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Die Welt · 1909-02-26 · 9 (26.2.1909) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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abende, die auch Bürgern zugänglich waren, an der Vertiefung der zionistischen Idee in seinen Mitgliedern. Die äußere Arbeit wurde durch eine imposante, von etwa 4500 Personen besuchte Versammlung eingeleitet, in der u. a. A. H. Dr. Margulies und Abg. Doz. Dr. Mahler unser Programm entwickelte. Einen großen moralischen und materiellen Erfolg brachte der Saiten-Buber-Abend, der wohleine neue Ära im Prager Zionismus eingeleitet hat. Der Verein war durch Entsendung seiner Mitglieder in alle Teile Böhmens für die Verbreitung des Zionismus unter Bürgern und Studenten in hervorragender Weise tätig und nahm an den meisten zionistischen und jüdischen Veranstaltungen in diesem Lande teil. Für unsere nationalen Institutionen werden in diesem Semester wiederum bedeutende Beträge gesammelt. Brod a. S. (Slawonien). Das hiesige zionistische Vorbereitungskomitee (Rabb, Saul Stern, H. Schulman, Isidor Steiner, Dr. S. Baum und Max Zederer) veranstaltet am 14. März d. J. eine große zionistische Versammlung, bei welcher die HH. Dr. H. Urbach, Rabb. aus Doljna Puzla (Bosnien), Dr. Hugo Spitzer (Mitglied des A. C.) und J. N. Schulhof aus Essek zionistische Vorträge halten werden. Der Zweck ist die Gründung eines zionistischen Vereins. Hochschulkurse für Palästinakunde Die vom Verein „Theodor Herzl" in Wien veranstalteten Palästinakurse wurden im Hörsaal des Anatomischen Instituts vom 20. bis 24. d. Mts. abgehalten. Aaronsohn sprach über Geologie und landwirtschaftliche Verhältnisse Palästinas, Dr. Berkowitz über Palästina in der Volkskunde, Pastor Eberhard über das Schulwesen, Dr. Kraus über Geschichte des Landes, Oberingenieur Lau dozierte über die Wasserkräfte, Prof. Dr. Oberbummer behandelte die Geographie Palästinas, Dr.Sandler trug über Nosologie vor, und David Trietsch entwickelte seine Ansichten über das zionistische Palästinaprogramm und die Probleme der Kolonisation. Die Vorträge wurden von 274 inskribierten Hörern fleißig besucht, davon waren 233 Hochschüler, 41 Bürger und Angestellte. Die durchschnittliche Anzahl der Zuhörer belief sich auf 250. Die Palästinakurse sind ein wertvoller Beitrag zur Verbreitung des Palästinavereins, und der rege Besuch beweist, daß sie einem längst empfundenen Bedürfnis entsprechen. Die Vortragenden sind in höchst befriedigender Weise ihrer Aufgabe gerecht geworden und ernteten reichen Beifall. Herr Aaronsohn wurde anläßlich seiner Anwesenheit in Wien von der Botanischen Gesellschaft eingeladen, über den von ihm in Palästina entdeckten „Urweizen" zu sprechen. Der zionistische Zentralverein lud die Herren Aaronsohn, Dr. Sandler und Trietsch zu einem Diskussionsabend mit der Tagesordnung — „Der Zionismus und die neue Türkei" — ein. „Das neue Ghetto" Sonntag den 21. ds. Mts. gelangte durch das Ensemble der „Jüdischen Bühne" das „Neue Ghetto" von Theodor Herzl zur Aufführung. Besonderes Lob verdient Herr Brecher als Wasserstein. Das gut besetzte Haus spendete den Darstellern lebhaften Beifall. Die „Jüdische Bühne" hat den „Golem" von Hollitscher erworben und gedenkt das Stück in einigen Wochen zur Aufführung zu bringen. Holland (Von unserm Berichterstatter) Ganz unerwartet sind wir hier in diesem Friedenslande in einen heftigen Streit geraten. Hat man je gehört vom Oberrabbiner E. Hamburg in Groningen? Wahrscheinlich nicht, obwohl dieser Herr Oberrabbiner schon seit vielen Jahren Antizionist ist, und nicht nur ein gewöhnlicher, sondern ein wutschäumender, zeitungsartikelschreibender, ja sogar für seine Überzeugung in der Synagoge predigender Antizionist. Man weiß, daß keiner der holländischen Oberrabbiner, mit der einzigen und großen Ausnahme des Zionisten Dr. Dünner, dem Zionismus freundlich gesinnt ist; diese aber bekämpfen den Zionismus fast immer in würdiger Weise. Anders der Oberrabbiner Hamburg. Dieser hatte. vor einigen Jahren das bekannte Communique der Oberrabbiner, in welchem unsere Bewegung für Treifoh erklärt wurde, mit unterzeichnet und wurde daher von den üroninger Zionisten eingeladen, seine Beschwerden öffentlich in einer Versammlung auseinanderzusetzen. Er versprach dieses, fand aber, wenn es galt, das Datum festzusetzen, immer eine Entschuldigung. Die Zionisten beklagten sich selbstverständlich über dieses Verfahren in den Zeitungen, und die Wut des Herrn Oberrabbiners wurde dadurch immer größer, bis es sogar in der Synagoge mit einem etwas heißblütigen Zionisten zum Streit kam. Von da an kannte er, wie er sagte, „nur ein Lebensziel", die Vertilgung der Zionisten. Er predigte in der Synagoge gegen uns und schämte sich nicht, dabei die törichsten Märchen zu erfinden und zu erzählen. Jelzt aber hat durch zufällige