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Die Welt · 1909-02-26 · 9 (26.2.1909) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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die Ströme zurück in die Kreise der Gebenden. Was für eine Nation getan ist, ist edles Korn und gediegenes Gold. Es mag groß sein oder klein, es ist wenigtens ganz. Es gibt das Hundertfache von dem, was eingesetzt wird. Wie belebend und erquickend wirkt nicht jede Kunde von der Tätigkeit unserer Organe, jeder schöne Gedanke, jeder Fortschritt unserer Einigkeit! Aus den armen Mitteln bekommt ein jeder einen Reichtum an geistigen Gaben und das Bewußtsein seiner Beteiligung an der Schaffung nationaler Güter als bleibende Frucht. Die Institutionen, die Presse, die Propaganda usw. erfordern Geld, viel Geld. Woher soll man das Geld nehmen, wenn nicht aus dieser Quelle? Die Einrichtung des Schekels hat uns die Schaffung einer Organisation ermöglicht, und — wir haben eine Organisation, die sich nicht nur unter normalen Verhältnissen in glücklicheren Ländern, sondern auch in sturmbewegten Zeiten, auf dem grausigen Schauplatz der größten Wirren unter unsern Brüdern in Rußland erhalten hat. Ganz gebrochen von den unsäglichen überstandenen Leiden, wurde nur die zionistische Organisation, wie einst die Thorarolle, aus der Zerstörung gerettet. Diese Organisation ist der Lichtpunkt unserer neuesten Geschichtsperiode. Sie ist jüdisch, sie umfaßt die Juden in der ganzen Welt; sie ist in ihrer Grundlage frei- und volkstümlich, — und hat sie noch Mängel, so fehlt es ja nicht an Mitteln zu gegenseitiger Verständigung, zu gemeinsamer Wahrnehmung der Parteiinteressen, zur Herbeiführung eines einmütigen Vorgehens auf allen Gebieten. Die Schekeltage nahen. Es ist dies eine erhebende Feier, an der sich alle beteiligen müssen. Wir ziehen in den friedlichen Redekampf für das Gute. Es wehen keine Fahnen, es blinken keine Waffen, es glänzen keine Kronen, aber glänzen werden einst die Sch'kolim, die tausend und abertausend Perlen von Schweiß, von Tränen eines armen Volkes, das sich selbst helfen will. Wie eine Quelle unmittelbar an ihrem Ursprung am reinsten strömt, so ist diese erste Einrichtung der zionistischen Organisation die notwendigste, die unmittelbarste, auf deren Boden erst die andern Einrichtungen, Organe und Fonds erwachsen sind. Ohne diese einigende Grundlage zerfällt und löst sich alles in Einzelbestrebungen, in Teile auf. Hüten wie unsern Augapfel müssen wir daher insbesondere den Schekel! Hier ist Arbeit zu leisten: Ausschüsse bei den Landsmannschaften und Föderationen, vielleicht auch bei den Ortsgruppen, spezielle Versammlungen, Inkassenten, Adressensammlungen, massenhafte Versendung von Zirkularen u. dgl. Es ist hier nicht der Platz, über diese Technik zu schreiben; das sind die Formen, die jede Parteiarbeit, jede Massenagitation annehmen muß. Die Grundlage bleibt der Begeisterungsgrad des Durchschnittszionisten: das ist der Stoff, der so oder anders organisiert werden kann. Wenn man behauptet, nicht die jüdische Masse, sondern die Pioniere seien daran schuld, man könnte viel mehr tun, wären die führenden Zionisten oder die Föderationen energischer, — so drängt sich die Frage auf: Ja, warum sind sie nicht energischer? „Es fehlt das Vertrauen, die Anregung, der Impuls, die Kraft der großen Wirkung auf die Massen". Manchem von uns ist diese Phrase sehr geläufig. Wenn man aber ein nicht zu schwaches Gedächtnis hat, so erinnert man sieht leicht, daß es auch früher so lautete, und waren die Schekeleingänge höher, so war es wegen des neuen Reizes des Zionismus der ersten Jahre. Oder: „man hat dies und jenes nicht gemacht, man könnte dies und jenes besser machen". Ja, um dies und jenes zu machen oder besser zu machen, muß man eben die Mittel haben. Es ist schon wirklich langweilig geworden, diese Selbstverständlichkeit immer und ewig wiederholen zu müssen. Was uns fehlt, 4ist das Festhalten, die alte, jüdische Ausdauer. Ohne diese Ausdauer werden wir nichts ausrichten, mit ihr werden wir alle Hindernisse überwinden. Die,, neuen, verheißungsvollen Entwicklungen im türkischen Reich müssen uns zn doppelter Kraftanstrengung für die Vergrößerung unserer Partei und die Mehrung der Schekelgelder anspornen. Sie beanspruchen unsere sorgfältigste Aufmerksamkeit und verpflichten uns, die Arbeit der Gewinnung aller unserer Brüder für den Zionismus mit frischem Mute wieder aufzunehmen. Als die Fanfare der Freiheit über das Osmanenreich erklang, horchten wir vertrauensvoll auf, in der sicheren Erwartung, daß diese Stimme Hoffnung kündet und eine Botschaft einer besserer Zukunft. Hat nicht diese Stimme uns eindringlich ins Ohr und Herz geklungen in den verschiedenen Kundgebungen? Mit dem Psalmisten konnten wir über diese Freiheitsrufe sagen: In alle Welt ist hinausgegangen ihr Schall und bis an die Grenzen der Erde ihre Worte! Wohl haben auf diesen Ruf alsbald nörgelnde Schwarzseher geantwortet, und man hörte die Tötengräber, wie sie mit ihren Werkzeugen schon daran gingen,, dem Zionismus ein Grab zu schaufeln. Aber wir wußten ja, was wir davon zu halten haben. Wir wußten, daß so nur Menschen reden, welche den wirklichen Sinn geschichtlicher Ereignisse nicht verstehen können öder wollen. Wir dagegen haben aus diesen Zeichen die klaren Winke entnommen für ein erhöhtes und tatkräftigeres Bestreben um das kostbarste nationale Erbgut: um den Zionismus und um Palästina. Vieles Neue wurde unternommen, und manches muß noch unternommen werden. Wir überhäufen uns gegenseitig mit Vorwürfen; wir sind unzufrieden und suchen nach einem Sündenbock. Richte doch ein jeder die Unzufriedenheit gegen sich selbst! Stelle sich doch ein jeder die Frage, ob er die Pflicht der Schekelarbeit erfüllt! Alle und jeder einzelne ist berufen, an dieser Arbeit mitzuwirken, und niemand darf sich dieser Aufgabe entziehen. Seien wir mit uns selbst unzufrieden, — um uns zu einer energischen Arbeit aufzuraffen. Die herannahenden Schekeltage müssen eine Gesundung und Auffrischung der allgemeinen zionistischen Arbeit herbeiführen. All die andern Fonds dienen den größten und ersprießlichsten Zwecken, jeder besonders: der Schekel dient allen diesen Zwecken zusammen. Nur der Schekel, der die Kosten des Haushalts der zionistischen Organisation zu decken hat, macht die Existenz einer Zentrale, einer Gesamttätigkeit, einer Presse, eines Palästinaamtes u. dgl. möglich. In diesem Sinne sei nun die Schekelsammlung empfohlen, um durch sie den Ausbau unserer ganzen Organisation in dieser wichtigen Zeit der großen Entwicklungen in unserm Orient zu ermöglichen und zu erleichtern. Wer Zionist ist, möge die Begeisterung der ersten Jahre in sich wieder wachrufen! Und alle

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