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Die Welt · 1909-02-19 · 8 (19.2.1909) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
8 (19.2.1909)
Date
1909-02-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Na 8 DIE^ELT 171 Lilienblum (stürmisch begrüßt) stellt fest, daß die Veröffentlichung des ablehnenden Schreibens des Komitees in Sachen der P. L. D. C. nicht vom Komitee, sondern von Prof. Warburg ausgegangen ist. In einem längern Schlußwort wiederlegte dann Ussischkin im einzelnen die Einwände der Kritik und berichtigte manche irrige Behauptung derselben. Auf Antragder HerrenMase undTemkin wird der Rechenschaftsbericht des Komitees genehmigt und demselben unter stürmischen Beifallskundgebungen der Dank der Generalversammlung ausgesprochen. Schluß der Sitzung um 3 V2 Uhr. Die Konferenz erhielt mehr als hundert Begrüßungstelegramme aus Rußland, Palästina und andern Ländern. Stürmischer Beifall entfesselten die in sehr warmem Tone gehaltenen Begrüßungstelegramme des Herrn Nissim-Ef fendi Massliach, Deputierter und Sekretär des türkischen Parlaments und des Chacham-Baschi von Konstantinopel, Rabbi Haim Nahum. Mit lebhaftem Beifall wurden auch die Begrüßungstelegramme von Achad-Ha'am, von, der Lehrerorganisätion in Palästina, der Jaffaer Mädchenschule, des „Bezalel", der Jaffaer Jugend u. a. aufgenommen. Folgende Resolutionen wurden angenommen:: I. Z ur Agrarfrage ■ ' " . . 1. - - ■ ■ ' In Anbeträcht dessen, - daß in letzter Zeit einzelne Personen und Gruppen vielfach das Bestreben bekunden, Land in Palästina zu erwerben, beauftragt die Generalversammlung das Komitee, für ein einheitliches Vorgehen dieser Personen und Gruppen zu sorgen, ebenso auch mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln zur:Realisierung der Kaufaktionen selbst beizutragen.. 2. Die Generalversammlung beauftragt das Komitee, in Gemeinschaft mit den andern in Palästina wirkenden Institutionen dort ein spezielles Organ ins Leben zu rufen, vermittelts dessen sämtliche Landkäufe, gesellschaftliche sowohl wie private, vorzunehmen wären. ' 3. In Anbetracht dessen, daß die Schaffung eines Organs für Agrarkredit in dieser oder jener Form im gegenwärtigen Momente eine Angelegenheit von allererster Wichtigkeif ist, macht es die Generälversammlung dem Komitee zur Pflicht, mit den verschiedenen Kolonisationsgesellschaften und Privatkapitalisten in Verbindung zu treten, um mit gemeinsamen Kräften ein entsprechendes Kreditinstitut ins Leben zu rufen. 4. Zugunsten des Agrar-Kreditfonds sucht das Komitee seinerseits spezielle Summen zu gewinnen, ferner stellt es nach Ermessen für diesen Zweck einen Teil seiner speziellen Mittel zur Verfügung. II. Zur Arbeiterfrage 1. Die Generalversammlung findet, daß im Interesse einer normalen Entwicklung der jüdischen Kolonisation in Palästina systematische Maßnahmen ergriffen werden müssen, um jüdische Lohnarbeit in Palästina, speziell agrikulturelle, bodenständig zu machen, und legt dem Komitee" und seinen Vertretern in Palästina die Pflicht auf, dieses Prinzip unentwegt zur Durchführung zu bringen. 