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Die Welt · 1909-02-05 · 6 (5.2.1909) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
6 (5.2.1909)
Date
1909-02-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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gesprochen), feuerspeiende Reden gegen Willkür und Schlendrian — und hernach höchstzahmes Ja- und Amensagen selbst bei eklatanter Hilflosigkeit der befragten Minister. Die Tagesordnung für den Minister der Finanzen war noch verständlich; alle Welt sah ein, daß die eingewurzelten Mißstände eine force majeure darstellen, der gegenüber das Menschenmögliche noch nicht ausreicht. Aber die Lächerlichkeit und Nonchalance des Vakufministers mit einem placet zu belohnen, das war und bleibt höchst sonderbar. Dieser verantwortliche Staatsbeamte wußte nicht nur für seine Untätigkeit keinen Grund zu liefern, er beglückte auch die Kammer mit einem Präzedenzfall, der für den parlamentarischen Frieden höchst gefährlich werden kann. Bekanntlich ist in der Konstitutions- Charta die türkische Sprache als alleinige Staats- und Parlamentssprache festgelegt; und das ist gut so, sonst wäre babylonische Verwirrung in die Volksvertretung gekommen. Der Minister des Efkaf» aber fand es für statthaft, am. Schluß seiner Rede ein zehn Mobilisierung der Parteien scheint stattzufinden, ein Kampf hinter den Kulissen, der an der Oberfläche nur als Verwirrung sichtbar wird. Kaum ein Zweifel, daß binnen kurzem die Organisierung in geschlossenen Parteien offen zutage liegen wird. Bis das nicht erfolgt ist, ist Unfruchtbarkeit das herrschende Zeichen. Seit etwa zwei Wochen kommt die Kammer nicht vorwärts. Kein einziges Gesetz ist präsentiert, nur Hunderte zersplitterter Projekte, die von einzelnen Parlamentariern nach persönlichem Eindruck und Geschmack zurechtgemacht und auf den Parlamentstisch geworfen wurden. All dies zahllose Rohmaterial muß erst in die Mühle der Kommissionen. Bis es als genießbares Produkt herauskommt, wird Zeit vergehen. — In die parlamentarische Kommission für öffentliche Arbeiten ist als Mitglied des ersten Bureaus Emanuel Effendi Garasso, der jüdische Deputierte für Saloniki, gewählt worden, dessen zionistische Ansichten wir in einer der letzten Nummern wiedergegeben haben. -\ 'W » TS iw DER CHACHAMB ASCHI-UND DIE MITGLIEDER DER WAHLVERSAMMLUNG Minuten anges Gebet im arabischen Idiom zu perorieren, das allen andern als den arabischen Deputierten schleierhaft bleiben mußte. Und das auffallendste ist, daß der Kammerpräsident sich nicht zum Einschreiten veranlaßt sah, daß aber das offizielle Protokoll im Staatsanzeiger dieses fromme Dokument nicht publizierte. Es bleibt nur zu wünschen, daß nicht morgen die Griechen, übermorgen die Bulgaren und alle die andern, gottlob zahlgesegneten Nationalitäten sich darauf versteifen, in der Kammer zu reden, zu beten und zu fluchen, wie ihnen ihr Sprachorgan gewachsen ist! Das Parlament hat kaum gut getan, diese Verletzung der Geschäftsordnung hinzunehmen. Die Nationalitätenfrage lauert wie eine schlummernde Lawine, die plötzlich unsanft erwachen kann. Auch das Verhalten der Jungtürkeri bei dieser und ähnlichen Gelegenheiten ist nicht verständlich. Schwiegen sie aus Opportunismus, weil sie bis auf weiteres keinen Minister stürzen wollen, oder steht ihnen im Parlament eine reaktionäre Masse gegenüber, die ihnen nicht die Kraft läßt, sie zu stürzen? Aber sie haben ja im Parlament die Majorität! oder ist die etwa nicht sicher? Die Wahrheit ist, daß es kein Mensch weiß. Die Kammer ist momentan auf des Chaotismus Gipfel. Eine unterirdische - Eine Kundgebung der „Union liberale" Diese Woche fand im Saale des Pera-Palace-Hotel ein großes Bankett statt, das nominell zur Erinnerung an die Gründung des ottomanischen Reiches veranstaltet war, tatsächlich aber den ersten Aufmarsch der Sabaheddinschen Partei bedeutet. Als Gäste waren der Großwesier Kiamil Pascha und Hilmi Pascha, der Minister des Innern, sowie der Staatspräsident Said Pascha erschienen. Sämtliche auf Vorschlag des jungtürkischen Komitees „Union et Progres" ernannten Minister fehlten! Ebenso blieben die Mitglieder des Jungtürkenkomitees, u. a. der Kammerpräsident Ahmed Risa, der Feier fern. Kiamil Pascha ließ eine Rede verlesen, die für die Wahrung der Privilegien der Nationalitäten verheißungsvolle Sätze enthielt. Welche Wirkung diese Veranstaltung auf die Öffentlichkeit und insbesondere auf die Bildung einer festgeschlossenen parlamentarischen Gruppe haben wird, bleibt abzuwarten. Der Deputierte von Bagdad Der vierte jüdische Abgeordnete Sassoon Eskell wird dieser Tage aus Bagdad erwartet. Auch seine Erwählung beweist aufs

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