Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 8 (19.2.1909)
- Date
- 1909-02-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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haben, die neuen Ankömmlinge mit dem Patriotismns für das türkische Reich zu erfüllen. Die türkischen Juden sollten unbedingt die große und erhabene Arbeit der Kolonisation ihrer BrüderJ in der Türkei auf sich nehmen. Solange sie dieses nicht tun, haben sie ihre Pflicht für das Reich nicht erfüllt." Eine jüdische Kolonie bei Saloniki Der „Cercle des Intimes" hat sich an die Ica mit dem Ersuchen gewandt ihm bei der Gründung einer jüdischen Kolonie in der Nähe Salonikis behilflich zu sein. Die Ica hat sich bereit erklärt, 100 000 Frcs. für diesen Zweck unter der Bedingung zu bewilligen, daß der erforderliche Rest von der Gemeinde Saloniki aufgebracht werden würde. Der „Cercle" beabsichtigt nun, eine große Lotterie zur Beschaffung der nötigen Summe zu veranstalten. Zionistische Tätigkeit Aus Janina, an der Grenze Griechenlands, gelangte an den hiesigen zionistischen Verein „Bnei Zion" ein Schreiben des Inhalts, daß sich dort vor kurzem ein jüdischer Verein „Achduth" begründet habe, der die Organisierung der dortigen Juden und die Pflege der zionistischen Idee bezweckt. Die Juden Janinas sind bekannt dafür, daß sie der hebräischen Sprache sehr ergeben sind. In Janina wohnen über 6000 Juden. Der Verein „Bnei Zion" in Saloniki beabsichtigt, eine Bezalelausstellung zu veranstalten und ist dieserhalb bereits mit der Bezalelschule in Verbindung getreten. Auch die Schekelsammlung und die Sammlung für den Nationalfonds wird recht eifrig betrieben. Dem Verein ist es nach langen Bemühungen gelungen, ein passendes Lokal zu finden. Der Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Josef Alchassid, Advokat Moses Cohen, David Florentin, Chefredakteur des „Avenir", Advokat Ascher Mallach, Ischak Kabiii, Josef Usiei. Zurückziehung des Protestes gegen die Wahl des Chachatnhaschi in Konstantinopel Wie bereits gemeldet wurde, haben die jüdischen Gemeinden Adrianopel und Saloniki gegen die vollzogene Chacharnbaschiwahl in Konstantinopel Einspruch erhoben. Der Protest verlangte folgende Änderungen der in Betracht kommenden Gesetze: Beschränkung der Arntsdauer des Chachambaschi auf drei bis vier Jahre, Aufhebung der Vorrechte der Könstantinopeler Gemeinde, die jetzt doppelt so viel Wahlstimmeti besitzt wie alle andern Gemeinden zusammengenommen und Einholung der Zustimmung der Rabbiner der großen Gemeinden bei der Aufstellung der Kandidatenliste. Im Interesse des Friedens hat nun die hiesige Gemeinde beschlossen, ihren Protest zurückzuziehen. Zum äußern Zeichen dessen hat sie dem neuen Chachambaschi namens der Gemeinde ein Glückwunschschreiben übersandt. Dagegen hofft sie, daß ihren Reforniforderungen nachgegeben werden wird. o o o o o C=_rr o o o o o o o J > JJ AUS DER BEWEGUNG £ o o> o o o o o o o 3> Deutschland Duisburg: Am 11. d. M. verschied im 42. Lebensjahre der Kinderarzt Dr. med. Joseph Cahn aus Mülheim (Ruhr), Mitglied des Vorstandes der Zionistischen Vereinigung Duisburg. Die zionistische Bewegung und im besondern die Zionistische Vereinigung Duisburg verliert in ihm einen ihrer Getreuesten. Als Dr. Cahn, der ein ausgezeichneter Anrt war, in den Anfängen der zionistischen Bewegung seinen Wirkungskreis einige Zeit verlassen und sich zu Studienzwecken nach Wien begeben hatte, wirkten auf ihn die Schilderungen tief ein, die ihm junge Akademiker von Theodor Herzl gaben, der eben sein Werk begonnen hatte. Sein stilles, in sich gekehrtes Wesen und seine umfangreiche Berufsarbeit brachten es mit sich, daß Dr. Cahn nur selten an die Öffentlichkeit trat. Wer ihn aber kannte, weiß, ein wie warmherziger, tief überzeugter Zionist der edle Mann gewesen ist. Chemnitz: In der am 12. Februar abgehaltenen Monatsversammlung der zionistischen Ortsgruppe Chemnitz sprach der Vorsitzende über „Reiseerinnerungen aus dem jüdischen Orient", indem er die