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Die Welt · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · page 15

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 15)
Language
German
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\o. 7 . DIE^ELT 157 erlangen. (In Deutschland, wo diese Frage nicht minder aktiv ist, schweigen die maßgebenden jüdischen Stellen sich aus. Der Verband Deutscher Juden begnügt sich mit submissesten Eingaben an das Ministerium, die jüdischen Abgeordneten aber haben Wichtigeres zu tun.) Ein Angriff auf das Natipnaljudentum Leider »ist die Konferenz der Union of American Hebrew Congregations nicht ohne Mißklang verlaufen. Einige Heißsporne hielten es für notwendig, eine scharfe Attacke gegen das nationale Judentum einzuleiten. Knapp vor Schluß der Konferenz wurde eine Resolution eingebracht, die sich dagegen wendet, daß die Einwanderungsbehörden in ihren Tabellen die Juden unter einer besonderen Rubrik als besondere Nation ausweisen. Die Resolution betonte den ausschließlich religiösen Charakter des Judentums und verlangte, daß jüdische Einwanderer ausschließlich als Angehörige ihres Heimatlandes, als Deutsche, Engländer, Russen, Österreicher, aufgeführt würden. Gegen diese Resolution wandte sich sehr lebhaft unser Gesinnungsgenosse und Mitglied des Großen A. C, Dr. J. L. Magnes, der gegen diese Verleugnung der jüdischen Nationalität aufs entschiedenste protestierte. Im Verlauf der Auseinandersetzung kam er bald in Konflikt mit der Leitung der Versammlung, die ihm das Wort entzog. Nach einer langwierigen und heftigen Geschäftsordnungsdebatte kam Dr. Magnes noch einmal zum Wort und warnte die Versammlung, durch Annahme dieser Resolution eine Scheidewand zwischen sich und den Nationaljuden aufzurichten. Die Annahme der Resolution bedeute, daß der Verband eine antizionistische Plattform einnehmen wolle. Die heftige und erregte Debatte, bei der es sehr lebhaft zuging, wurde schließlich vertagt und die Frage einer Kommission überwiesen, die der nächsten Konferenz, die 1911 in New York stattfinden wird, eine Resolution vorlegen soll. Ein neuer Angriff Mr. Binghams Unsere Leser werden sich noch der Affäre des Colonel Bingham erinnern, der seinerzeit in einem Aufsatz in der „North American Review" auf Grund falscher Statistiken die Kriminalität der Juden in einem höchst ungünstigen Lichte darstellte. Infolge der heftigen Proteste, die sich damals allerseits gegen seine unwahren Angaben erhoben, sah er sich dann genötigt, öffentlich zu revozieren und die Quelle seiner falschen Ziffern preiszugeben. Damals bestritt er auch, irgendwie voreingenommen gegen die Juden zu sein. Daß diese letzte Behauptung ebenso falsch ist wie die Zahlen, mit denen der -Herr zu operieren beliebt, beweist ein neuerlicher Angriff gegen die Juden, den er machl, und der an Brutalität und Unlauterkeit dem ersten nichts nachsteht. In einer Rede, die er in der Washington Square Association, Fifth Avenue, No. 35, hielt, sagte der Herr u. a. folgendes: „Das jüdischsprechende Volk das auf uns niederschwärmt, hat größtenteils so lange unter der Tyrannei gelebt, daß ein großer Teil davon die Freiheit mißbraucht, um sich einem zügellosen Leben hinzugeben. Die Juden sind in der Alten Welt so mit Füßen getreten worden, daß sie meist kindisch geworden sind und die sozialen und politischen Bedingungen ihres Adoptivlandes nicht begreifen können. Es ist unsere Aufgabe, diese Horde aufzusaugen. Ich denke, daß dies im Laufe der nächsten zehn Jahre der Fall sein wird. Ich denke, daß die Stadt New York jetzt die letzte Flut von Immigranten aufnimmt, bis wir nächstens beginnen, die gelben Rassen Asiens anzuziehen. Aber so lange, als diese Europäer uns überfluten, müssen wir unsere Polizeigewalt stärken. Wenn wir diese Fremden aufgesaugt haben werden, wenn der Geist des Christentums (!) und die Kenntnis der amerikanischen Einrichtungen ihre Gedanken durchdrungen hat, brauchen wir die Polizeigewalt nicht weiter zu verstärken." Am nächsten Tage schon, nach Bekanntwerden seiner Äußerungen, widerrief er sie teilweise, aber seine Abneigung gegen die Juden ist zu bekannt, als daß man nicht glaubt, daf3 er alles gesagt hat, was die Zeitungen berichtet haben, vielleicht in Unkenntnis dessen, daß Berichterstatter anwesend waren. Das Bedenkliche aber ist, daß Colonel Bingham an der Spitze der New Yorker Polizei steht und also die beste Gelegenheit hat, seinen Antisemitismus in die Tat umzusetzen. Eine Millionen-Stiftung Louis A. Heinsheimer, der jüngst verstorbene Schatzmeister der United Hebrew Charities, Mitglied der bekannten ßankfirma Kuhn, Loeb & Co., hat die kolossale Summe von einer Million Dollar, das sind vier Millionen Mark, für jüdische