Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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No. 9 DJE^ELT 189 der Nähe derselben kleinere Landparzellen gegen Ratenabzahlung zur Verfügung stellen und ihnen so die Möglichkeit schaffen, eine selbständige Existenz zu führen. Anderweitige Mittel zur Verbesserung der Lage, der Arbeiter soll das Komitee den. andern Gesellschaften und Organisationen oder aber der Selbsttätigkeit der Arbeiter überlassen. Am Schlüsse schlägt der Referent präzise Resolutionen, im Sinne dieser Ausführungen vor. Herr Grün bäum berichtet über eine Reihe von praktischen Vorschlägen zur Verbesserung der Lage der Arbeiter, die dem Odessaer Komitee von Seiten des Arbeiterverbandes „Hapo'el ha'zai'r", dem Komitee der Arbeiterkolonie „En-Ganim" und des Herrn M. Scheinkin zugegangen sind. Es entspinnt sich sodann eine lebhafte Debatte, an der sich die Herren Spielberg, Frankfeld, Gurland, Schapiro, Pollak, Brontmann, B. Goldberg, Lilienblum, Pines u. a. beteiligen. Die Debatte dreht sich hauptsächlich um das gegenseitige Verhältnis der Kolonisten und Arbeiter zueinander und um die harten Bedingungen der jüdischen Lohnarbeit in Palästina. Auf Antrag des Herrn Dr. Sapir wird die Formulierung der Resolutionen über die Arbeiterfrage einer Kommission übertragen, bestehend aus den Herren Gurland, Buchmil, Drujanow, Grünbaum und Rabinowitz. (Auch die von dieser Kommission in der folgenden Sitzung vorgelegten Resolutionen wurden von der Konferenz, wie die Resolutionen über die Agrarfrage, einstimmig angenommen. Vergl. die vorige Nummer der „Welt".) Das Wort erhält Herr A. M. Boruchow zu seinem Referat über „das Informationswesen." Referent weist auf den prinzipiellen Unterschied hin, der zwischen der Tätigkeit der Informationsbureaus des Odessaer Komitees und derjenigen der üblichen Informationsbureaus für Emigranten besteht. Diese erblicken ihre Aufgabe lediglich darin, den Emigranten die Überfahrt zu erleichtern und in jedem einzelnen Falle dem Reflektanten die auf seine Verhältnisse bezügliche Auskunft zu erteilen, ohne übrigens auf die Wahl des Landes einwirken zu wollen. Hingegen sind die Informationsbureaus des Odessaer Komitees weniger Emigrationsals Immigrationsbureaus. Sie haben ein Interesse daran, das jüdische Element in Palästina zu stärken, und sind demgemäß bestrebt, die Einwanderung wohlhabender und ökonomisch widerstandsfähiger Elemente nach Palästina zu begünstigen. Neben der erwähnten, den allgemeinen Emigrationsbureaus eigentümlichen Aufgabe haben sie daher noch die weitere und umfassendere Aufgabe, das volkswirtschaftliche Leben Palästinas auf allen Gebieten des Handels, der Industrie und der Landwirtschaft systematisch zu studieren, die Verhältnisse von Nachfrage und Angebot an Kapital und Arbeit genau festzustellen und nach wissenschaftlichen Prinzipien zu verarbeiten. Die aus diesen Voraussetzungen sich ergebenden Folgerungen in bezug auf Organisation und Arbeitsplan der Palästina-Informationsbureaus faßt der Referent am Schlüsse in präzise Resolutionen zusammen. Vierte Sitzung (Mittwoch, 10. Februar, 7—11 Uhr nachmittags) Die Sitzung beginnt mit einer lebhaften Debatte über das Informationswesen, an der sich die Herren Bonfeld, Spielberg, Stupniker, Pollak, Schimkin, Rosow, Boruchow u. a. beteiligen. In der Debatte werden verschiedene Einzelheiten in der Arbeit der Bureaus bemäkelt, Anregungen gegeben usw. Schließlich wird auch dieser Punkt der Tagesordnung dahin erledigt, daß eine Kommission zur Formulierung der Resolutionen über diese Frage gewählt wird, bestehend aus den Herren Boruchow, Rosow, Schimkin Spielberg und Rabinowitsch. Herr Dr. Raimist hält ein zweistündiges Referat über „Das Schul- und Erziehungswesen in Palästina". Es würde uns zu weit führen, hier auch nur die Hauptpunkte dieses Referates und der darauffolgenden sehr interessanten und lebhaften Debatte über diesen Punkt anzuführen, die auch die ganze fünfte Sitzung (Donnerstag, 11. Februar, 10—3 Uhr) ausfüllte und den Höhepunkt der Verhandlungen der Konferenz bildete. Wir werden auf diesen wichtigen Punkt noch zurückkommen. Hier seien nur die Resolutionen wiedergegeben, die in der letzten Sitzung (Donnerstag abend) von der eigens dazu eingesetzten Kommission (Dr. Raimist, Dr. Klausner, Temkin, Triwus und Rawnitzky) vorgeschlagen und von der Konferenz einstimmig angenommen wurden. Resolutionen, betreffend das Schul-und Erziehungswesen in Palästina 1. Die Tätigkeit des Komitees auf dem Gebiete des Schul- und Erziehungswesens in Palästina trägt einen streng nationalen Charakter. 