Verhältnisse der Juden schilderte, soweit er sie auf zwei Reisen in der europäischen Türkei und Griechenland kennen gelernt hatte. Den Schluß der Versammlung bildete eine Diskussion. Essen: Nachdem die vor einigen Jahren hier gegründete Ortsgruppe infolge eigenartiger persönlicher Verhältnisse eingehen mußte, war es der sehnliche Wunsch der hiesigen Zionisten, sich wieder zu einer Ortsgruppe zusammenschließen zu können. Die unermüdliche Werbearbeit, besonders unserer Gesinnungsgenossen L. Rosenberg und H. Auerbach, war endlich von dem Erfolg gekrönt, so daß am 25. Januar die neue zionistische Ortsgruppe Essen konstituiert wurde. Am 10. Februar wurde die erste Propaganda-Versammlung abgehalten; Herr Dr. Elias Auerbach hatte sich bereit erklärt, einen Vortrag über „Die Umwälzung im Orient und die Juden" zu halten. Der große Saal des Casinos war ganz . gefüllt, als Herr Dr. Auerbach seinen Vortrag begann. Nach dem glänzenden Vortrag und einer kurzen Diskussion meldeten sich 20 neue Mitglieder an. Gnesen: Eine große öffentliche Versammlung hätte ätti 13. d.'Mtsr. der Gruppenyerband Posen nach Gnesen einberufen, die von ca, 150 Herren und Damen besucht war. : Herr Gg. Mühlen direkter J. Rosenthal-Posen eröffnete die Sitzung'mit einem Dank ah die Anwesenden für zahlreiches Erscheinen und erteilte dem Referenten Herrn R. A, Dr. Köl l en Seh er- Posen das Wort zu seinem Vortrag: „Die Lage der deutschen Juden und der Zionismus." . . An die vorzüglichen Ausftihrungeh des Herrn Referenten knüpfte sich eine -lebhafte Diskussion! Der Erfolg des Abends war ein äußerst günstiger. Es bildete sich eine zionistische Ortsgruppe, der sofort ca. 30 Mitglieder beitraten. Herr Rechtsanwalt Cohn-Gnesen übernimmt den Vorsitz und wird in künftiger Woche die erste Mitgliederversammlung einberufen, um den weiteren Vorstand zu konstituieren. Wiesbaden: Am 3. Januar 1909 beging die zionistische Ortsgruppe ihre diesjährige Makkabäerfeier. Rezitationen von Gedichten von Rosenfeld wechselten mit Gesangsvorträgen ab. Die Mitwirkenden waren Fräulein Rosa Stern, Fräulein Malinowski, die Herren Bernhard und Oskar Kowalski, stud. Kili Bluhm und Lehrer S. J. Rosenberg. Die Festrede hielt Herr Dipl.-Ingenieur Kirschen. Österreich Sitzung des westösterreichischen Zentralkomitees Sonntag, den 14. d. M. fand im ehemaligen Kongreßbureau eine Sitzung des zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich statt. Die auswärtigen Mitglieder des Zentralkomitees erschienen fast vollzählig. Nach Anhörung des Berichtes des Zentralbureaus wurde das Organisationsstatut eingehend besprochen, worauf die laufenden Angelegenheiten erledigt wurden. Zur Nachahmung empfohlen In Drohobycz, der Hauptstadt der galizischen Erdölindustrie, ist aus den Vertretern aller zionistischen und poale-zionistischen Vereine ein Palästinakomitee gebildet worden. Der Zweck dieses Arbeitsausschusses ist, wie schon der Name besagt, die materielle Förderung und Unterstützung aller palästinensischen Institutionen. Das Komitee entfaltete in der kurzen Frist seines Bestandes eine derart nützliche Arbeit, daß es verdient, öffentlich belobt zu werden. Es gewann 100 zahlende Bezalelmitglieder und setzte 100 Shares der Palestine Land Developement Company ab. Aus der Steiermark Der Zionismus dringt alimählich auch in die jüdischen Kronländer, die freilich eine sehr dünne, jüdische Bevölkerung haben. In Graz besteht eine jüdische Studenteiikorporation „Charitas" und ein gut arbeitender „Zi an "-Verein, dem etwa die Hälfte aller jüdischen Bürger Grazs angehört. Bei den jüngst stattgehabten Kultuswahlen vermöchte auch die zionistische Liste 40 °/o aller Stimmen zu gewinnen. Insbesondere die jüdischen Frauen in Graz bekunden ein dauerndes Interesse für die zionistische Bewegung. Bei der letzten Versammlung, in der Herr Emil Stein (Wien) über die Institutionen des Zionismus gesprochenj erklärten sich mehrere Damen bereit, eine Ortsgruppe des Frauenbundes für Kulturarbeit in Palästina zu gründen.