Wohltätigkeitszwecke in Newyork hinterlassen. Bedingung dabei ist, daß die größten jüdischen. Wohltätigkeitsanstalten Newyorks, nämlich das Mount Sinai Hospital* das hebräische Waisenhaus, das Montefioreheim für Invalide, die Erziehungsallianz, das Heim für alte und sieche Juden und die Vereinigten Newyorker Wohltätigkeitsanstalten sich in Jahresfrist zu einem Verbände zusammenschließen, dem auch andere ähnliche Anstalten beitreten können. v Wie verlautet, sind die Anstalten willig, die Bedingung des Testaments zu erfüllen. Die Schaffung eines solchen Verbandes war eine der Lieblingsideen des Verstorbenen, die zu erfüllen ihm sein Leben lang nicht gelang. Marokkanische Justiz Aus Marrakesch wird von zuverlässiger Seite gemeldet: Am vorigen Donnerstag hielt sich ein armer jüdischer Hausierer in der Kasbah auf. Gerade applizierten Soldaten einem jungen Sklaven des Pascha Hussein, Bruders von Blaui, der beschuldigt war, seinem Herrn einen Ring gestohlen zu haben, die Bastonnade. Plötzlich bat der Neger, daß man die Züchtigung einstelle. Er zeigte mit dem Finger auf den unglücklichen Juden und sagte: „Diesem Juden habe ich den Ring für 5 Pesetas verkauft." Ohne jede Art prozessualen Verfahrens wurde der Jude an Stelle des Sklaven gebracht. Man gab ihm fast 800 Stockschläge; so mißhandelt steckte man ihn ins Gefängnis und legte ihn in Ketten. Sobald ich von dem Vorkommnis gehört hatte, begab ich mich zum Großwesir. Er war im Begriff, sich zum Gebet zu begeben, und bat mich deshalb, andern Tags wiederzukehren. Ich ließ ihn wissen, daß es sich um einen dringlichen Fall handele, und daß ich ihn bäte, mich auf der Stelle zu empfangen. Ich wurde vorgelassen und setzte dem Minister die Ursache meines Kommens auseinander. Entrüstet schickte er seinen Kaid zu seinem Bruder, um ihn wissen zu lassen, wie sehr seine Art, Justiz zu üben, ihm mißfalle, und ihm sofortige Freilassung des Juden anzubefehlen. Eine Stunde später war der Unglückliche bei mir, sich für meine Intervention zu bedanken. Yemenitische Juden in Jaffa Vor einigen Tagen kamen 150 yemenitische Juden, 100 Männer und 50 Frauen, nach Jaffa. Die Leute kommen aus einer kleinen Stadt inmitten der arabischen Wüste, zwanzig Tagereisen vom Hafen Hodeida entfernt. Das Land um diese Stadt herum trägt, wie sie berichten, den Namen „Ostland", weil es den Osten der türkischen Besitzungen am Ufer des Toten Meeres bildet. Es wird ganz selbständig verwaltet, unabhängig von der Konstantinopeler Zentralregierung. Nach den Angaben der jetzt nach Jaffa gekommenen Juden sollen dort insgesamt etwa 5000 Juden wohnen, die sehr arm seien und von den arabischen Oberen unterdrückt würden. Zwei Monate vor ihrer Abreise, so erzählen sie, habe eine Versammlung von etwa hundert Juden stattgefunden, in der die Teilnehmer beschlossen hätten, das Land zu verlassen und nach Palästina zu übersiedeln. Da sie absolut keine Mittel hatten, so wandten sie sich an den reichsten Juden der Gegend und baten ihn um Hilfe. Der Mann verkaufte sein ganzes Besitztum für etwa 30 000 Francs und zog mit den anderen zusammen nach Palästina. Alle Einwanderer sind gesunde und arbeitskräftige Leute, zum großen Teile Schmiede, zum Teil auch Ackerbauer. Sie hoffen, in den Kolonien oder in den Städten Arbeit zu finden, und wollen, wenn es ihnen gelingt, festen Fuß zu fassen, die in der Wüstenstadt zurückgebliebenen Juden nachkommen lassen. Nach ihren Gewohnheiten und ihrer Lebensart erinnern sie sehr an die nomadisierenden Beduinen Mittelarabiens. Einige von ihnen haben mehrere, manche sogar bis zu vier Frauen. Vom Bezalel Die Direktion der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem teilt hierdurch mit, daß alle Plätze in der Schule bereits besetzt sind. Es kann daher nur davor gewarnt werden, ohne vorherige Anfrage bei der Schule, in der Absicht, im Bezalel aufgenommen zu werden, nach Palästina zu reisen. Alle jüdischen Zeitungen werden um Abdruck dieser Mitteilung höfl. gebeten. Hamburg: Am 8. Februar wurden hier auf zionistische Initiative einem kleinen Kreise geladener Gäste die ersten Bezalel- Teppiche vorgelegt. Man beschloß auf ein Referat von D. Halpern die Begründung eines Hamburger Kunstvereins „Bezalel", dessen Erträgnisse zur Hälfte dem Berliner Verein zufließen, zur Hälfte zum Ankauf von Teppichen und zur Verlosung dieser unter den Mitgliedern verwandt werden sollen. Von den 35 Anwesenden wurden Jahresbeiträge von zusammen Mk. 400 gezeichnet. Eine Reihe von Nicht-Zionisten wendet dieser Gründung lebhaftes Interesse zu. Der Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, Herr Prof. Brinkmann, hat sich über die ersten Teppiche in anerkennenswerter Weise auspesprochen.

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