Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316360--51602-3345252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
\o. 7 DIEl^ELT 147 Damit ist der beschreibende Teil des Buches zu Ende. Was darauf folgt, hat einen vorwiegend programmatischen Charakter, der sich mit retrospektiven Betrachtungen in innigster Gleichung verbindet. Der Verfasser beleuchtet das Rothschildsche Kolonisationssystem und verteilt in unbefangener Weise Licht und Schatten (102-109). Er bespricht dann die Boden- und Wirtschaftsverhältnisse, die Oschersteuer, die verschiedenen Kulturen, die Bewässerungsfrage, die Kolonisationsmöglichkeiten, um zur Chalukafrage zu gelangen, die er in sachlicher Weise beurteilt (S. 202-134). Nachdem der Verfasser die Kreditverhältnisse und die Tätigkeit der Anglo-Palestine-Company, insbesondere die Leihkassen schildert, begründet er die Notwendigkeit des Zusammenwirkens der verschiedenen jüdischen Organisationen in Palästina (S. 138). Er bespricht dann mit einem besonderen Interesse die Fragen des Schulwesens, die Leistungen verschiedener Institutionen, besonders des Hilfsvereins der deutschen Juden im Sinne des Grundsatzes: Suum cuique anerkennend, wobei die eigenen Anschauungen eines nationalen Juden, der auf das Hebräische das Hauptgewicht legt, und eines liberalen, modernen Menschen, der den Religionsunterricht in der Schule auf Religionsgeschichte beschränkt sehen will (S. 152), zum Ausdruck kommen. Das deistische Glaubensbekenntnis des Verfassers (S. 153), das als Parenthese eingefügt wird, wirkt durch seinen milden und warmen Ton mit einer Eigenart, diekaum eine Polemik herausfordert. Die Behandlung der fachpädagogischen Fragen wurde von Herrn Jan Ligthardt, einer Autorität auf dem Gebiete des Elementarunterrichts in Holland, beeinflußt (Vorwort). Ob sich all das in Palästina verwirklichen läßt, — bleibt dahingestellt; manche Anregung wird vielleicht doch beherzigenswert sein. Das Buch schließt mit einem Expose über den Zionismus (S. 155-185). Das Expose enthält verschiedene einfache Wahrheiten, die nicht oft genug wiederholt werden können, und persönliche Ansichten iber den Wert der .Disziplin (S. 165), über die Jrsachen gewisser revolutionärer Erscheinungen (S. 164) und ähnliche außerordentlich -chwierige Fragen, die der Verfasser in seiner Weise, )hne theoretische Analyse, mit der Sicherheit eines Praktischen Beobachters und auf Grund mancher uibjektiven Eindrücke freimütig bespricht. Der politische Teil dieser Abhandlung beruht selbstverständlich auf dem Programm der Mittel und der Formen, wie sie sich in der Türkei in der vorkonstitutionellen Zeit darboten. Es würde die Harmonie des Ganzen stören, wollte der Verfasser angesichts der neugeschaffenen Situation seine diesbezüglichen Ansichten schon in diesem Buche ändern. So wie das Buch vor uns liegt, ist es ein Ganzes: .wie sich Palästina auf Grund persönlicher Beobachtungen im Geiste eines wahrheitforschenden und emsigen Mannes widerspiegelt und wie der Zionismus, zu dessen ersten Anhängern und Vertretern der Verfasser gehört, im Lichte dieser Beobachtungen erscheint. Das Buch enthält viele Eindrücke und Gedanken und macht doch nicht den Eindruck eines Prokrustesbettes, in dem der Stoff mit gewaltsamen, Zerrung oder Abschneidung wichtiger Teile Platz findet. Das Buch wird, da es im warmen, persönlichen Ton geschrieben ist und daes nicht neckisch-idyllisch gemacht, sondern wirklich die abgeklärte Idylle eines ehrlichen Gemüts darstellt, in den weitesten Kreisen den besten, Eindruck machen. Es sei noch bemerkt, daß eine Reihe origineller photographischer Aufnahmen und eine allerliebste Zeichnung des Altmeisters Israels dieses typographisch schön ausgestatte Werk schmücken. N. S. Aus der spaniolischen Presse Die in Sofia erscheinende „La Luz" berichtet, daß nächstens eine hebräische Zeitung in Saloniki begründet