehe aus seinem Finanzbericht hervor, im Jahre 1860 betrugen die Beiträge £ 1100, im Jahre 1907 dagegen £ 11 700, also mehr als zehnmal soviel. Lord Rothschild ergriff die Gelegenheit, um die beabsichtigte Errichtung eines jüdischen Hospitals in Eastend zu kritisieren und dagegen Stimmung zu machen. Aus eigner Wissenschaft kenne er die Angelegenheit nicht, dagegen habe er in den Zeitungen gelesen, daß einige hundert Juden sich zum Bau eines eignen Hospitals verbunden hätten, weil sie mit dem London Hospital unzufrieden seien. Wenn diese Leute darauf rechneten, -einen Teil der Hinterlassenschaft des verstorbenen Henry Barnato zu diesem Zwecke zu erhalten, sei ihre Hoffnung eine falsche. Das London Hospital und das Metropolitan Hospital sei Angehörigen jeden Glaubens offen. Das für ein jüdisches Hospital gesammelte Geld möge diesen beiden Institutionen übergeben werden. Er bezweifelte, ob es Juden gäbe, die das London Hospital aufsuchten und nicht Englisch sprechen könnten; jedenfalls könne es sich nur um eine verschwindend geringe Anzahl handeln, da nach den Gesetzesbestimmungen nur solche Einwanderer ins Land gelassen würden, die sich in guter Gesundheit befänden. (Dieses letzte Argument trifft nicht ganz zu, da nur solche Einwanderer nicht zugelassen werden, die an ansteckenden Krankheiten leiden oder von denen zu befürchten ist, daß sie der öffentlichen Wohltätigkeit zur Last fallen.) Eine literarische Konferenz Der Verband der Literaturvereine hielt seine Halbjahreskonferenz verflossenen Sonntag in Liverpool ab. In den Synagogen der Stadt waren die Predigten des vorhergehenden Tages alle diesem Anlaß gewidmet. Am Samstagabend fand ein Empfang der Mitglieder des Xiteraturvereins beim Lord Mayor und der Lady Mayoress im Stadthause statt. Am Sonntag wurde eine Reihe von Vorträgengehalten. Mr: Bertram B. Benas sprach über „Jüdische Literaturvererne und #ELT . .-■ , ■ ■ 199 die modernen Universitäten'*, Rev. S. Friedeberg behandelte das Thema „Brauch und Mißbrauch von Konferenzen", Dr. J. S. Fuchs hielt einen bemerkenswerten Vortrag über „Hebräisch als lebende Sprache". Er führte die lange Reihe von Schriftstellern, Dichtern, Philosophen, Historikern, Journalisten, Philologen und andern Gelehrten auf, die die Sprache in jeder Hinsicht ausbauten und eine Literatur in ihr schafften. Obgleich aber die Alljudenheit im Hebräischen eine Universalsprache habe, 'sei es vielleicht ihre gröf3te Tragödie, daß alle die zahllosen geistigen Werke in verschiedenen Sprachen und Idiomen zerstreut seien. Dies sei einer der Hauptgrunde der Uneinigkeit, die auf dem jüdischen Volke laste. Dr. Fuchs appellierte an die Literaturvereine, das Studium der hebräischen Sprache zum Inhalte ihrer aktiven Arbeit zu machen und so der jüdischen Literatur einen unschätzbaren Dienst zu erweisen. Amerika Die Tournee Dr, Lewins Die Propagandareise Dr. Lewins, die zum Zwecke hat, die wohlhabenden und intellektuellen jüdischen Kreise Amerikas für die geplante technische Hochschule in Haifa zu interessieren, ist bisher sehr erfolgreich verlaufen. Dr. Lewin beabsichtigt, jetzt verschiedene Hauptstädte Amerikas zu besuchen und in jeder vor einem kleinen Kreis geladener Gäste einen Vortrag über das geplante technische Institut zu halten. Wie man erfährt, ist es Dr. Lewin gelungen, verschiedene namhafte Persönlichkeiten zu veranlassen, als Vertreter der amerikanischen Juden in das Kuratorium des Technikums einzutreten. Und zwar u. a. folgende Herren: Mortimer L. Schiff, Louis Marschall, Professor Salomon Schechter, Professor Cyrus Adler und Richter Mayer Sulzberger. Der Eintritt noch weiterer hervorragender jüdischer Persönlichkeiten Amerikas wird noch erwartet. Derartige Kuratorien sollen sodann in jedem der in Betracht kommenden Länder Europas eingerichtet werden und zusammen üie Oberleitung der Schule bilden. Bekanntlich hat Jacob H. Schiff eine Summe von 100 000 Dollars [Jt 400 OOOj für das Technikum in Aussicht gestellt. Außerdem sind noch andere namhafte Beiträge gezeichnet Worden; eine Agitation für kleinere Spenden soll jetzt eingeleitet werden. Dadurch soll erzielt werden, daß das Institut Freunde in allen Kreisen des jüdischen Lebens findet. Der Umstand, daß nicht Jacob H. Schiff selbst in das Kuratorium eintritt, ist auf den Wunsch des Herrn Schiff selbst zurückzuführen, der mit jüdischen Ehrenämtern bereits überlastet ist und deshalb seinen Sohn Mortimer für das Kuratorium vorschlug. Nach Schluß dieses Berichtes erhalten wir noch eine Mitteilung aus Baltimore, die besagt, daß eine Konferenz, die Herr Dr. Lewin dort abhielt, gleichfalls sehr erfolgreich verlaufen ist. Zur Konferenz waren nur wenige, aber in jeder Hinsicht hervorragende Personen eingeladen. Professor H. Hollander von der John Hopkins-Universität leitete die Versammlung mit einem kurzen Vortrag ein, der die Neubelebung des Interesses für Palästina unter den Juden behandelte, das so verschieden ist von dem archäologischen Interesse, mit dem man all die verflossenen Jahre hindurch Palästina betrachtete. Heute nähmen die Juden Anteil an dem lebendigen Palästina, wo Juden ihre Heimstätten errichteten und ihre geistigen Ideale verwirklichten. Eine Summe von 3000 Dollars wurde auf dieser Konferenz für das Technikum gesammelt, darunter allein drei Zuwendungen von je 500 Dollars von den Herren Levv & Sons, Jacob Epstein und Josef Friedewald. ' Die Paßfrage in Amerika New York, 17. Febr. Das Komitee des Repräsentantenhauses für die auswärtigen Angelegenheiten legt dem Plenum die Empfehlung vor, daß der Präsident ersucht werde, Rußland aufzufordern, auch die für amerikanische Bürger israelitischer Konfession ausgestellten Pässe anzuerkennen. Brandunglück in Konstantinopel=Galata Am Sonntagabend hat in Galata ein schweres Schadenfeuer zahlreiche Menschenleben vernichtet. Die Opfer sind russische Juden, auch Frauen und Kinder. Ein Teil kam in den Flammen um, andere zogen sich tödliche Verletzungen zu, indem sie aus den Fenstern sprangen. Die Zahl der Verunglückten wird auf zwanzig angegeben. Literarisches Komperts sämtliche Werke in zehn Bänden. Mit sechs Bildnissen, zwei Abbildungen und einem Stammbuchblatte, sowie einer Einleitungvon Dr. Stefan Hock. Broschiert JC9.-~. In