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Die Welt · 1909-02-05 · 6 (5.2.1909) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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N<>.:;6 DIE] 20. Jänner zugunsten des Fonds zur Gründung einer jü.disehen Mensa in Wien statt. Die Sophiensäle, die aufs geschmackvollste dekoriert waren, wiesen einen noch stärkeren Besuch als irn Vorjahre auf. Ein überaus distinguiertes Publikum, die Damen in kostbaren Toiletten, die Herren im Frack, füllten den riesigen Tanzsaal und die Nebenräume, so daß schon knapp vor Eröffnung des Balles ein beängstigendes Gedränge herrschte. Punkt zehn Uhr betraten die Komiteepaare, fünfundneunzig an der Zahl, unter den Klängen der Kadimah-Polonaise, den Saal. Allen voran das Ballpräsidium, der derz. Senior, Ing. Arnold Löwenstein. Hiermit galt der Ball als eröffnet. An der Estrade, die in einen Palmenhain umgewandelt und mit einem großen Herzlbilde geschmückt war, bemerkte man einen herrlichen Baldachin, an dessen Stirnseite der Zirkel der Verbindung in rot-violet-goldnen Farben leuchtete. Hier hatte eine stattliche Reihe von bekannten Persönlichkeiten Platz genommen, unter anderen die Mitglieder des Jüdischen Klubs. Zahlreiche Vertreter der Kunst und Wissenschaft, Professor Königstein, Dozent Dr. Nobel, die akademischen Maler Eichhorn und Krestin, Hof- und Gerichts-Advokat Dr.. Ernst Franz Weisl, die alten Herren der Verbindung und viele andere. Eine originelle wie künstlerische Damenspende, ein Kouleurband in den Farben der Kadimah mit einem Emailbild Herzls fand allgemeinen Beifall und wird für die Damen ein schönes Souvenirstück sein. Jedenfalls darf sich die „Kadimah" zu diesem materiellen und moralischen Erfolg voll und ganz gratulieren, insofern als sie, wie schon heute feststeht, -ein ganz erkleckliches Sümmchen dem Fonds zur Errichtung der jüdischen Mensa zuführen wird und durch ihre vornehmen Veranstaltungen Kreisen die bisher dem Zionismus ferne standen, demselben immer näher und näher bringt. Troppau. Am 26. Januar 1909 fand hier eine vom zionistische Verein „Jeschurun" veranstaltete Versammlung statt, welche ausgezeichnet, besucht war. Nachdem Herr Dr. F. Ekstein die Anwesenden begrüßt hatte, ergriff der Referent des Abends, Herr Ernst Bechert aus Teplitz,Mitglied des westösterreichischen Zentralkomitees, das Wort zum Thema „Der ewige Jude und seine Erlösung" und entwarf in einstündiger, mit begeistertem Beifall belohnter Rede ein großzügiges Bild der zionistischen Bewegung. Seine glänzenden Ausführungen, unterstützt durch die folgende Diskussion, an der sich besonders unser bewährter Gg. Ehrw. Herr Dr. Friedemann und Gg. Herr S. Cierer beteiligten, die schlagfertige und geistvolle Art, mit welcher der Referent die an ihn gestellten Fragen beantwortete, hatten den Erfolg, daß eine stattliche Anzahl neuer Mitglieder, namentlich Frauen, zu deren Gewinnung die Veranstaltung vorzüglich bestimmt war, dem Verein gewonnen wurden. Herrn Ernst' Bechert, der sich in aufopfernder Weise dem m. schl. Distriktskomitee zu einem ganzen Vortragszyklus zur Verfügung gestellt und damit in Troppau den Anfang gemacht hatte, gebührt der herzlichste Dank des Vereins, der denn auch den einstimmigen Beschluß gefaßt hat, Herrn Ernst Bechert ins goldene Buch des Jüdischen N. F. einzutragen.) Brünn. Am 23. Januar 1. J. veranstaltete die jüd.-akad. Verbindung „Veritas" in den Sälen des Grand Hötel einen Festk'ommers, der in jeder Beziehung vollen Erfolg bedeutete. Cand. ing. Ernst Frischer begrüßte die außerordentlich zahlreich erschienenen Gäste und ergriff sodann das Wort zur Festrede, in der er das Thema: „Zionismus und Idealismus" in ausgezeichneter, lebhaften Beifall auslösenden Weise, behandelte. f^J Die Tendenzrede hielt A. H. Dr. Otto Abel es. In seiner inhaltsvollen Rede erläuterte, daß der Radikalismus bei allen Bewegungen berechtigt ist, die von Grund auf bauen. Er schwindet in dem Maße, als die Idee Gemeingut wird.j Der Festkommers, aus dem noch die musikalischen Darbietungen des Frl. Martha Brammer und des xxFM cand. ing. Lippmann Brammer hervorzuheben sind, schloß mit einem launigen Damentoast des F. ing. ehem. Rob. Neumann. Hierauf wurde bis zum Morgengrauen getanzt. Jägerndorf: Die letzte Station der Vortragstournes, welche unser ausgezeichneter Gg. Herr Ernst Bechert aus Teplitz, Mitglied des westösterreichischen Zentralkomitees, über die Einladung des m. schl. Distriktskomitees im Troppauer und Bielitzer Kreise unternahm, war Jägerndorf, wo er am 31. Jänner d. J. über „Wege und Ziele des modernen Judentums" sprach. Die Versammlung, vom Vorstand der Kultusgemeinde einberufen, wurde vom Vorsteher, Herrn Julius Krämer selbst geleitet und wies einen außerordentlich guten Besuch auf. Nach der Diskussion und der Beantwortung der vom Publikum gestellten Fragen, wobei der Referent von den Mitgliedern