werden soll. Die Zeitung soll von den Mitarbeitern des „El Libertad" redigiert werden. Es wäre dies die erste hebräische Zeitung, die durch spaniolische Juden im Orient begründet wird. Man kann nur wünschen, da(3 dieses Projekt so schnell als möglich der Verwirklichung entgegengehe. Dasselbe Blatt berichtet über den günstigen Entwicklungsgang des neugeschaffenen Vereins „Ibria", der sich der Verlebendigung und der Vorbereitung der hebräischen Sprache widmet. Der Verein veranstaltet literarische Versammlungen und Vorträge. In der letzten Nummer wird ein hebräischer Vortrag des Herrn Oberrabbiners Dr. Ehrenpreis: Über die neuen Strömungen in der hebräischen Literatur angekündigt. Der „Ha-Schofa r" berichtet über ein national-jüdisches Chanukafest, das zum erstenmal unter den sephardischen Juden Bukarests veranstaltet worden ist. —- Die Sephardini in Bukarest beschlossen, auch eine eigene zionistische Ortsgruppe zu gründen. Im Leitartikel der letzten Nummer polemisiert der „Ha-Schofar" in scharfer Weise gegen den zerstörenden Geist der Assimilation, der sich in jüdische Lehrerkreise Bulgariens einzuschleichen beginnt. Alte, angeblich konservative Chaehamim einigen sich mit weltstürmenden Marxisten in der Bekämpfung des nationalen Geistes. Auf Lehrerkonferenzen bilden Nationaljuden eine Minorität, aber — „dieser Minorität gehört die Zukunft." „El Avenir" (Saloniki) widmete einige seiner letzten Leitartikel der Frage der Reform des Wahlmodus für die Chacha mkaschiwü rde. Dieses Blatt, wie noch einige andere einflußreiche Provinzblätter machen keine Opposition gegen den gewählten Chachambaschi; sie bemängeln jedoch im Interesse der jüdischen Provinzvertretung die nach ihrer Ansicht ganz veraltete Wahlordnung, bei der die Judenschaft der Provinz eine quantite negligeable geworden ist. In diesem Sinne lautet auch ein Schreiben des ehrwürdigen Oberrabbiners Jakob Meir, das im „El Avenir" abgedruckt war. Dieses Schreiben war in hebräischer Sprache abgefaßt. „La Epoca" leitartikeltüber „den Gran d-Vezier, unseren Stamm es genossen." Der Redakteur dieses Blattes, Herr Samuel Sadi ha Levi, schreibt aus Konstantinopel: „Alle, die jüngst Gelegenheit hatten, im Parlement seine Hoheit, den Grand-Vezier Kiamil Pascha zu sehen, sagten sich: er sieht ja ganz wie ein Jude aus! Das ist aber nicht nur der Schein, das ist auch die Wirklichkeit. Kiamil Pascha ist unser Stammesgenosse und repräsentiert einen ganz ausgeprägten jüdischen Typus . . . Wir sind als Juden und als Ottomanen stolz darauf, daß ein Sohn unseres Stammes derjenige ist, der dazu berufen war, seit dem Morgenanbruch der Freiheit die Geschicke des erneuten und verjüngten Osmanenreiches zu lenken." Die letzten Nummern dieser Zeitung bringen die Nachricht über die Gründung eines jüdischen Klubs „der Einheit und des Fortschrittes" in Pristina. Während der ersten Versammlung hat ein zwölfjähriger jüdischer Knabe eine Rede in türkischer Sprache gehalten, die großen Enthusiasmus hervorgerufen hat. Das Leitmotiv der verschiedenen Ansprachen war die Bundesgenossenschaft des jüdischen Volkes mit den Osmanen. Dje in Saloniki erscheinende „La Libertad" teilt über die Fortschritte des Zionismus in dieser Stadt folgendes mit: „Mit der neuen Verfassung hielt auch der Zionismus seinen Triumpheinzug in die Herzen unserer Brüder in der Türkei. Bevor wir die,Freiheit der Versammlungen und der Presse erlangt hatten, war es unmöglich, der großen zionistischen Idee Eingang zu verschaffen. Diese Möglichkeit ist erst jetzt gegeben. Der Teil der jüdischen Nation, der in der Türkei lebt, kann sich dem Zionismus nicht verschließen. Alle Juden müssen für' das große Werk der Erlösung organisch miteinander verbunden sein. Es ist natürlich, daß den Juden, die in der Türkei leben, in dieser Beziehung eine Hauptrolle zufällt. . Das muß mit Entschiedenheit und Offenheit 2*