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Die Welt · 1909-01-22 · 4 (22.1.1909) · page 3

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
4 (22.1.1909)
Date
1909-01-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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No. 4 DIE^aEELT 77 an mancherlei und auch schwere Arbeiten gewöhnen; unmöglich ist es ihm aber, seine von Kindheit an eingeprägte Geistesart zu ändern. Unmöglich kann er unter die Herrschaft einer besondern Welt treten, die nach besondern Gesetzen regiert wird, und eine solche Welt ist die der Agrikultur. ' Der Landwirt muß mit dieser Welt und mit allem, was in ihr lebt und webt, innerlich verknüpft sein, und nicht nur aus Disziplin oder Parteipflicht. Was für den Landwirt oft das Wichtigste ist, wie z. B. Geflügelzucht, Milchwirtschaft, Gemüsebau usw., sind für den aus der Stadt kommenden Kolonisten oft nur kleinliche Dinge, zu denen er sich nicht hingezogen fühlt. Daraus ergibt sich oft eine einseitige oder nur in „hohen Regionen" schwebende Wirtschaft, die, den Eigenbedarf und den Lokalmarkt außerachtlassend, nach dem Weltmarkte tendiert. Für unser Ziel aber brauchen wir vor allem solche Bauern, liehe Erfahrungen besitzen, sollen besondere Kurse, theoretischer und praktischer Natur, errichtet werden. Nach den Angaben bedeutendster Autoritäten auf dem Gebiete der Landwirtschaft, wie von der Goltz, Büchenberger u. a., haben sich derartig eingerichtete Schulen auf das beste bewährt, besonders in solchen Gegenden, wo die Landwirtschaft an technischen Gebrechen und sonstigen Betriebsfehlern leidet. Solche Schulen dürfen nicht als eine Art Treibhäuser zur Züchtung künstlicher Bauern angesehen werden. Die Kinder werden hier nicht durch Dressur erzogen, sondern nur wie die Pflanzen, welche bis jetzt an luft- und lichtlosen Orten wuchsen, in eine Umgebung gebracht, wo die Natur ihre ganze Fülle spendet. Hier können sie ihre eignen Fähigkeiten und Kräfte frei entwickeln. Eine solche Schule soll ein großes Bauernhaus sein mit allen seinen Licht-, ohne seine §'.,.. 'K: >- »>"■£ v-;V. /-vjA* *j&fjj$^f&&^> _ ^t t^ t '»^f^f&^K . ^is^ß;***' *^i-r * ^m^^^^: KIRIATH SEFER BEI DER FELDARBEIT welche von Kindheit auf den Duft der Felder kennen. Und solches Menschenmaterial müssen wir mit all unsern Kräften heranzuziehen und zu festigen trachten. Dazu brauchen wir vor allem Ackerbauschulen in Judäa und Galiläa! Solche Schulen müssen zugleich Erziehungs- und Unterrichtsinstitute sein. Städtische Kinder sollen schon in früherer Kindheit, zu acht bis neun Jahren, eintreten, Kolonistenkinder in einem Alter, wo sie eines gründlichen landwirtschaftlichen Unterrichts bedürfen. Die Kleinen sind nur bei leichtern Arbeiten beschäftigt. Jeder von ihnen bekommt einen gewissen Anteil im Garten, den er zu pflegen hat; außerdem werden sie zu Arbeiten im Geflügelhof, in der Milchwirtschaft usw. herangezogen. Die Größern vollführen die schwierigen Arbeiten des Betriebes, z. B. Pflügen, Säen, Dreschen, Stallarbeit. Der Unterrichtskursus umfaßt bis zum 14. Lebensjahre Elementarfächer, wie in allen Volksschulen. Hierauf folgt ein landwirtschaftlicher Kursus, der dem Programme deutscher Ackerbauschulen entspricht. Für Erwachsene, welche schon gewisse landwirtschaft- Schattenseiten. Hier herrscht auch nur eine Sprache wie ein Geist. Auch die nationale Tendenz in der Erziehung ist hier eine natürliche. Der nationale Geist dringt von selbst in die Seele des Zöglings. Und Kinder, die in einer Umgebung erzogen werden, wo alles hebräisch ist, die Umgangssprache, der Unterricht, die Arbeit und das Spiel, wie sollten sie nicht die Güter des Volkes hochhalten, wie sollten sie nicht Pioniere liefern können, welche für die Schaffung neuer Güter den Boden vorbereiten werden. Diese zwiefache Verknüpfung an den heimatlichen Boden, durch die ständige Berührung mit der Natur, durch das Band der harten Arbeit und eine tüchtige nationale Erziehung, wie sollte sie nicht zu fest sein, um je gelöst werden zu können. Wenn andere jüdische Ackerbauschulen mißglückt sind, so liegt dies an ihrer mangelnden nationalen Betonung. In allen derartigen Schulen anderer Völker wird ein Hauptgewicht gelegt auf die Stärkung des nationalen Selbstbewußtseins, auf die Hochschätzung der nationalen Güter. Und in unsern Schulen wird dieses Prinzip vollständig [geringgeschätzt, indem man den Kindern gegen deren 2

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