Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 1 DIE] Österreich Distriktsautonomie Das zionistische Zentralkomitee für Westösterreich veröffentlicht in seinem Organ den Entwurf eines Organisationsstatuts für den am Brünner Zionistentag geschaffenen Verband der drei westösterreichischen Distrikte. Die Grundzüge der Organisation werden unsern Lesern aus dem seinerzeit veröffentlichten Bericht über den Brünner Parteitag in Erinnerung sein. Das nunmehr fertiggestellte Statut enthält nur eine bemerkenswerte Bestimmung, die als eine Neuerung anmutet Es ist das dem Zentralkomitee eingeräumte Recht, von den Distriktskomitees die Einberufung von außerordentlichen Distriktstagungen binnen einer Monatsfrist zu verlangen. Das Zentralkomitee hat auch die Befugnis im Falle von Meinungsverschiedenheiten einen außerordentlichen Distriktstag auf eigene Faust einzuberufen. Diese Bestimmung bekundet den Willen der Distriktsorganisationen, — und zwar zum erstenmal seit dem Prager Zionistentag — sich ihrer uneingeschränkten Autonomie zugunsten einer höhern Körperschaft zu begeben. Wir haben uns mehr als einmal zu den Gegnern einer schrankenlosen Autonomie der Qauorganisationen bekannt. Wir haben daher allen Grund, diese Bestimmung des neuen Organisationsstatuts als vollauf gerechtfertigt zu bezeichnen. Odterberg, Bhf. Am 28. v. M. fand hier im Saale des Hotel „Austria" bei zahlreicher Beteiligung aller jüdischen Kreise die erste Generalversammlung des neu gegründeten „Jüdischen Volksvereins „Zion" für Oderberg und Umgebung statt. Herr Gg. Josef Zank er eröffnet im Namen des vorbereitenden Komitees die Versammlung und begrüßt insbesondere Herrn Gg. Emst Bechert aus Teplitz, Mitglied des westösterr. zion. C. K., Sr. Ehrw. Herrn Gg. Rabbiner Dr. Friedmann in Vertretung des - Mähr.-Schles. D. K. Herr Bechert ergriff sodann das Wort zu seinem Vortrage: „Wege und Ziele des modernen Judentums". Stürmischer, nicht endenwollender Beifall lohnte den Redner für seine dankenswert klaren und freimütigen Darlegungen. Die wenigen Zweifel und Bedenken, die während der anschließenden Diskussion bemerkbar wurden, beseitigten die Herren Bechert und Dr. Friedmann mit unübertrefflicher Schlagfertigkeit. Inzwischen sind dem Verein 51 Personen als Mitglieder und Herr Bürgermeister Lustig als Stifter beigetreten. In den Vorstand wurden folgende Herren gewählt: Josef Zanker, Jakob Eichenbaum, Adolf Stöstel, Leo Glück, Hugo Kobler, Max Friedenberg, Edwin Kolban und Simon Kaßler. England Jahreskonferenz der English Zionist Federation Die Jahreskonferenz der English Zionist Federation fand am Sonntag, den 31. Januar in Kings Head Hotel in Sheffield statt. Der Vorsitzende der Federation, Herr Dr. Gaster, präsidierte der Versammlung. Außerdem waren vom Vorstande der Federation anwesend die Herren J. Moser-Bradford, Herbert Bentwich (Vizepräsident), S. B. Rubin stein (Schatzmeister), Percy P. Baker und Murray Rosenberg (Sekretäre). Die Zahl der Delegierten betrug 38, die 28 Vereine vertraten. Die Konferenz wurde von einer Deputation der United Sheffield Hebrew Congregation willkommen geheißen, bestehend aus den Herren Rabbi Barnet J. Cohen, Rev. D. Klein, J. Gunzenberg, B. Harris, S. B. Harris, L. lsaacs und D. Plotzke. Rabbi Cohen überbrachte namens der jüdischen Gemeinde der Stadt die herzlichsten Glückwünsche. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Verhandlungen vom Geiste der Einigkeit getragen und von Erfolg gekrönt sein möchten. Dr. Gaster dankt in seiner Antwort herzlichst für den freundlichen Wilikomm, den die jüdische Gemeinde Sheffield geboten hatte. Es sei das erste Mal in der Geschichte der English Zionist Federation, daß ihre Jahreskonferenz von einer jüdischen Gemeinde offiziell begrüßt werde. Sodann ergriff der Präsident das Wort zur Eröffnungsrede. Er gab einen Überblick über die Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Jahre. Trotz sehr großer Schwierigkeiten sei ein namhafter Fortschritt zu verzeichnen. Die Arbeit sei besonders durch den Mangel an Mitarbeitern und Mitteln erschwert worden. Die Anwesenheit so vieler Delegierten bei dieser Konferenz beweise deutlich, daß allen falschen Ausstrengungen zum Trotz, der Zionismus in England vorwärts schreite. Als der gegenwärtige Vorstand vor zwei Jahren die Geschäfte übernommen habe, habe er einem Chaos gegenübergestanden. Auch habe es damals dem neuen Vorstand obgelegen, das Gift des Ugandismus und Territorialismus aus der Mitte der Föderation -auszurotten, wodurch indessen wertvolle Kräfte aus den Reihen der 'Föderation hätten ausscheiden müssen. Aber-infolge der eifrigen Bemühungen des Vorstandes hätten all diese Schwierigkeiten die ^ELT =151 günstige Entwicklung der Föderation nicht aufhalten können. Dann sei der