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Die Welt · 1909-02-19 · 8 (19.2.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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No. 8 -■• ■ ' ' ' -== DIE] Arbeiter-Palästinafonds Das Wiener Verbandsbureau des Allweltlichen jüdischen sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion hat die Gründung eines Arbeiter-Palästinafonds beschlossen. Er soll hauptsächlich zur Erhaltung eines poale-zionistischen Arbeiteramtes im Judenlande und zur Propagierung des Poalezionismus unter den jüdischen Arbeitern der Türkei verwendet werden. Das Verbandsbureau gedenkt als Sammelmittel eine Marke im Werte von 5 Heller herauszugeben. Wie uns vom Verbandsbureau mitgeteilt wird, hat der palästinensische Verlag „Achduth" in Jerusalem seine Tätigkeit begonnen. Die erste populäre Broschüre des Verlags „Was ist Freiheit?" in hebräischer Sprache ist soeben erschienen. Belgien Vortragsserie Zadikow Es wurde bereits von anderer Seite des Vortrages, den Herr Zadikow im Misrachi-Verein Bnei Zion-Antwerpen hielt, erwähnt. Wir möchten den ganzen Vortrags-Zyklus, den der vorzügliche Redner in unserm Vereine hielt, in kurzer Revue passieren. . Der Inhalt seiner ersten Rede, „Die Männer der großen Synode", ist den Lesern bereits bekannt. Weit vortrefflicher noch war sein zweiter Vortrag unter dem Titel „Die Harfe Davids". In hervorragender, ergreifender Weise entwarf der Redner ein herrliches Lebensbild „des königlichen Sängers", dessen ganzes Leben ein Kampf für sein Volk bedeute. An die Worte unsrer Weisen anknüpfend, „König David lebt und besteht heute noch," führte er in einer seltenen bilderreichen Sprache aus, wie in so vielen anscheinend unansehnlichen Juden noch heute der Geist Davids fortlebe, der es ermöglicht, daß sie ihrem Volke und ihrer Religion große Opfer bringen. Der Beifall, der diesen Ausführungen folgte, war ein geradezu immenser. Die große Menge, die sich zum nächsten öffentlichen Vortrage einstellte — es waren 'über 400 Personen — zeigte, wie Herr Zadikow die Masse zu begeistern versteht. Das Thema lautete „Elijohu Hanowi" und galt hauptsächlich dem Probleme, wie der Zionismus sich mit jüdischer Religion absolut vereine und es Pflicht eines jeden frommen Juden sei, die Misrachi zu unterstützen. In geistreicher Weise führte er den Begriff der Schekolim aus. In der Pause, die der Redner während seines dreistündigen Vortrages machte, wurden über 60 Schekolim gesammelt, und verschiedene neue Mitglieder meldeten sich unserm Vereine an. Auch an zwei Sabbathen hielt Herr Zadikow in der Synagoge Droschaus, in welchen er speziell an die stets bei uns Juden bestehende Liebe für Erez Isroel appellierte. Es waren für unsern Verein denkwürdige Wochen, die uns neue Freunde und Gönner brachten. . England Zionismus an den Universitäten Eine interessante Versammlung der London Zionist League fand am Sonntag den 7. ds. unter dem Vorsitz Dr. Friedebergers in der Hampstead Synagogue statt. Herr Israel Cohen referierte über das Thema: „Zionismus an den Universitäten." Er verglich die neuerliche Gründung von zionistischen Vereinen an den englischen Universitäten mit den Studentenvereinen auf dem Kontinent. Die letztern haben bekanntlich bereits eine lange Geschichte, die mit der 1836 von Steinschneider in Prag begründeten Studentenvereinigung für die jüdische Kolonisation Palästinas beginnt Die Vereine auf dem Kontinent entstanden meist in jüdischen Städten und einer antisemitischen Atmosphäre. Aber die beiden ersten Universitätsvereine in England, in Oxford und Cambridge, wurden in einer durchaus nichtjüdischen Umgebung gegründet, von deren liberaler Kultursphäre man hätte erwarten können, daß sie die jüdischen Studenten ihren altererbten eigenen Idealen entfremdet hätte. Das Merkmal der englisch-jüdischen Studentenvereine besteht -daher darin, daß ihr Zionismus auf der Überzeugung jüdischer Intellektueller beruht, die niemals unter Antisemitismus zu leiden hatten und sich aller Vorzüge und Freiheiten des studentischen Lebens erfreuten. Vom Standpunkte der zionistischen Organisation in England sei die Gründung dieser Vereine um so wichtiger, weil der Anschluß derjenigen, die auf Grund ihrer geistigen Erkenntnis Zionisten würden, dauerhafter sei als der derjenigen, deren nationale Sympathien nur durch einen Pogrom geweckt würden. Dann aber auch seien-die Mitglieder dieser Vereine berufen, nach Beendigung ihrer Üniversitätsstudien die Vertreter und-Fuhrer der zion istischen Ideale innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in England zu werden. Um sie £ELT 175 für dieses Ziel vorzubereiten, sei es notwendig, daß sie die Geschichte