Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE »ELT KÖLN AM RHEIN, KAROLINGERRING 6\# ERSCHEINT JEDEN FREITAG ZENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XIII. JAHRÖ. KÖLN, 26. Februar 1909 :pnrb d'W* TIN "n No. 9. DER SCHEKEL Der „Schekel des Heiligtums", den jeder Israelit jährlich zu entrichten hatte, der Schekel, der die Grundlage des altjüdischen Münz- und Gewichtssystems bildete, hat im Zionismus seine Auferstehung gefeiert. Er ist wieder dazu bestimmt, mit seiner Hilfe eine Stiftshütte zu erbauen, — die Ruinen eines Volkes aufizurichten, den Tempel zu erhalten, — einen Mittelpunkt für den irren Geist fciner umhergetriebenen Nation zu schaffen! Je mehr wir in den Sinn dieser Einrichtung einzudringen suchen, um so deutlicher erkennen wir im Schekel die Zeichen der hohen Weihe, die ihm die israelitische Vorzeit verlieh, und die der Zionismus in einer neuen und frischen Pracht erglänzen läßt. Man muß längst bekannte Gemeinplätze wiederholen.: Der Schekel ist der Eckstein des zionistischen Gebäudes, ohne Schekel — keine Organisation, die Schekeleintreibung ist die erste Pflicht zionistischer Betätigung, jeder Zionist ist es der Idee schuldig, an jeden Juden mit eindringlichen, überzeugenden Worten heranzutreten, um ihn als Zionisten und Schekelzahler zu gewinnen. Wie viele mal wurden diese elementaren Wahrheiten in allen möglichen Sprachformen und Tonarten gesprochen, geschrieben, bis zum Überdruß wiederholt; dennoch ist es, so oft man es auch schon gesagt hat, nicht zu oft gesagt, daß die Schekelarbeit die erste Pflicht des Zionisten bildet. Es kann nicht verkannt werden, daß ein Geist des Zweifels "und der Müdigkeit auf die zionistische Begeisterung einen unheilvollen Einfluß zu gewinnen sucht. Dieser Einfluß zeigt sich in der Sucht, neue Worte zu prägen, in dem Verlangen nach außergewöhnlichen seelischen Reizmitteln und in dem sprunghaften, unbeständigen Tun und Denken. Damit verbindet sich die Verachtung des Existierenden, die Geringschätzung jeder gewöhnlichen Wahrheit als einer abgedroschenen, banalen Plattheit, mitunter auch die völlige Ablehnung der elementarsten Pflicht jedes Parteimitglieds, die dem verwöhnten, grübelnden und verstiegenen Geist nicht mehr die'Befriedigung gibt, die sie gegeben hat,: als sie noch neu war.. Was der jüdischen Nation auch in dunkelsten Zeiten den Weg aufwärts gebahnt hat, war die Ausdauer. Man wurde nicht müde, das Alte zu wahren; man ließ sich nicht wie ein welkes Blatt vom Wind des- Augenblicks treiben. Die Blasiertheit ist eine Modekrankheit nervöser Menschen, reicher, raffinierter und fein nüancierter Völker. Wir sind zu arm, und unsere Lage ist zu ernst, um den Ludus dieser Krankheit bestreiten zu können. Wir müssen zur Ausdauer und zur Einfachheit zurückkehren. Wir dürfen nicht müde werden. Vergessen wir nicht, wie die alten Freunde, sind auch die alten Worte und Einrichtungen oftmals die besten. Also ein altes Wort: Sammelt Schekel! Jede Partei, die sich große Ziele steckt, muß heutzutage danach streben, in möglichst weite Kreise einzudringen. Das ist das Geheimnis der riesigen Erfolge der großen nationalen und sozialen Parteien: alles was in der Zentrale, in der Werkstätte der Leitung, in stiller emsiger Arbeit Geeignetes geschaffen wird, wird nicht nur durch eine große Presse der Öffentlichkeit übergeben, sondern sogleich in die Tausende von Ortsgruppen hineingetragen, dort in entsprechender Weise vorgebracht und besprochen und so Gemeingut der Gesamtheit. So tritt die engste, alles befruchtende Wechselbeziehung zwischen Leitung und Gesamtheit ein. Und eine alte Regel ist es, daß für eine solche Arbeit zunächst große. Mittel erforderlich sind. Da muß man wieder ohne jede geistreiche Pikanterie den Leuten einfach sagen, daß sie die Mittel geben müssen. Die alte Botschaft! Aber alle Theorien können darüber nicht hinweghelfen. Auch die Mächte dieser Welt sind auf diese traurige Pflicht angewiesen: jede Regierung muß für das, was fürs Land unternommen werden soll, die Mittel verlangen, sie mag noch so genial sein. Das Genie und der Wille allein genügen nicht, wenn der Steuereinnehmer nicht zur. Seite steht, Wir haben keine Regierung und verfügen über keine Macht. An einem Werke, das das ganze Volk angeht, muß jeder seinen Teil an Arbeit und Verantwortung auf sich nehmen. Der Schekel war und bleibt unsere erste Einrichtung. Er ist keine Steuer, aber würdiger als eine Steuer, denn er hängt vom guten Willen ab. Schekelzahler! Man glaube ja nicht, daß man bloß Schenkender ist, wenn man den zionistischen {Jahresbeitrag zahlt. Von dem Volksschatz fließen dafür •■■ - i