Angriff auf die Jüdische Kolonialbank gekommen, der es dem Vorstande zur Pflicht gemacht habe, die Bank zu verteidigen. Dabei habe man es nicht nur mit Zwietracht in den eignen Reihen, sondern auch mit heftigen und schwerwiegenden Angriffen von außen zu tun gehabt. Um so erfreulicher sei es, daß die heutige Versammlung so stark besucht sei. Er sei sicher, daß alle Delegierten in dem Wunsche hergekommen seien, für eine weitere Entwicklung und eine Stärkung der Bewegung zu arbeiten. Diese Kräftigung könne nicht erzielt werden durch eine scharfe Kritik. Ein gedeihlicher Zustand könne nur in langsamer systematischer Arbeit und nicht durch überstürzte Sprünge erreicht werden, bei denen oft ein Schritt vorwärts und zwei zurückgemacht würden. Nichts sei vom Vorstande unternommen worden, das irgendwie als dem Aktionskomitee feindlich bezeichnet werden könne. Auf der andern Seite müsse er zum Ausdruck bringen, daß solange nicht das Aktionskomitee den Zionisten irgendeine große Aufgabe zur Verwirklichung stelle, mm diese in der Gewinnung der Sympathie und Unterstützung der Öffentlichkeit keine größern Fortschritte machen könnten. Das A. C. habe zweifellos Gründe für alles, was es tue, auch dafür, daß es sich enthalte, seine Pläne öffentlich verlauten zu lassen; man müsse berücksichtigen, daß es jetzt einer sehr delikaten Situation gegenüberstehe, wobei die äußerste Vorsicht notwendig sei. Mit Genugtuung könne er auf die erfreuliche Tätigkeit verweisen, die neuerdings von den jungen Leuten an den Universitäten entfaltet werde. Diese Arbeit habe schon gute Früchte getragen. Materielle Gesundheit sei oft weniger wert als ein Reichtum an Geist, und der Verkauf von mehr oder weniger Schekolim sei weniger wichtig als die Gewinnung der intellektuellen Jugend. Darum begrüße er besonders herzlich die jungen Mitarbeiter von Oxford, Cambridge, Dublin, Manchester und Glasgow. Eine gewisse Verwirrung sei durch das Nationalfondssubkomitee entstanden, das sich in einem Gegensatz zur English Zionist Federation gestellt, und sich habe unabhängig machen wollen. Es sei ein Gerücht entstanden, daß das Geld, das der Englisht Zionist Federation gesandt worden sei, für andere Zwecke verwand worden sei, als die Spender bestimmt hätten. Mit Nachdruck betonte Herr Dr. Gaster die Unwahrheit dieses Gerüchtes. Dr. Bodenheim er sei nach London gekommen, um die Sache zu untersuchen, und sei mit ihm darin einig gewesen, daß die Nationalfondskommission dem Vorstand der Föderation untergeordnet sein müsse. Der „Jewish Express" habe versprochen, alle Nationalfondsspenden gratis zu veröffentlichen, während zwei andere Zeitungen für deren Publizierung bezahlt würden. Auf der letzten Konferenz habe man einstimmig beschlossen, außer dem allgemeinen Schekel einen besonderen Schekel für die English Zionist Federation zu vertreiben. Aber wieviele seien diesem Beschlüsse nachgekommen? Nur 39 £ seien auf diese Weise eingekommen. Mit beschränkten Mitteln mußte die Tätigkeit eine beschränkte sein, trotzdem habe man zwei Nummern eines Bulletins herausgegeben, um die Mitglieder über die Tätigkeit des Vorstandes zu informieren und die verschiedenen Vereine anzufeuern. Zum Schlüsse gedachte Dr. Gaster in warmen Worten des sei. Dr. Kahn, dessen Verdienste um die zionistische Sache, insbesondere in der Kulturfrage, er mit herzlichen Worten pries. Im übrigen wurden die Verhandlungen der Konferenz als vertraulich erklärt. Den Berichten, die indessen nichtsdestoweniger in englisch-jüdischen Zeitungen erschienen sind, entnehmen wir daß der Bericht des Vorstandes von verschiedenen Seiten heftig kritisiert und von andern ebenso eindringlich verteidigt wurde. Im Laufe der Verhandlungen kam es mehrfach zu sehr gereizten Auseinandersetzungen. Schließlich wurde der Bericht mit 26 gegen 12 Stimmen angenommen. Nachdem verschiedene Resolutionen, u. a. die auf Schaffung eines eignen engtischen Organs der Federation, erledigt worden waren, fanden die Wahlen in das Exekutivkomitee statt. Zum Ehrenpräsidenten wurde einstimmig Sir Francis Montefiore, zum Präsidenten einstimmig Herr Dr. M. Gast er wiedergewählt. Vizepräsident für London wurde Herr L. J. Greenberg mit 22 Stimmen (Herr Herbert Bentwich erhielt 21), Vizepräsident für die Provinz Herr J. Moser, Schatzmeister Herr S. B. Rubinstein, Sekretär Herr M. Rosenberg. i Nach Verkündung des Wahlresultats erklärte Herr Dr. Gaster, daß es ihm infolge der Wahl des Herrn Greenberg ins Exekutivkomitee aus politischen Gründen unmöglich sei, die auf ihn gefallene Wahl anzunehmen. Dasselbe erklärten die Herren Moser und Bentwich, der übrigens die Wahl des Herrn Greenberg überhaupt anfocht, da das Wahlresultat angeblich nicht zweifelsfrei sei (ein Delegierter hatte sich nämlich der Stimme enthalten): Die