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Die Welt · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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aschkenasischen Gemeinden trennen. Aber man muß daran denken und zusehen, das Heilmittel zur Herstellung eines Einvernehmens zu finden. Herr Schabotinski wie Herr Dr. Jacobson, der Direktor der anglo-levantinischen Bank, sprachen in Konstantinopel mit mir über die Frage. Wir befanden uns in vollkommener Übereinstimmung. Man sollte zur Verwirklichung der Sache an die Bildung eines Zentralkomitees schreiten, zu dem auch einflußreiche Mohammedaner zuzuziehen wären. .. . Ich werde mir ein Vergnügen und eine Pflicht daraus machen, Sie über alles, was weiter erfolgen wird, auf dem laufenden zu halten, damit Ihre Leser imstande sind, alle Phasen dieser Bewegung fortdauernd zu verfolgen, die dem Lande von großem Segen sein wird. Das ist meine wahre und klare Meinung über den Zionismus.4" in D D PALÄSTINA □ □ □ Der Jerusalemer Pascha gegen das Ein= Wanderungsverbot (Audienz des Herrn Ben Jehudah) Bekanntlich wurde infolge des für die Juden geltenden Einwanderungsverbotes nach Palästina den jüdischen Ankömmlingen der Reisepaß abgenommen und ein roter Schein eingehändigt. Es sollte damit bekundet werden, daß der Jnhaber dieses Scheines nicht länger als 3 Monate im Lande zu weilen berechtigt sei; wiewohl dies lediglich eine Formalität war und in der Tat niemals ein Versuch gemacht wurde, die Inhaber des roten Aufenthaltsscheines zum Verlassen des Landes aufzufordern, wurde doch diese Behandlung der Juden als eine Ehrenkränkung schwer empfunden. Insbesondere war es ganz unverständlich, daß, als der Paßzwang überall in der Türkei ohne besondere Verordnung seine Geltung verlor und man in den nahe gelegenen Häfen Beirut und Haifa bereits ohne jede Kontrolle ein- und ausfahren, konnte, in Jaffa dennoch alles beim alten blieb und die jüdischen Fremden weiter den roten Zettel einstecken mußten. Der Redakteur des Hazewi, Herr Ben Jehuda, begab sich zum Jerusalemer Gouverneur Soubhi Bey und klagte vor ihm über diesen gesetzwidrigen Zustand, der die jüdischen Bürger aufs äußerste verletzte. Der Gouverneur erklärte nun Herrn Ben Jehuda, daß auch er durchaus gegen die Wegnahme der Pässe bei jüdischen Einwanderern sei, und daß er die zuständigen Beamten bereits aufgefordert habe, diese Praktik in Zukunft einzustellen. Auch bereite er einen ausführlichen Bericht über diese Angelegenheit an die Zentralregierung vor und werde die Aufhebung dieser Verordnung beantragen. Der Pascha stellte bei dieser Gelegenheit ausdrücklich fest, daß die Behauptung, er wäre der jüdischen Einwanderung und Ansiedlung in Palästina abgeneigt, durchaus unzutreffend sei, und berief sich auf das Zeugnis der jüdischen Abgeordneten Carasso Effendi, Nissim Effendi Masliah und des jüdischen Senators Behor Effendi Aschkenazi, die seine guten Bekannten seien und bezeugen können, daß er den Juden durchaus freundlich gesinnt sei. Schließlich beklagte sich der Pascha vor Ben Jehuda, daß die Erledigung der Chachambaschikrisis von dem jüdischen Komitee so lässig fortgeführt werde.5 Dieses Vorgehen und die Zerfahrenheit in der Organisation der Jerusalemer Gemeinde werde ihn schließlich doch veranlassen, was er nur sehr ungern tun würde, von seiner Machtvollkommenheit Gebrauch zu machen und selbst diese Angelegenheit zu einer Lösung zu bringen. Er bat Herrn Ben Jehuda, durch seine Zeitung dafür zu wirken, daß bald Ordnung eintrete. Turnverein in Jaffa Jaffa: Dank den eifrigen Bemühungen des Turnlehrers Orlow, der vor einigen Monaten vom Auslande zurückkehrte, wo er zur Vervollkommnung in seinem Fache ein Semester weilte, ist ein Turnverein in Jaffa begründet worden. Das Gymnasium stellt dem Vereine seine Turnhalle und Turngeräte unentgeltlich zur Verfügung; ebenso stellt auch der Lehrer Orlow in uneigennützigster Weise unentgeltlich seine ausgezeichnete Kraft in den Dienst des jungen Vereines. Die Turnübungen finden jeden Abend statt. Über 40 