der zionistischen Bewegung in all ihren Entwicklungszuständen von Anfang an studierten, ebenso wie die Geschichte und Literatur des jüdischen Volkes. Es sei auch notwendig, daß sie sich für die Schaffung der Propagandaliteratur vorbereiten, die in England so dringend notwendig sei; auch sollten sie sich dem Studium des Hebräischen als einer lebenden Sprache widmen. In der anschließenden Diskussion kündigte Mister Leon Simonan,- daß ein zionistischer Studentenverein auch an der Universität London in der Bildung begriffen sei, der beabsichtige, die Schaffung von Propagandaliteratur in die Hand zu nehmen. Zum Eintritt in diesen neuen Verein hätte sich bereits eine Anzahl Studenten gemeldet, die ihren Studiengang in Oxford oder Cambridge beendigt hätten. Mister Joseph Cowen drückte seine herzliche Genugtuung über die Gründung der Studentenvereine aus und sagte, dies sei ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft, da die späteren Führer des englischen Zionismus«aus ihren Reihen hervorgehen würden. An der Diskussion beteiligten sich noch die Herren: Henry Snowman, Paul Goodman, Wodislawsky und Dr. Friedeberger. Misrachi Auf dem 8. Zionistenkongreß wurde von den im Haag versammelten Anhängern des Misrachi ein Kapitalfonds für die Gründung einer hebräischen Mittelschule in Palästina gezeichnet. Das zur Durchführung des Unternehmens gebildete Komitee wurde inzwischen durch den Beitritt mehrerer angesehener, dem Zionismus nicht angehörender Männer der deutschen gesetzestreuen Judenheit erweitert und das Unternehmen dadurch auf eine breitere Basis gestellt. Nach längere Zeit dauernden Ermittlungen hat das Komitee von der Errichtung einer neuen Schulanstalt abgesehen, hat vielmehr beschlossen, die seit einigen Jahren in Jaffa bestehende Tachkemonischule zu übernehmen und in eine nach modernen pädagogischen Grundsätzen geleitete Schule umzugestalten. Die Leitung der Schule, die den Namen „Hebräische Mittelschule Tachkemoni in Jaffa" führen wird, wurde dem geprüften Oberlehrer für Mathematik "und Physik, Herrn N. Schlesinger aus Hamburg, übertragen. Als Lehrer wird von dem Komitee zunächst noch Herr Dr, J. Engel, der nach längerer Lehrtätigkeit an dem Jungschen Gymnasium in Ung. Brod noch eine Zeitlang speziellen pädagogischen Studien obgelegen hat, nach Jaffa entsandt werden. Beide Herren werden ihr Amt nach Pessach antreten. Schatzmeister des. Komitees, das sich demnächst mit einem Aufrufe an die weitere Öffentlichkeit wenden wird, ist Herr Josef W. Hackenbroch, Frankfurt a. M., Röderbergweg 30. Jüdischer Frauenverband für Palästina Im August 1907 wurde im Haag der Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina gegründet. Als nächstes Ziel setzte sich der Verband, die jüdischen Krankenhäuser und Asyle Palästinas mit modern ausgebildeten Schwestern zu versehen und eine Haushattungs- und Wirtschaftsschule nebst hiermit verbundenem Heim fürKrankenpflegerinnen und Lehrerinnen zu gründen. Auch Kindergärten müssen gegründet werden, damit die Frauen, die dem Manne bei der Arbeit helfen, nicht gezwungen sind, die Kinder zu Hause sich selbst zu überlassen. Der Verband, dem jüdische Frauen und Mädchen aller Kreise und verschiedener Richtungen angehören, verfügt zurzeit über mehr als 500 Mitglieder und hat im ersten Jahre über an Beiträgen aufgebracht, von denen über 2500^ als Bestand in das neue Vereinsjahr übernommen werden. In zahlreichen Städten haben sich Ortsgruppen gebildet. Trotz der kurzen Zeit seines Bestehens kann der Verband schon erfreuliche Ergebnisse seiner Tätigkeit auf dem Gebiete der Krankenpflege aufweisen. Er unterstützt gegenwärtig das jüdische Krankenhaus in« Jaffa und hat die Schwester Fräuleiq Tempelmann als dessen Leiterin eingesetzt. Das Krankenhaus sollte infolge Mangels an Mitteln auf drei Monate ganz geschlossen werden, aber durch die Unterstützung des Verbandes konnte es ohne Unterbrechung geöffnet bleiben. Wenn der Verband unter den jüdischen Frauen die notwendige Unterstützung findet, wird er auf dem noch sehr vernachlässigten Gebiete der Wohlfahrtspflege in Palästina eine überaus segensreiche Tätigkeit entwickeln können. Zuschriften sind zu richten an die Schriftführerin Frau Bettt Leszynsky, Berlin W., Bayreuther Str. 36. Posen: Der neue Turnverein im Verbände der Jüdischen Turnerschaft hielt am 31. Januar seine Generalversammlung ab, die sich eines starken Besuches zu erfreuen hatte. Der Vorsitzende konnte in seinem Bericht mit Genugtuung feststellen, daß sich der Verein im abgelaufenen Jahre günstig entwickelt habe. Die Zahl der männlichen Mitglieder ist auf 163, die der weiblichen auf 84

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