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Die Welt · 1909-01-29 · 5 (29.1.1909) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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EINIGES ÜBER JOZEF ISRAELS ALS RADIERER Zum 27. Januar 1909 Von Hermann Struck Das Ersuchen der Redaktion dieses Blattes kam dem Verlangen meines Herzens entgegen, dem Altmeister der Kunst zur 85. Wiederkehr seines Geburtstages den Tribut verehrungsvoller Dankbarkeit zu zollen. Nun ist über Israels Malerei schon sehr viel geschrieben worden, und die Leser dieses Blattes kennen gewiß den vorzüglichen Essay von Fritz Stahl in den „Jüdischen Künstlern". Es sei mir daher gestattet, einige Worte über seine Radierungen anzuführen, die sich in meinem demnächst erscheinenden Buche „Die Kunst des Radierens"*) finden: SeitLiebermanns Artikel über Israels, •der im April 1901 in der Zeitschrift für bildende Kunst erschien und den großen holländischen Meister so treffend charakterisiert, ist es ein schweres Ding, über ihn etwas Neues zu sagen. Auch ich möchte mit Liebermann sagen: „Aber als ich mich nun an die Arbeit machte, sah ich ein, daß ich Israels viel zu sehr liebe, um über ihn schreiben zu können." Wirklich, lieber Leser, ich kann Sie nur bitten, diese wundervolle Abhandlung, die auch in einem Sonderdruck erschienen ist, nachzulesen; ich gestatte mir sogar, Ihnen den Rat zu geben, sie zweimal zu lesen, vielleicht so lange, bis Sie sie auswendig *) Die Kunst des Radierens. Ein Handbuch von Hermann Struck. Verlag Paul Cassirer, Berlin W. J. ISRAELS kpnnen. Dann' aber werden Sie sich mehr Kunst Verständnis angeeignet haben, als Ihnen das Studium mancher dickleibigenKunstgeschichte bringen kann. Wiederum sei es mir erlaubt, Liebermann zu zitieren: „Nur ein wirklicher Dichter könnte Israels ganz gerecht werden, denn Israels' Malerei ist ein Farbe gewordenes Gedieht, ein schlichtes Volkslied, kindlich, im biblischen Sinne eir fältig, alles Gemüt, Empfindung und nochmals Gemüt! „Israels sagte mir einmal: „Außer Millet gibt es keinen Maler, der so wenigzeichnenund malen konnte wie ich und dabei so gute Bilder gemacht hat. „Mit anderen Worten: wie Millet ist auch Israels keinTalent, doch — ein Genie." Alle seine Radierungen haben den Zauber seiner uns so lieben persönlichen Sprache. Sie sind kunstlos, fast ungeschickt. Keine akademische Regelmäßigkeit, keine liebevolle Sitzfleischausführung. Ebenso, wie seine Bilder, sind sie, wie Israels einmal treffend von sichsagte, wie in der Hypnose gemacht. Besonders bei dem „Blinden Mann" hat man diese Empfindung, daß nichts vorher bedacht sei, sondern daß diese zitternden, ungelenken Striche wie von der Hand eines Träumenden gezeichnet seien. Wie unglaublich charakteristisch ist die Erscheinung des Blinden mit den wenigen gekritzelten Linien gegeben! Dieses Schlürfen auf unsichern Füßen, dieses zitternde Tappen mit dem Stabe. Ja, diese an BLINDER MANN

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