2. Das Komitee fördert nach Maßgabe seiner Kräfte und finanziellen Mittel die zweckmäßigen und für die jüdische Kolonisation nützlichen ökonomischen und kulturellen Unternehmungen der Arbeitergruppen und -Verbände, als da sind medizinische Hilfeleistung, billige Küchen u. dgl. - 3. Die Generalversammlung erkennt im Prinzipe die Schaffung von Arbeiterkolonien als zweckmäßig an, und legt es dem Komitee nahe, im Einvernehmen mit den andern Kolonisationsinstitutionen seine Tätigkeit in dieser Richtung unter Berücksichtigung der bereits gemachten Erfahrungen fortzusetzen. M 4. Behufs Durchführung der in §§ 2 und 3 aufgezählten Maßnahmen wird dem Komitee das Recht eingeräumt, na,ch Maßgabe der vorliegenden Bedürfnisse und Möglichkeit sowohl einen Teil seiner regelmäßigen Einkünfte, als auch die ihm zur Verfügung stehenden Mittel des Ärbeiterfonds hierfür zu verwenden, wobei diese letzteren nur zum Ankauf des in jedem einzelnen Falle nötigen Bodenstücks gebraucht werden dürfen. 5. Die Generalversammlung legt dem Komitee nahe, an das Studium der Maßnahmen zu gehen, die geeignet wären, den Zufluß von solchen Elementen nach Palästina zu verstärken, die den harten Bedingungen der agrikulturellen Lohnarbeit in einem Lande, das sich erst zu entwickeln beginnt, gewachsen sind. Dabei wird aber das Komitee eine künstliche Aufmunterung der Emigration in jeder Weise zu vermeiden haben. .,111. Inf ormations wesen 1. Die Generalversammlung erblickt im Informationsdienst einen der wichtigsten Faktoren für ein allseitiges Gedeihen des jüdischen, ökonomischen und kulturellen Lebens in Palästina und erachtet die weitere Entwicklung und Stärkung des Netzes der Palästina- Informationsbureaus, sowohl in Palästina selbst, als auch außerhalb desselben für geboten. 2. Das r Komitee hat daher mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln die weitere Existenz der von ihm mit Hilfe der andern jüdischen Gesellschaften und Institutionen ins Leben gerufene Informationsbureaus in Palästina und außerhalb Palästinas sicherzustellen. 3. Zwecks weiterer Entwicklung und Erweiterung des Palästina- Informationsdienstes schlägt die Generalversammlung dem Komitee vor, auch künftighin, nach dem Beispiel seiner bisherigen Tätigkeit, -die andern jüdischen Gesellschaften und Institutionen in Rußland und dem Auslande zur Beteiligung an Aufwand und Arbeit heranzuziehen. (Schluß folgt) □ □1 y PALÄSTINA □1 D □ Eine erdichtete Sensationsnachricht Verschiedene Zeitungen haben eine sensationelle Nachricht von angeblichen Unruhen gegen die Juden in Safed (Palästina) gebracht. Es hieß, die Unruhen seien gegen österreichische Juden gerichtet und „der Ausbruch der Volkswut" wäre zu befürchten. Manche ^Blätter verstiegen sich dazu, diese „Unruhen" auch „Krawalle" zu benennen. Man beeilte sich sogar hier und da, die Sache tendenziös auszubeuten. Und was das Merkwürdigste ist, auch jüdischerseits wurde dieses Gerücht durch eine Zuschrift an die Redaktionen in Zirkulation gesetzt. Wir haben sofort in Palästina an autoritativer Stelle Auskünfte eingeholt .und in Erfahrung .gebracht, daß man es hier mit einer Mißgeburt journalistischer Erfindung schlimmster Art zu tun hat. Es haben in Safed keinerlei Unruhen stattgefunden und das ganze „Krawallgerücht" ist einfach aus der Luft gegriffen. Die ganze Lügennachricht ist darauf zurückzuführen, daß der Kaimakam von Tiberias einige Juden in Safed wegen Steuerrückstandes pfänden ließ. Daß sensationslüsterne Blätter solche Gerüchte, dem augenblicklichen Effekt zuliebe, in die Welt setzen, — daran hat man sich schon gewöhnt. Aber inbezug auf jüdische Informationsquellen, die sich .herausnehmen, die Presse zu informieren, und besonders wo es sich um Palästina handelt, dächten wir, wäre größere Vorsicht geboten.... . v - " ■ v " - - ■ :,; -.....; 21

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