Mitglieder, zumeist Arbeiter, Handwerker und Handlungsgehilfen,zählt die höhere Abteilung und ca. 25 die jüngere. Auch 25 Turnerinnen bilden eine besondere Gruppe, die ebenfalls unter der Leitung des Herrn Orlow einmal in der Woche ihre Übungen hält. Die Beiträge der Mitglieder werden für Anschaffungen von neuen Turngeräten verwendet, da es an vielen durchaus notwendigen fehlt. Außer den Turnübungen veranstaltet dieser Verein am Sonnabend größere Ausflüge und Ruderpartien auf dem Meere. Chanukahf eiern Jaffa: Wie alljährlich veranstalteten die hiesigen Schulen auch in diesem Jahre eindrucksvolle Chanukafeiern. Unter freiem Himmel, im Hofe des Gymnasiums, versammelten sich am ersten Chanukahnachmittage sämtliche Schüler und Lehrer des Gymnasiums und ein großes Publikum, um das Andenken der Makkabäer zu feiern. Von einem Schüler der obersten Klasse wurde eine wirkungsvolle Festrede gehalten, worauf Deklamationen folgten, lebende Bilder und die Aufführung des Einakters „Chanah und ihre sieben Kinder", die einen großen Eindruck auf alle Anwesenden machten. Besonders gelungen war zum Schlüsse des Abends ein festlicher Fackelzug. Am folgenden Tage unternahm das Gymnasium einen Ausflug nach Modin, dem Begräbnisorte der Makkabäer. Nicht minder gelungen war das von der Mädchenschule des Odessaer Komitees veranstaltete Fest. Ein von Herrn Silmann neu verfaßtes Drama, welches ebenfalls die Makkabäerperiode schildert, wurde aufgeführt. Auch die Knabenschule des Esra (Hilfsverein der deutschen Juden) feierte öffentlich das Chanukafest. Gründung einer neuen Kolonie in Athlit In Athlit, dem neuen Castellum peregrinorum, besitzt die Ica seit langer Zeit Land. Jetzt sind die Rechtsstreitigkeiten, die sich an dieses Land knüpften, beseitigt, und die Ica hat das Land, das bisher von Pächtern bearbeitet wurde, an Kolonisten verteilt. Für die Kolonisten sind auf einem Hügel, auf dem seltsam behauene Steine von einer großen Vergangenheit zeugen, zehn Häuser errichtet worden, die von einer gemeinsamen Mauer umschlossen werden. Ein aus dem Altertum stammender, vorzüglich gebauter Brunnen ist aufgefunden worden und liefert Wasser. Die Lage der neuen Ansiedlung ist sehr schön. Sie bietet dem jüdischen Reisenden eine erwünschte Etappe auf dem langen Wege von Sichron Jakob nach Haifa. In Kinereth hat die P L D C durch Ausbesserung des vorhandenen alten Chans geräumige Wirtschaftsgebäude erhalten und einen großen Hof von 50X50 im Umfang aufführen lassen. Die roten Dächer der Gebäude sind weithin zu sehen und beleben die bisher vollständig gebäudelose Landschaft. Die Lage der Farm auf einem Hügel am Tiberiass.ee ist eine der schönsten in Palästina. Etwa 20 Arbeiter, ausschließlich Juden, sind jetzt in Kinereth beschäftigt. Ernteergebnisse in Maskereth Bathia (Ekron) und Qederah (Katra) Nachfolgende Mitteilungen beruhen auf detaillierten Angaben, die uns die Herren Kolonisten David Neiman in Ekron und Leibovic in Katra zu machen die Liebenswürdigkeit hatten. Sie haben ein besonderes Interesse deshalb, weil neben Kastinie und Artuf nur noch Ekron unter den judäischen Kolonien eine fast ausschließlich Ackerbau betreibende Kolonie ist und Katra wiederum eine gemischte Wirtschaft (d. h. neben Pflanzungsbau Ackerbau in großem Umfange) hat. 1. Die von Baron Edmund Rothschild begründete und bis vor kurzem unterhaltene Kolonie Ekron (nach der Mutter des Barons Makereth Bathia genannt) gehört der Steuerverwaltung nach drei Distrikten an, und zwar den Dörfern Ekron, Mansurah und Naanieh, d. h. die jüdischen Kolonisten von Maskereth-Bathia zahlen ihre Steuern zusammen mit den Fellachen dieser drei Dörfer. Im Jahre 5668 (jüdische Zeitrechnung) betrug (in abgerundeten Zahlen) der Bruttoertrag der Winterernte auf dem Boden von Ekron Frcs. 10200.— „ „ „ „ Mansurah „ 67 800.— 78 000.-- Sommerernte,, „ „ „ Ekron „ 18 200.— „ „ „ „ Mansurah „ 12200.— „ „ „ „ Naanieh „ 5 700.— 36100. Das gesamte Ernteergebnis im Jahre 5668 Frcs. 114 100.—

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