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Die Welt · 1909-02-19 · 8 (19.2.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Errichtung von Häuserndie dauernde Niederlassung dieser arbeitsamen und ebenso wie die arabischen Arbeiter anspruchslosen und bescheidenen Elemente zu ermöglichen. Neben den Jemeniten arbeiten in unserer Kolonie diesen Winter noch 70 jüdische Arbeiter aus Rußland, wohingegen es im vorigen Winter nur gegen 30 jüdische Arbeiter hier gab. Dieses Verhalten zu den jüdischen Arbeitern werden hoffentlich die andern Kolonien nachahmen, dann hätten zahlreiche Jünglinge, die den redlichen Wunsch hegen, auf palästinensischem Boden zu arbeiten, die Möglichkeit, nach Palästina zu kommen. Ernteergebnisse in Rechowoth im Jahre 5668 Die bereits fruchttragenden Mandelpflanzungen brachten über 60 Kantar Mandeln, die einen Wert von 15 000 Frcs. repräsentieren. Die Weinernte ergab 6800 Kantar, von denen eine Einnahme von 110400 Frcs. erzielt wurde. Hiervon entfallen 1200 Kantar auf Mitglieder der bereits aufgelösten Agudath-Hakormim in Rechowoth, die 13 Frcs. per Kantar erzielte, 4800 Kantar auf Mitglieder des Rischoner Syndikats, die man mit 16 Frcs. pro Kantar ansetzen kann (eine genaue Abrechnung des Syndikats erfolgt erst am Ende des Geschäftsjahres) und ca. 1800 Kantar auf nicht organisierte Weinbesitzer, die 10 Frcs. pro Kantar in Rechowoth erzielt haben. Sehr viel hat Rechowoth unter der schlechten Überwachung der Pflanzungen zu leiden. Man nimmt an, daß ca. 10°/o der Mandeln gestohlen werden. Die Öscherabgabe wurde in diesem Jahre dank den durch die Konstitution eingeführten bessern Verhältnissen befriedigender als im Vorjahre geregelt. Nur die Abschätzung der Ernte in der Scheuer war eine unerhört hohe, so daß der Oscher an 50°/o des Wertes betrug. Ernteergebnisse in Jemma (Galiläa) im Jahre 5668 Es wurde gesät geerntet * in Kel*) in KeP) auf . . . Dunam Weizen 275 1195 2200 Gerste 120 1285 803 Bohnen 160 810 617 Erbsen 130 750 1430 Die gesamte bebaute Fläche der Kolonie betrug somit 5050 Dunam; 44°/o der ganzen Fläche wurde mit Weizen, 28 "/o mit Erbsen, und der Rest mit Gerste und Bohnen bestellt. Die Gerste ergab mehr als die zehnfache Saat, def Weizen mehr als die siebenfache, Erbsen und Bohnen das sechs- und fünffache der Saat. Die Kolonisten erzielten 9 bis 13 Frcs. für 1 Kel Weizen (12 bis 17 Frcs. pro 100 kg), ca. 6 Frcs. für 1 Kel Gerste (ca. 12 Frcs. pro 100 kg), ca. 9 Frcs. für 1 Kel Bohnen (ca. 13 Frcs. pro 100 kg), 9 bis 13 Frcs. für 1 Kel Erbsen (12 bis 17 Frcs. pro 100 kg). Die gesamten Einnahmen der 52 Kolonisten, die in diesem Jahre in Jemma lebten, betrug in diesem Jahre 103 000 Frcs. Der Oscher für das in der Scheune der Kolonie aufgespeicherte Getreide im Werte von 86000 Frcs. machte fast 9700 Frcs. aus. Brief aus Saloniki (Von unserm Berichterstatter) Die Eröffnung des hebräischen Kindergartens Der sechzehnte Schewat war. für die Juden Salonikis ein wichtiger Tag.- Wurde doch an ihm die Eröffnung einer Anstalt festlich begangen, die vielleicht berufen ist, für die geistige und nationale Entwicklung unserer Brüder im Orient, insbesondere in der Türkei, einmal eine große Rolle zu spielen. In Saloniki, wo bisher unter den Juden der Geist der Alliance vorherrschend war, ist an diesem Tage der erste hebräische Kindergarten eröffnet worden. Welch einem Bedürfnis der Hilfsverein der Deutschen Juden mit der Gründung dieser Anstalt entgegenkam, beweist am besten der große Zudrang der Kinder, der sich schon vor der Eröffnung bemerkbar machte. Schon jetzt reichen die Räume des Kindergartens nicht mehr aus. Es konnten vorläufig nur 100 Kinder aufgenommen werden, mindestens ebenso viele, mußten zurückgewiesen werden, sodaß man bereits jetzt an eine Erweiterung der Anstalt denken muß. Die Eröffnungsfeier verlief höchst eindrucksvoll. Das Gebäude des Kindergartens, das die jüdische Gemeinde zu diesem Zwecke *) Ein Hohlmaß, das in Galiläa 21/4 mal so groß istrals das in Judäa gebräuchliche Hohlmaß gleicher Bezeichnung, beträgt also ca. 51 kg bei Gerste, ca. 61 kg bei Bohnen undjca. 