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Die Welt · 1909-02-05 · 6 (5.2.1909) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Zuerst hielt Herr Oberrabbiner Dr. Alexander Jordan (Szatmär) einen interessanten Vortrag über seine Erfahrungen aus Jerusalem. Es war eine höchst rühmens- und nachahmungswerte tapfere Tat eines ungarischen Rabbiners, sich öffentlich zum Zionismus zu bekennen. Sodann folgte die großangelegte inhaltsreiche und formenschöne Festrede des bekannten Vorkämpfers der zionistischen Idee in Ungarn, Herrn Dr. Niszon Kahan (Budapest, Makkabea). Er hielt einen Vortrag „Ober unsern Standpunkt". Nachher" versammelten sich die Teilnehmer zu Ehren des Herrn Dr. Kahan in der Restauration „Hungaria". Herr Bankdirektor Wilhelm Klein (Zatwär) teilte seinen hochherzigen Entschluß mit, dem hiesigen Zionistenvereiti jährlich 200 Kr. zur Verfügung zu stellen. Rumänien Die zionistische Bewegung ist, gerade in einem so feierlichen Augenblicke, wie er durch die jüngsten Ereignisse in der Türkei geschaffen wurde, bei uns in Stocken geraden. Eine Apathie, der schwerer beizukommen ist als einer noch so hartnäckigen Opposition, greift immer mehr um sich und macht alle redlichen Bemühungen des Federationskomitees und der wenigen zionistischen Propagandisten in der Provinz, die glimmende Kohle zur hellen Flamme anzufachen, zunichte. Diese Stagnation ist wohl auf den Umstand zurückzuführen, daß dem Zionismus hierzulande der Nährboden — die jüdische Kultur — immer mehr entzogen wird; namentlich ist dies bei der studierenden und nichtstudierenden Jugend der Fall, so daß bei ersteren in ihren „glaubensgenössischen" Separatverbindungen (ein Separatismus, der ihnen vom Antisemitismus ihrer nichtjüdischen Kameraden förmlich aufgezwungen wurde) der nationale Gedanke noch gar nicht zum Durchbruche gekommen, bei letztern nicht zur praktischen Betätigung gereift ist. Und so kam es denn, daß der Delegiertentag, welcher vom rumänischen Federationskornitee für Ende Dezember 1. J. nach Galatz einberufen wurde, auf unbestimmte Zeit vertagt werden mußte, weil die zionistischen Sektionen (die mehr dem Namen nach als in Wirklichkeit bestehen) zu diesem Delegiertage nicht vorbereitet waren . . . Um so mehr verdienen diejenigen Sektionen hervorgehoben zu werden, welche eine rühmliche Ausnahme von der Regel bilden. Zu diesen gehören: die Sektion zu Braila, deren Seele Dr. Moscowitz, die zu Focschany, deren Seele Rabbiner Dr. Nacht, und vor allem .die Sektion zu Bukarest „Chowewe Zion, David", deren Präsident und Seele Herr M. Schwarzfeld, Redakteur und Herausgeber der „Egalitatea", ist. Diese aus zirka 100 Mitgliedern bestehende Sektion hat nun eine 10 jährige ununterbrochene, von Jahr zu Jahr steigende Tätigkeit hinter sich. Dem soeben erschienenen Jahresberichte für 1907 zufolge hat die Sektion in diesem Jahre an Kotisationen, Schekel, Nationalfondssammlungen, Ölbaumspenden usw. 4531 Frs. einkassiert und 3504 Frs. ausgegeben, wovon Schekel 257, Parteisteuer 377, Nationalfonds 1598.35, 100 Ölbäume 750, für Palästinakommission 100, Agudath NetaTm 100, „Bezalel" 50, Nationalbibliothek 25, usw. In dem eben abgelaufenen Jahre 1908 sind mit der Tätigkeit dieser rührigen Sektion sämtliche Ziffern gestiegen, die Totalsumme übersteigt den Betrag von 6000 Frs., davon 200 Ölbäume 1500 Frs. Diese Sektion hat seit ihrem Bestehen 15 Einschreibungen ins Goldene Buch zustande gebracht und ist die erste im Lande, die auch den Kulturfonds mit der nicht unerheblichen Summe von 250 Frs. bedacht hat. — Herr Schwarzfeld beschränkt indes seine zionistische Tätigkeit nicht auf diesen engeren Wirkungskreis allein, sondern unterläßt keine Gelegenheit, in Wort und Schrift für die Betätigung des Zionismus einzutreten. So wendet er sich in Nr. 48 der „Egalitatea" in einem bemerkenswerten Artikel, „Was der Zionismus verlangt", gegen die Immer-Unzufriedenen und legt, ihnen mit beredtem Wort ans Herz, daß wir endlich einmal damit beginnen müssen, mehr zu arbeiten und weniger zu bemängeln, mehr den Führern Gelegenheit zu geben, das Volksideal zu realisieren, als von denselben Großzügiges zu verlangen, — ohne ihnen vertrauensvoll Gefolgschaft zu leisten und die erforderlichen Mittel zur Durchführung der riesigen Aufgabe zu verschaffen. Türkei Konstantinopel: Am Sonntag den 17. ds. Mts. fand die Versammlung des „Jüdischen Jugendvereins für den Nationalfonds" statt. Der Präsident, Herr Sarfis, eröffnete die Sitzung mit einer sachlich gefaßten Ansprache und betonte mit allem Nachdruck, daß es heiligste Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen ist, für die hohe Sache einzugreifen. Er lud die anwesenden Mitglieder dringend ein, an der