Umstände seine Heftigkeit gegen uns den Gipfel erreicht und einen Streit hervorgerufen, der nicht nur die Zionisten, sondern die weitesten jüdischen Kreise entrüstet. Es wurde vor einigen Wochen in Groningen von der Gemeinde ein Oberkantor gesucht. Unter den Bewerbern war auch ein junger Zionist, Herr G. Hen, bis jetzt Kantor in Hilversum. Dieser hat eine sehr schöne Stimme, und jeder erwartete daher, daß Herr Hen zu der Prüfung.eingeladen werde, welche gesetzmäßig der Ernennung vorangeht. Und daß man wirklich diese Absicht hatte, geht hervor aus einer Erklärung zweier Mitglieder des Gemeindevorstandes, welche jetzt, von andern mitgeteilt, im Besitze des Vorsitzenden des Niederländischen Zionistenbundes ist. Herr Hen aber bekam am 5. Januar, d. J. vom Herrn Oberrabbiner Hamburg einen Brief folgenden Inhalts:- „Geehrter Herr! Mit Bezug auf Ihre Bewerbung um die Oberkantorstelle in Groningen bitte ich Sie, mir mitzuteilen, ob Sie Zionist sind, und wenn ja, ob Sie, evtl. zum Oberkantor ernannt, willig wären, dem Zionismus fortan Ihre materielle und moralische Hülfe zu versagen." Herr Hen antwortete darauf in durchaus würdiger Weise, daß er Zionist sei und es deshalb als seine Pflicht erachte, dem Zionismus mit Geld und Arbeit zu dienen; daß es ihm, da der Herr Oberrabbiner nicht nur seine Enthaltung als Propagandist, sondern auch von individuellen zionistischen Äußerungen forderte, unmöglich sei, ein solches zu versprechen. Nur wenn er, zum Oberkantor ernannt, vom Herrn Oberrabbiner überzeugt werde, daß der Zionismus eine Gefahr für das traditionelle Judentum sei, würde er, als orthodoxer Jude, aufhören, für den Zionismus zu arbeiten. Herr Hen wurde nicht zu der Prüfung eingeladen, und es wurde bekannt, daß dieses nur geschehen war, weil der Oberrabbiner Hamburg, obgleich Herr Hen auf Ersuchen zwei vom Herrn Oberrabbiner Dr. Dünner unterschriebene Erklärungen „guten religiösen und moralischen Betragens" vorgezeigt hatte, wegen der zionistischen Gesinnung des Herrn Hen seine Zustimmung verweigert hatte. Diese Tatsachen kamen zur Kenntnis des Bundesvorstandes des Niederländischen Zionistenbundes, der in Verbindung mit der Groninger Ortsgruppe gleich mehrere Maßregeln ergriff, um gegen dieses Verfahren zu protestieren. Zuerst wurde in den jüdischen Zeitungen vom Bundesvorsitzenden Dr. Franzie Berenstein der ganze Briefwechsel zwischen den Herren Hamburg und Hen mit einem kurzen Kommentar publiziert. Die Sache zog gleich in starkem Maße die Aufmerksamkeit auf sich und gab vielen Veranlassung, ihre Meinung in dieser Sache zu veröffentlichen, und diese Meinungen waren mit einer einzigen Ausnahme gegen den Herrn Oberrabbiner und für uns. Ja, eine vielgelesene Zeitung, welche sonst immer, wenn auch in würdiger Weise, den Zionismus bekämpft,nahm in einem Leitartikel stark Stellung gegen Herrn Hamburg, den sie des Friedensbruchs und Machtmißbrauchs beschuldigte. Und auch offiziös bezeugten viele Nichtzionisten dem Bundesvorstand ihre Sympathie; so zwei einflußreiche Mitglieder der offiziellen Zentral-Kommission für die Angelegenheiten der Israeliten in Holland, Dr. B. Cohen in Groningen undM. de Hes in Meppel, und wieder andere meldeten sich, entrüstet über denAntizionismus, welcher solche Verteidiger sendet, an Mitglieder des Bundes! — Der Bundesvorstand aber ging weiter: er hielt am 14. Februar in Groningen die erste Protestversammlung ab unter Vorsitz des Herrn Dr. J. Mendels, wo die Herren Dr. A. van Raalte und der Bundesvorsitzende Dr. S. Franzie Berenstein die Bedeutung der Angelegenheit auseinandersetzten. Herr van Raalte führte aus, es handle sich hier um eine Tat, welche nicht nur die Zionisten angeht, sondern alle holländischen Juden. Oberrabbiner Hamburg führe hier den Klerikalismus ein, welchen die jüdische Gemeinschaft nicht kennt, noch kennen soll, denn er spreche wegen einer politischen Überzeugung den geistlichen Bannfluch über einen Juden aus. Herr Franzie Berenstein verteidigte daneben den Zionismus gegen die Angriffe der Orthodoxie und betonte die Unmöglichkeit des Standpunktes des Herrn Oberrabbiners, der gegebenenfalls z. B. auch den Oberrabbiner Dr. Dünner nicht zur Prüfung als Oberkantor zulassen würde. Selbstverständlich wurde auch von beiden Rednern nachdrücklich darauf hingewiesen, wie „inkonsequent" Herr Hamburg die Moralität betrachte, da er laut seinen eigenen Worten Herrn- Hen zugelassen -hätte, wenn dieser, um eine bessere Stelle zu gewinnen, seine Oberzeugung preisgebe. — Die Versammlung war, — obgleich „man" viel getan hatte, dies zu verhindern, —stark besucht, von ungefähr 250 Juden. Am Schluß wurde gegen nur sechs Stimmen eine Resolution angenommen, in welcher die Tat des Herrn Oberrabbiners stark getadelt, wird, weil diese zum Klerikalismus führe und weilsie* eine

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