67 V* kg bei Weizen und Erbsen. •••'•* gekauft hat, war mit Fahnen in den jüdischen und türkischen Farben geschmückt. Der geräumige Hof war von einer erwartungsvollen Menge angefüllt. Um 212 Uhr nachmittags begann sich der obere Saal mit den Teilnehmern der Feier, den angesehensten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde, zu füllen. Beim Eintritt des Chachambaschi Jakob Meir erhoben sich alle Anwesenden von ihren S tzen, es trat feierliche Stille ein. Von einer Tribüne herab hielt sodann der Chachambaschi eine sehr eindrucksvolle Ansprache, die durch den nationalen Grundzug, der hindurchgeht, sehr bemerkenswert ist. Er betonte die Bedeutung, die die Leiter der jüdischen Gemeinde Saloniki der Pflege der hebräischen Sprache zumessen. Ein jüdischer Kindergarten wurde in Saloniki schon seit langem als dringende Notwendigkeit empfunden, daher gebührt dem Hilfsverein herzlicher Dank für die Kulturtat, die er durch Errichtung des Kindergartens geleistet hat. Der Hilfsverein hat für die Schule ein jährliches Budget von 4000 Frs. bewilligt und zwei Lehrerinnen, bewährte Kräfte, in die Schule entsandt. Auch hat er in Aussicht gestellt, im nächsten Jahre eine Elementarschule zum Unterricht in der türkischen, hebräischen und deutschen Sprache anzugliedern. Besondere Bedeutung erlangt der Kindergarten dadurch, daß er ganz auf der hebräischen Sprache aufgebaut ist. Das Hebräische hat in Saloniki in der letzten Zeit leider keine besondere Pflege mehr gefunden. War das in früherer Zeit vielleicht nicht so bedeutsam, weil die Kenntnis des Judentums selbst unter den Juden stark verbreitet war, so müsse man heute, wo alle Schranken gefallen sind, und das moderne Leben mit Macht auf uns einstürmt, umsomehr danuf bedacht sein, unsern Besitzstand an jüdischen Werten zu wahren. Der Chachambaschi gedachte in zündeiden Worten der großen jüdischen Vergangenheit, der schweren Leiden, die nur durch das Festhalten am Judentum überwunden werden konnten. An dieser Vergangenheit wollen wir auch heute festhalten. Wir wollen unsere Kinder in den Stand setzen, unsere heiligen Bücher zu verstehen, unsere großen Prophetin, Dichter und Gesetzgeber in ihrer Sprache zu würdigen. Er verwies auf die Araber, die gerne das Türkische als offizielle Sprache annehmen, die aber nicht darauf verzichten wollen und werden, ihre Muttersprache als Umgangssprache beizubehalten. „So sei es auch mit uns! Selbstverständlich müssen wir alle Türkisch können, als die offizielle Sprache unseres Reiches, aber unsere altvertraute heilige Sprache soll in unsern Häusern, in unsern Familien, unter unsern Kindern weiter blühen. Wir waren Juden und müssen Juden bleiben, ottomanische Juden, treue Bürger unseres verehrten ottomanischen Reiches, aber Juden!" Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Türkei und das jüdische Volk schloß der Redner seine wirkungsvolle Ansprache. Von den folgenden Reden sei noch die des Herrn Gasis, des Präsidenten des Kindergartens erwähnt, der dem Hilfsverein herzlichen Dank aussprach, und die der Leiterin des Kindergartens, Fräulein Chanowitz, die in hebräischer Sprache die Ziele des Kindergartens auseinandersetzte. Es war das erste Mal, daß die Juden Salonikis eine Dame von der Tribüne herab hebräisch sprechen hörten. Alle hiesigen jüdischen Zeitungen brachten aus Anlaß der Feier warme BegrüßungsartikeL Die türkische Presse und die Judeneinwanderung Die hiesige türkische Tageszeitung „Seman" veröffentlichte in der vorigen Woche aus der Feder des Advokaten M. Cohen einen bemerkenswerten Artikel, über die jüdische Einwanderung in der Türkei. Nachdem der Verfasser die Notwendigkeit einer Einwanderung für die Türkei im allgemeinen hervorgehoben hat, betont er mit besonderem Nachdruck den Nutzen einer jüdischen Einwanderung für die Türkei und führt dann folgendes auf: „Seit Jahren besteht eine jüdische Organisation, die bezweckt, die unter den Verfolgungen in Rußland, Rumänien und anderswo leidenden Juden nach einer gesicherten Heimstätte zu bringen. Manche erachten für diesen Zweck Mesopotanien als geeignet, die meisten aber denken an Palästina. Das ist aber auch unser Wunsch: Unserer Heimat kräftige und arbeitsame Leute zu gewinnen. Leider aber befinden sich unter unsern Juden auch solche, die sich dieser Organisation gegenüber ablehnend oder indifferent verhalten. Ihre Scheu vor dieser Bewegung ist aber grundlos. Zur Zeit des alten Regimes verlangten die Zionisten ailerdingsieinen Charter für Palästina, weil sie den Launen der Despotie nicht ausgesetzt sein wollten. Diese Zeit ist aber jetzt vorbei. Auch die Libanon-Provinz will jetzt bekanntlich auf ihre Autonomie vorzichten und sich an das große türkische Reichfest anschließen. Es ist aber notwendig, daß sich die türkischen Juden für die zionistische Bewegung, viel mehr interessieren, um Gelegenheit zu

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