Popularisierung nach Kräften mitzuwirken. Zum Schluß hob er das Bedürfnis hervor, an dem bereits bestehenden hebräischen Abendkursus teilzunehmen und verwies die Versammlung auf den Umstand, daß dies die einzige Möglichkeit zur Hebung und Pflege der jüdischen Gesinnung bildet. Einen sehr interessanten Vortrag hielt Herr Dr. IsraelAuerbach. Er schilderte in meisterhaften Zügen seine Reise nach dem heiligen Lande und ließ die weitgehende Schilderung in den Einzelheiten der Abenteuerfahrten fast zu einer persönlichen Vergegenwärtigung ausarten. Alsdann erstattete der Präsident einen eingehenden Bericht über die Tätigkeit des Ausschusses, der mit Befriedigung entgegengenommen wurde. Südafrika Spezialbericht über die Dritte Jahreskonferenz der South African Zionist Federation Nachdem schon an den vorhergehenden Tagen einige Vorversammlungen, Besprechungen usw. stattgefunden hatten und Samstag abend eine gesellige Veranstaltung die Teilnehmer mehrere Stunden in ungezwungener Unterhaltung vereinigt hatte (unter den Gästen wurde der Mayor der Stadt Johannesburg viel bemerkt), wurde die dritte Jahreskonferenz der südafrikanischen Zionistenfederation am Sonntag den 9. Januar, vormittags, eröffnet. Anwesend waren über achtzig Delegierte, Damen und Herren, aus allen Teilen des Landes. Den Vorsitz führte der Präsident, Mr, Hyman Moris. Der Bericht des Vorsitzenden enthielt einen Rückblick auf die 12 Jahre aktiver zionistischer Propaganda seitens der Federation. Er betonte die Umwälzungen in der Türkei, von denen er sich einen neuen Aufschwung der zionistischen Idee versprach. Dann trat er für die praktische Arbeit in Palästina ein und gab zum Schlüsse der Hoffnung Ausdruck, daß diese Konferenz einen Schritt vorwärts auf dem Wege der zionistischen Entwicklung in Südafrika bedeuten möge. Sodann wurden die Begrüßungsschreiben verlesen, die zur Konferenz eingetroffen waren. Mit besonderer Aufmerksamkeit hörte man dem des Präsidenten Wolffsohn zu, das bezug nahm auf die Ereignisse im Osten: „Der Umschwung war einer der wunderbarsten und wohltätigsten in der ganzen Geschichte. Es gibt keine Kluft zwischen Zionismus und der freien Türkei. Der Genius unseres Volkes ist nicht agressiv in einem chauvinistischen Sinne. Wir haben keinerlei Ehrgeiz, uns in Konflikt mit einer bahnbrechenden und fortschrittlichen Macht des Islam zu bringen, wir werden uns vielmehr selbst auf die friedliche Entwicklung unseres nationalen Lebens beschränken." Begrüßungsschreiben waren ferner eingelaufen von den Herren J. H. Kann, Dr. M. Nordau, L. Keßler, S. Goldreich usw. Rabbiner Dr. Hertz stellte hierauf folgenden Antrag: Angesichts der entsetzlichen Katastrophe, die Kalabrien und Sizilien befallen hat, möge folgendes Telegramm Sr. Majestät dem König Victor Emanuel von Italien, der ein Freund Israels ist und auch unseren unvergeßlichen Führer, Dr. Herzl, nahegestanden hat, gesandt werden: „Die zu einer Konferenz versammelten Zionisten Südafrikas drücken Ew. Majestät und der italienischen Nation ihr tiefes Mitgefühl bei der schrecklichen Katastrophe aus, die einen Teil Ihres Landes betroffen hat." Der Antrag wurde schweigend einstimmig angenommen, indessen die Mitglieder sich von ihren Sitzen erhoben hatten. Hiernach trat man in die Debatte über die Propaganda ein. Mr. J. H. Goldreich, Prieska, stellte den Antrag auf Schaffung eines Propagandafonds der südafrikanischen Zionisten-Federation, ein Antrag, der von Rev. Harris Isaacs, Kirnberley, wärmstens unterstützt wurde. Die Bewegung schlafe an vielen Orten, es müßte ein Mittel gefunden werden, sie aufzuwecken. Mr. Rieck widersprach dem Antrag, es gebe gerade Fonds genug. A. Herne trat für die Anstellung eines Propagandaleiters ein, der im Auftrage der Federation das Land bereisen solle. Über diesen Antrag entspann sich eine lebhafte Debatte. Einige Delegierte äußerten sich gegen den Antrag, teils, weil die Federation nicht die Mittel habe, ihn auszuführen, teils, weil sie prinzipiell gegen eine Agitation gegen Bezahlung waren, die den zionistischen Gedanken entwerte. Gegen diese Ansicht wandte sich besonders eindrucksvoll Mr. Morris Alexander, der betonte, es sei der einzig richtige Weg, die Arbeit bezahlten Kräften anzuvertrauen. Man dürfe nicht auf Männer wie Dr. Herzl warten, die Gut und Blut für die Idee gäben und sich ihr zum Opfer brächten. Schließlich wurde der Antrag angenommen. Die Aufbringung der entstehenden Kosten soll durch die Vereine garantiert werden. Die Beratung wandte sich sodann einem Antrage zu, der die Schaffung einer zionistischen Zeitung in Südafrika verlangte. Es ergab sich, daß die erforderlichen Mittel hierzu nicht vorhanden

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