Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316357--51556-3345204
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

der Mauer entlang tastende Hand dürftet wirklich manchen Akademieprofessor zum Stirnrunzeln veranlassen! Spielende Kinder am Strande. Wir kennen dieses Motiv aus manchem Bilde von Israels; und die traulichen naiven Lieder, die er über das Leben der holländischen Fischerkinder singt, sind eins der schönsten Kapitel im Buche seiner Kunst. Auch in diesem Blatte weiß er mit wenigen Linien alles zu sagen. Und wir spüren auf dem kleinen Raum die frische Luft und die unendliche Ferne des holländischen Meeres! * J. ISRAELS SPIELENDE KINDER AM STRANDE Dr. Leopold Kahn Ganz unerwartet erhielten wir die betrübende Nachricht von dem plötzlich am 22. d. M. eingetretenen Ableben des Herrn Dr. Leopold Kahn in Wien. Diese Nachricht wird in den weitesten Kreisen unserer Gesinnungsgenossen mit größtem Bedauern empfunden werden. Der Verblichene war im Laufe mehrerer Jahre einer der eifrigsten zionistischen Kämpfer in Österreich und gehörte seit dem II. Kongreß bis nach Herzls Tode dem Engern Aktionskomitee an. Auf allen Gebieten der zionistischen Propaganda, des national-hebräischen und jüdisch-geistigen Lebens in Wien kam die große Tatkraft Dr. Kahns zur Geltung. Rastlos war seine agitatorische Tätigkeit. Hebräischem Wissen und jüdisch-nationalem Wesen hatte sich der Heimgegangene schon früh mit Vorliebe zugewandt. Die hebräische Sprache galt ihm als das teuerste Gut und die Pflicht ihrer Pflege als so unbedingt überragend, daß er sie als einen geradezu obligatorischen Punkt des zionistischen Programms bezeichnete. Er war ein Hebraist der a'ten Schule im besten Sinne dieses Wortes. Aber während so manche Hebraisten dem Auftauchen des neuen Zionismus teilnahmlos oder mit zweifelndem Sirin gegenüberstanden, schloß sich Dr. Kahn der neuen Bewegung mit großem Pathos und mit jener Breite an, die nicht eines homiletischen Untergrundes entbehrte. Denn bei aller. Reichhaltigkeit eines modernen Wissens war der Entschlafene von Haus aus der Typus eines trefflichen altjüdischen Redners und Volkslehrers. Das Engere Aktionskomitee hatte an dem Verstorbenen ein unermüdliches aktives Mitglied und einen treuen Ratgebor bei allen Fragen, die mit jüdischer Kultur im Zusammenhange standen. Auch seine juristischen Kenntnisse und Erfahrungen fanden bei manchen Aufträgen die zweckentsprechende Verwendung. Aber seine Haupttätigkeit bestand in der rednerischen Propaganda, und mit besonderer Vorliebe in der Förderung hebräischen Wissens. Lebendig steht vor unsern Augen die Gestalt Leopold Kahns, der auf den Kongressen eine hervorragende Rolle spielte. In diesem Bilde würde ein Zug fehlen, wenn wir nicht auch der verehrten Witwe, Frau Sidonie Kahn, gedächten und der großen Arbeit, die sie an der Seite des Verblichenen auf dem zionistisch-sozialen Gebiete geleistet hat. Hand in Hand haben Leopold und Sidonie Kahn ihre zionistische Arbeit gemacht. Kindersegen war ihnen nicht beschert, und in den ersten Jahren haben sie sich durch schwere Sorgen durchkämpfen müssen. Das jüdische Fühlen und die zionistische Überzeugung wurden ihnen beiden zu einer Quelle werktätiger Gesinnung und moralischer Genugtuung. In der strengen Auffassung vom Ernst der Parteipflichten haben sie sich zusammengefunden. Das harte Schicksal hat der wackern Frau das beste Gut ihres Lebens genommen. Möge sie in dem Bewußtsein Trost finden, daß der Name des Heimgegangenen dauernd an die Geschichte des Zionismus geknüpft bleibt. 2*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.