des m. schl. Distriktskomitees den Herrn Gustav Finzi und Dr. Fritz Ekstein unterstützt wurde, erklärten sich 25 Herren und Damen bereit, die Vorarbeiten zur Gründung eines zionistischen Vereines im Jägerndorf zu übernehmen. |EUP 129 Trauersitzung der „Bar-Kochba" Mittwoch, den 27. d. Mts. versammelten sich die Mitglieder und alten Herren der „Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien Bar-Kochba" zu einer Trauersitzung anläßlich des Ablebens ihres Ehrenmitglieds Dr. Leopold Kahn. Der Präses der Vereinigung, Herr Schmorak eröffnete die Trauersitzung mit einer kurzen Ansprache, in der er den schmerzlichen Gefühlen der „Bar- Kochba" Ausdruck verlieh. Die Ansprache wurde stehend angehört. Herr Moses Waldmann würdigte die Persönlichkeit des Dahingegangenen. Leopold «Kahn war eine Kämpfernatur. Daher seine Liebe zur Jugend. Er war eine harmonische Verschmelzung der ostjüdischen Kultur, aus der er sich organisch zum Zionismus entwickelte mit europäischer ^Bildung. Redner verweist auf die Verdienste Leopold Kahns um^den hebräischen Sprachverein und die zionistische Agitation. Zum Schluß ergriff Herr Reichsratsabgeordneter Adolf Stand das Wort. Theodor Herzl war der Schöpfer und große Organisator der politisch-zionistischen Bewegung. Oser Kokesch verkörperte im Wiener Aktionskomitee die Geschichte des Zionismus seit der Kattowitzer Konferenz. Leopold Kahn aber verkörperte die Tradition des Judentums. Redner kennzeichnet die Tätigkeit des Verblichenen in der zionistischen Bewegung und fordert die Anwesenden auf, Leopold Kahn ein dankbares Andenken zu bewahren. Die „Bar-Kochba" beschloß, einen Ölbaumhain auf den Namen Leopold Kahn zu pflanzen und den Verschiedenen ins Goldene Buch des Nationalfonds einzutragen. Die Vereinigung legte dreißigtägige Trauer an. Ungarn Die ungarische zionistische Landesorganisation hat zum Zwecke der Aufklärung über die zionistischen Ziele eine Denkschrift ausgearbeitet. Diese Denkschrift wurde in vielen Tausenden von Exemplaren ausgeschickt, und zwar an sämtliche ungarischen Minister, Staatssekretäre, Ministerialräte, an alle Mitglieder des Abgeordnetenhauses und Oberhauses, an die Obergespäne, Vizegespäne, städtischen Bürgermeister, an alle Seelsorger und Vorsteher der jüdischen Gemeinden in Ungarn, an die Leiter der jüdischen konfessionellen Schulen, an sämtliche im Lande erscheinenden politischen Journale, an die politischen Klubs, und auch an die Repräsentanten der Budapester jüdischen Kultusgemeinde, an die orthodoxe und neologe Landeskanzlei usw. Die Denkschrift wirft im einleitenden Teile einen Rückblick auf die historische Entwicklung der Juden in den verschiedenen Ländern der Diaspora und führt in geistreicher Weise aus, daß das Los der Juden sich überall ähnlich in auf- und absteigender Linie bewegte, daß der oft erst nach jahrhundertelanger mühevoller Arbeit errungene wirtschaftliche Aufschwung bei der herrschenden Majorität stets Neid, Haß und die Sucht nach Unterordnung, sogar Unterdrückung der Juden erzeugte, anderseits jedoch der wirtschaftliche und soziale Aufschwung der Juden bei diesen selbst nur allzubald die bis zur vollständigen Fahnenflucht 'gesteigerte Assimilationssucht hervorrief. In ihren weitern Ausführungen begründet die Denkschrift den ideellen und praktischen Nutzen, welchen die Verwirklichung des zionistischen Endzieles für die gesamte jüdische Nation in sich birgt, und schildert zur Begründung der eminenten Notwendigkeit unserer Bewegungen und Bestrebungen einerseits die trostlose Lage der vielen Millionen rechtloser Juden, anderseits die sich schon seit Jahren auch in den freiheitlichsten Staaten fühlbar machende antijüdische Strömung. Ohne überflüssige Pathetik aufzuwenden, wird sodann in überzeugender Weise die logische Schlußfolgerung erbracht, daß der zu allen Zeiten bestandenen Judennot einzig und allein nur durch praktische Verwirklichung der zionistischen Endziele radikal und für ewige Zeiten abgeholfen werden kann. Im zweiten Teile schildert ' die Denkschrift der ungarischen Zionisten in kurzer übersichtlicher Darstellung das Wesen aller jener materiellen und ideellen Institutionen, welche die zionistische Weltorganisation bereits geschaffen hat. Der dritte — Schlußteil — der Denkschrift behandelt die zionistische Frage vom lokalen Standpunkte aus, d. h. vom Standpunkte der ungarischen Staatsbürgerschaft, und dokumentiert in nicht zu widerlegender Weise, daß sich die ungarischen Juden durch Betätigung des Zionismus in keiner Weise gegen den ungarischen Staatsgedanken vergehen, daß sie hierdurch nicht zum allergeringsten Teile aufhören, ebenso gut ungarische Staatsbürger zu sein, wie sie es — anerkanntermaßen — vorher waren. Szatmärn^meti: Der hiesige Zionisten verein veranstaltete am 24. Januar, Sonntagabend 8 Uhr, eine glänzende Agitationsversammlung.

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