2. Das Komitee ist bestrebt, entsprechende Lehr- und Erziehungsanstalten ins Leben zu rufen und zu befestigen, um sie, sobald ihre weitere Existenz gesichert erscheint, der Verwaltung der einheimischen jüdischen Bevölkerung zu überantworten. 3. a) Die Generalversammlung empfiehlt dem Komitee, auch künftighin, neben seiner Arbeit zugunsten der allgemeinen, elementaren und Mittelschulbildung, allerlei professionelle Kurse nach Maßgabe des erwachsenden Bedürfnisses zu fördern. b) Die Generalversammlung empfiehlt dem Komitee, die Kolonialschule den Bedürfnissen der Agrikultur in dem Maße anzupassen, als dies von kompetenter Seite für zweckmäßig erachtet wird. 4. Die Generalversammlung empfiehlt dem Komitee, darauf bedacht zu sein, möglichst weite Volkskreise zur Förderung des zur Verfügung des Komitees stehenden Schulfonds auf den Namen Dr. Pinskers heranzuziehen. 5. Das Komitee arbeitet auf dem Gebiete des Schul- und Erziehungswesen sowohl in den Städten als auch in den Kolonien. 6. Das Komitee unterstützt das Jaffaer Gymnasium.; 7. Das Komitee wird sich es auch künftighin angelegen sein lassen, durch seine Lehrer auch auf andere Lehr- und Erziehungsanstalten in Palästina im nationalen Sinne einzuwirken. 8. Das Komitee hat den Lehrerverband in Palästina zu fördern und zur weitern Stärkung und Entwicklung desselben beizutragen. 9. Das Komitee subsidiert in Palästina erscheinende Druckwerke, die von kulturell-erzieherischer Bedeutung sind. 10. Die Generalversammlung empfiehlt dem Komitee, in Palästina ein Seminarium für Kindergärtnerinnen zu gründen und zu unterhalten. In der Schlußsitzung referierte Dr. Sapir über Agitation und Propaganda. Es erfolgten dann die Wahlen des neuen Komitees, der Kandidaten und der „Revisionskommission". Gewählt wurden (in geheimer Zettelwahl) als Komitee-Mitglieder: als Kandidaten: 1. Herr M. Ussischkin 1. Herr A. L. Lewinsky 2. „ Dr. J. Sapir j 2. „ Agr. Sussmann 3. „ Dr. Himmelfarb 3. „ Dr. Raimist 4. „ Ch. Ettinger j 4. „ I. Ch. Rawnitzky 5. „ S Barbasch. j 5. ., Lewinsohn. Als Mitglieder der Revisionskommission: 1. Herr Ch. N. Bjalik 2. „ Frankfeld 3. „ Triwus •4. „ Dr. J. Klausner 5. „ B. Ladyshesky. Mit einem sehr warmen Schlußwort, das stürmischen Beifall entfesselte, schloß Herr Ussischkin um 11 Uhr die Konferenz. Geschäftsordnung des Zionistenkongresses Entwurf der Kommission Franzie-Berenstein, Qronemann, Hantke (Gemäß dem Beschlüsse der Jahreskonferenz stellen * wir hiermit den Entwurf für eine neue Geschäftsordnung des Zionistenkongresses, der-von der dazu eingesetzten Kommission ausgearbeitet worden ist, zur öffentlichen Debatte. Die Minorität der Kommission, Herr Franzie Berenstein, ersucht uns, hierzu mitzuteilen, daß seine Bedenken gegen die von der Kommissionsmehrheit angenommene Fassung einzelner Bestimmungen des Entwurfs fortbestehen und daß er diese seine abweichende Meinung in der nächsten Nummer unseres Blattes, zum Ausdruck bringen wird.) * * I. Allgemeine Bestimmungen § 1. Jeder Delegierte hat das Recht, mehrere Mandate zu übernehmen, verfügt jedoch nur über eine Stimme im Kongreß. Das Stimmrecht ist von allen Delegierten persönlich auszuüben; keinem in einer Sitzung anwesenden Delegierten ist gestattet, der Stimme sich zu enthalten. Die Delegierten stimmen nach eigener freier Entschließung; eine vor Eröffnung des Kongresses geschehene Verpflichtung eines Delegierten, durch die er in seiner freien Entschließung bei einer Abstimmung behindert wird, ist unzulässig und nichtig. § 2. Die Plenarsitzungen des Kongresses sind öffentlich. Die, Ausschließung der Öffentlichkeit kann durch gemeinsamen Beschluß 2