Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316361--51632-3345283- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
gestiegen. Geturnt wurde von den verschiedenen Abteilungen an 4 Abenden in der Woche. An der Vorturnerstunde nahmen durchschnittlich 5 Vorturner und 6 Vörturnerinnen teil. Die Männerriege wurde durchschnittlich von 15, die Zöglingsriege von 16 und die Frauenriege von 26 Mitgliedern besucht. Nebenbei wurden Fecht- und Samariterkurse abgehalten, im Sommer außerdem Turnspiele abwechselnd mit Turnermärschen, die eine rege Teilnahme aufwiesen. Die Finanzen des Vereins sind befriedigend. Unser langjähriger Vorsitzender, Herr Rechtsanwalt Dr. Kollenscher, der sich große Verdienste um den Verein erworben hat um seine Kräftigung nach innen, um sein Ansehen nach außen und um die Verbreitung unserer Idee, legte infolge überbürdung durch die Tätigkeit in andern jüdischen Institutionen und in seinem Beruf den Vorsitz nieder. Die Vorstands wähl ergab folgendes Resultat: I. Vorsitzender: Dr. Jeremias; II. Vorsitzender: Henry Cohn; Schriftführer; Zahnarzt Laufer; Kassierer: Leo Kollenscher; Beisitzer: Ludwig Grün; Turn wart: Oskar Schwarz; Gerätewart: Bach. vfc= C^f =^3= NACHRICHTEN Deutschland Enthüllung des Mendelssohn-Denkmals in Berlin In dem kleinen Vorgarten der jüdischen Schule in der Großen Hamburger Straße, die abseits liegt vom Lärm der Großstadt, wurde Sonntag mittag das vom Bildhauer R. Vlarcuse geschaffene Denkmal Moses Mendelssohns enthüllt. Der Enthüllung ging ein feierlicher Akt in der Aula der Anstalt voraus, an*dem neben zahlreichen Mitgliedern der Gemeinde und Vertretern der'Stadt von den Verwandten und Nachkommen Mendelssohns Franz v. Mendelssohn, Paul v. Mendelssohn-Bartholdy, Frau v. Richthofen, Frau Geheimrat Westphal und Frau Gusserow teilnahmen. Nach einem einleitenden Chorgesang betrat Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Ludwig Geiger das Podium, um in kurzen prägnanten Zügen das Wesen und den Wert Mendelssohns als Mensch, als deutscher Schriftsteller und als Jude zu zeichnen. Der Redner konzentrierte seine Ausführungen auf die innige Freundschaft, die den „Weltweisen von Berlin", als der Mendelssohn von Zuntz charakterisiert worden ist. mit Lessing verband, der gerade heute vor hundertachtundzwanzig Jahren gestorben ist. Während Lessing bekanntlich in seinem „Nathan" dem Freunde ein literarisches Denkmal gesetzt hat, versuchte Mendelssohn den Dichter, dessen Andenken ihn „wie das Bild einer Geliebten umschwebte", in den Schritten „An die Freunde Lessings" und „In den Morgenstunden" zu zeichnen. Nach abermaligem Chorgesang übergab Justizrat Timendorfer im Auftrage des Komitees das Standbild an den Vertreter der jüdischen Gemeinde, Sanitätsrat Dr. Stern. Das Denkmal ist in einfachen und schlichten Formen gehalten. Auf einem Sockel aus Dolomitstein steht die Büste Mendelssohns. Alliance Israelite Universelle In der Generalversammlung der Breslauer Mitglieder der Alliance, die am 9. ds. stattfand, kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen über die Art der Tätigkeit der A. I. U. im letzten Jahre. Die Herren Wilhelm Kober, Dr. Sandler und andere besprachen das Verhalten der Alliance in der Falaschafrage, ihre Erziehungsgrundsätze in ihren palästinensischen Schulen, die Zusammensetzung der nach dem Orient entsandten Revisionskommission, schließlich Verhältnis und Verhalten der Alliance zum Hilfsverein der deutschen Juden. Insbesondere wurde Klage geführt, wie von seilen des deutschen Geschäftsführers, Herrn M. A. Klausner und anderer Leute, die zur Alliance in Beziehung stehen, im offiziellen Organ und anderwärts Polemiken geführt wurden gegen Männer, wie in erster Reihe Dr. Paul Nathan, dann Dr. Margulies-Florenz, Dr. Faitlowitsch u. a., dann auch gegen ganze Gruppen von Leuten, die auf anderm Standpunkt stehen als die derzeitigen Leiter der Alliance. Die lange Debatte verdichtete sich schließlich zu folgenden Resolutionen, die einstimmige Annahme fanden: 1. „Die heutige Versammlung der „Ortsgruppe Breslau" nimmt von den Erklärungen des Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal: ,Auch dein liberalsten Manne muß es Herzenssache sein, die Erziehung der Jugend im heiligen Lande, mit Rücksicht auf die angestammte, tief innerliche Frömmigkeit der Eltern, in streng gesetzestreu-traditionellem Sinne durchzuführen*, — mit großem Interesse Kenntnis und beauftragt den Herrn Vorsitzenden, der als Delegierter nach Berlin reist, in diesem Sinne in energischster Weise den Standpunkt der Breslauer Mitglieder der A. I. U. zu vertreten.'1 2. „Die Breslauer Ortsgruppe der A. I. LI. spricht ihr Bedauern darüber aus, daß in den offiziellen Mitteilungen der Monatsschrift „Ost und West" während des vorigen Jahres mehrfach 'ein unseres Erachtens wenig angemessener Ton gegenüber Vertretern abweichender Meinung geherrscht hat." 3. „Die Versammlung hält ein einträchtiges, auf gegenseitiger Achtung begründetes 'Zusammenarbeiten der beiden verdienten Organisationen ,Alliance' und Jiilfsverein'für höchst wünschenswert" Die für denselben Abend angesetzte Neuwahl des Lokalkomitees wurde auf Antrag von Kommerzienrat Sternberg für die nächste Sitzung verschoben, die im Laufe des Monats März stattfindet und in der Herr Rabbiner Dr. Rosenthal über die bevorstehende Berliner Tagung berichten soll. Sechste Tagung der Deutschen Konferenzgemeinschaft der Alliance Israelite Universelle (Offizieller Bericht) Am Dienstag, 16. Februar, hat die aus den deutschen Mitgliedern des Zentralkomitees der Alliance Israelite Universelle bestehende Deutsche Konferenzgemeihschaft der A. I. U. ihre sechste Jahrestagung in Berlin im großen Sitzungssaal im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde gehalten. Die zur Teilnahme Berechtigten aus allen Teilen Deutschlands und die Mitglieder des Berliner Lokalkomitees waren fast vollzählig erschienen oder hatten legitimierte Vertreter entsandt. Vom Zentralkomitee in Paris war dessen Geschäftsführer delegiert. Den Vorsitz führten die Präsidenten der Dautschen Konferenzgemeinschaft, Geheimrat Goldberger-Berlin und Philipp Schiff-Frankfurt a. M., die den ausführlichen und mit allseitiger Zustimmung aufgenommenen Rechenschafts- und Arbeitsbericht für das Jahr 1908 erstatteten und den Arbeitsplan für 1909 entwickelten. Mit Befriedigung wurde festgestellt, daß die Zahl der Mitglieder im vergangenen Jahre wieder erheblich gewachsen ist, dank der früher beschlossenen und inzwischen fast vollständig durchgeführten straffem Zentralisierung, einer eifrigen Propagandatätigkeit durch Vorträge und der Verbreitung des Organs der Konferenzgemeinschaft, der illustrierten Monatsschrift „Öst und West". Im Laufe des Jahres 1908 sind 28 neue Lokalkomitees der Alliance geschaffen, 30 bestehende erweitert worden. Die Entwicklung der Mitgliedschaft in Deutschland zeigt in einem Zeiträume von drei Jahren eine Vermehrung um 40,5%, die der Beiträge und Spenden in derselben Frist eine Zunahme um 64°/o. Die helfende, aufrichtende und unterrichtliche Tätigkeit der Alliance Israelite Universelle blieb auch im vergangenen Jahre über drei Erdteile verbreitet; es wurden 45O0O Zöglinge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist. Für dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat 1,5 Millionen Frcs., im außerordentlichen Etat 500 000 Frcs., zusammen zwei Millionen Frcs. aufgewendet. Die Tätigkeit der Deutschen Konferenzgemeinschaft war vornehmlich auch den räumlich näherliegenden Arbeitsfeldern zugewendet: den durchwandernden russischen Glaubensgenossen und namentlich den Ausgewiesenen widmete sie ihre unterstützende und fördernde Fürsorge. An allen Hilfsorganisationen in den Einzelstaaten und den Provinzen hat die Deutsche Konferenzgemeinschaft im vergangenen Jahr in führender Weise Anteil genommen. — Die Deutsche Konferenzgemeinschaft erörterte, wie in frühern Jahren, eingehend und in bejahendem Sinne die Frage der Ausdehnung beziehentlich Einführung des deutschen Sprachunterrichts in einzelnen Allianceschulen, u. a. in Marokko, und der erweiterten Entsendung von Zöglingen des Pariser Lehrerseminars der Alliance nach Deutschland zum Zweck der Erlernung der deutschen Sprache. Dem allgemeinen Bericht schlössen sich die Sonderberichte der einzelnen Bezirks-, Provinzial- und Landeskomitees an. Überall konnte große Regsamkeit und erneuter Aufschwung konstatiert werden. Herr Rabbiner Dr. Porges-Leipzig, der in den Monaten November, Dezember, Januar mit Herrn Professor Levi-Paris die-Orientschulen der Alliance inspiziert hatte, erstattete vorläufigen persönlichen Bericht. Der Bericht wurde mit lebhaftestem Interesse entgegengenommen. Mit großer Befriedignng und Genugtuung vernahm man, daß die Allianceschulen im Orient jede unbefangene Prüfung vertragen können hinsichtlich des Unterrichtsplans, der Unterrichtsmethode, der Unterrichts- und Erziehungsergebnisse, und nicht zuletzt hinsichtlich des in ihnen waltenden, vom traditionellen Geist getragenen religiösen Sinnes. Verband deutscher Juden Der Gesamtausschuß des Verbandes der Deutschen Juden war am 7. Februar 1909 in Berlin versammelt. Es wurde beschlossen, die Hauptversammlung im Herbst d. J. in Breslau abzuhalten. Über die wünschenswerte Ordnung des jüdischen Religionsunterrichts an höheren Lehranstalten in Preußen 'und die Vorbildung der