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Die Welt · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · page 17

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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iNo. 3 DIE^ELT 65 Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums Berlin: Unter zahlreicher Beteiligung einheimischer und auswärtiger Mitglieder sowie hervorragender Vertreter der wissenschaftlichen Welt hielt die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums in der Aula der Knabenschule der jüdischen Gemeinde ihre Generalversammlung ab. An der Hand des gedruckt vorliegenden Jahresberichts wies der Vorsitzende, Professor M. Philippson, auf das Emporblühen der Gesellschaft hin, wie es sich in dem Anwachsen der Mitgliederzahl und in der Herausgabe verschiedener Werke — die zu Tausenden kostenlos an die Mitglieder verteilt wurden — kundgibt; wir nennen von diesen Werken an dieser Stelle nur den ersten Band des Maimonidesgedenkwerkes, das Beiträge aus der Feder der bedeutendsten jüdischen Gelehrten der Jetztzeit enthält, den ersten Band der Wirtschaftsgeschichte der Juden im. Mittelalter von dem Züricher Privatdozenten Georg Caro sowie den' ersten Band der gesammelten Schriften des verewigten David Kaufmann. — Nach Erteilung der Decharge und der durch Zuruf erfolgten Wiederwahl des Ausschusses und der Revisoren nahm der Professor an der Universität Berlin, Herr Dr. Nicolaus Müller, das Wort zu einem fesselnden, durch einen Situationsplan und eine Reihe von Lichtbildern trefflich illustrierten, von der Versammlung mit vielem Interesse und lautem ßeifali aufgenommenen Vortrage über die von ihm in langjähriger Arbeit erforschte jüdische Katakombe vor der Porta Portese in Rom, dem ältesten jüdischen Friedhof im Abendland. Diese Anlage steht mit ihrem architektonischen Reichtum unter allen Katakomben Roms, auch den christlichen, einzig da. Besitzt sie doch vier verschiedene Arten von Grabräumen und acht verschiedene Grabformen! Besonders wichtig sind die höhlenartigen Grabgemächer und die aufgemauerten Särge, weil sie in keiner andern römischen Katakombe angetroffen werden, sowie die sogenannten Formae und die Särge aus gebranntem Ton, die man in keiner gleichzeitigen römischen Katakombe findet. Im ersten bis vierten Jahrhundert n. Chr. benutzt, somit alle bisher im Abendland bekannt gewordenen israelitischen Friedhöfe an Alter übertreffend, diente die Nekropole Angehörigen der römischen Synagogengemeinden der Augustesier, Agrippesier, Bolumnesier, Kalkaresier, Hebräer und Vernaklesier als Begräbnisstätte. Nach der Architektur behandelte der Vortragende die von ihm zutage geförderten Fundgegenstände und unter ihnen besonders ausführlich die Epitaphien, von denen er rund 200 entdeckte. Er besprach ihre technische Herstellung und die auf ihnen eingemeißelten, aufgemalten und eingeritzten Gegenstände und Texte. Als bildliche Darstellungen erwähnte er den siebenarmigen Leuchter in den verscl iedensten Formen, Lulab, Etrog, Gefäße, Hörner, Vögel, Thoraschrein, Schriftrolle usw. Die Inschriften sind in griechischer, lateinischer und hebräischer Sprache abgefaßt, am zahlreichsten sind die griechischen, am seltensten die hebräischen. Unter den Eigennamen überwiegen die griechischen und lateinischen die aus dem alten Testament bekannten hebräischen und aramäischen. Wie die ausgegrabenen Epitaphien viele neue jüdische Eigennamen kennen lehren, so bereichern sie auch in erheblicher Weise unsere Kenntnis von den römischen Synagogengemeinden und ihren Beamten. Der Generalversammlung war am Vormittag eine Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft vorangegangen, die sich hauptsächlich mit den wissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschaft befaßte. Der Ausschuß beschloß, das Fragment der Sifraausgabe des verstorbenen Lektors Friedmann-Wien mit einer kurzen Biographie des verdienstvollen Gelehrten zu veröffentlichen, und genehmigte den endgültigen Plan für die Herausgabe der GermaniaJudaica, den die betreffende Kommission auf Grund ihrer letzten Beratungen vorlegte. — Wir bemerken noch, daß der Jahresbericht und die Satzungen sowie auch Prospekte über die von der Gesellschaft herausgegebenen Schriften kostenlos von ihrem stellvertretenden Schriftführer, Herrn Dr. N. M. Nathan, Berlin N. 24, Artilleriestraße 35 A zu beziehen sind. Dr. J. Frenkiel Dr. J. Frenkiel, praktischer Arzt, in weiten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Warschaus bekannt, ist im besten Alter, in seinem 48. Lebensjahre, gestorben. Der Hingeschiedene war ein langjähriger medizinischer Mitarbeiter der. „Hazephira". Tiefe Reminiszenzen aus seinen Kinderjahren, die er in der Atmosphäre altjüdischen Lebens, wie auch seines Jünglingsalters, auf welches Strahlen hebräischer Bildung aus der Haskalahzeit fielen, knüpften ihn innerlich an den hebraistischen Ideenkreis. Er absolvierte das Gymnasium in Plozk, wo er in einem intimen Verkehr mit der damaligen strebenden jüdischen Jugend stand und setzte diesen Verkehr auch während seiner Universitätsstudien in Warschau fort; Eine zähe, kämpfende Natur, der Typus eines „Self-made-man", mehr auf das Praktische als auf das Ideelle angelegt, hielt er trotzdem seinen seelischen Zusammenhang mit den ihm nahestehenden literarisch-jüdischen Kreisen aufrecht. Er errang sich eine große Praxis, zu der auch die Popularität seiner beständigen Beiträge hygienischen und medizinischen Inhalts in dem vielgelesenen hebräischen Blatte nicht wenig beigetragen habt. In den letzten Jahren widmete er sich auch manchen Arbeiten auf sozialem und philanthropischem Gebiet. Sein letztes Unternehmen, ein Sanatorium für kranke Kinder, hatte zwar einen privaten Charakter, nichtsdestoweniger verdent es als ein nützliches Werk hervorgehoben zu werden. Er erlag in Meran, wo er Heilung suchte, einem schweren Herzleiden. Ehre seinem Andenken! Ein interessanter Brief Gelegentlich der Gründung der P. L. D. C. zeichnete ein Herr in Sachsen 5 £ für diese Gesellschaft. Nach einigen Monaten sandte der Betreffende aus eignem Anlasse weitere 10 £ für denselben Zweck. Ohne zu ahnen, daß dieser Herrr ein Christ ist, wandte sich vor einigen Wochen das Palästinaressort an ihn mit der Anfrage, ob er sich vielleicht an der in Gründung begriffenen und überaus chancenreichen Terraingesellschaft „Haifa" m. b. H. beteiligen würde. Hierauf erhielt das Palästinaressort vom Adressaten folgende höchst bemerkenswerte Antwort: „Obgleich ich nur über wenige tausend Mark Besitztum zu verfügen habe, auch leider nicht den Vorzug genieße, der jüdischen Nation anzugehören, so würde ich doch meine Mittel gern nach Möglichkeit in einer Weise anlegen, bei welcher sie dem großen Ziele Ihres Volkes dienen, d. h. mitwirken — wenn auch nur in höchst geringer Weise — an der Beschleunigung der Rückkehr Israels in das Land seiner Väter und zeichne auf beiliegendem Schein auf einen Anteil ä JC 500.— der in Gründung begriffenen Terraingesellschaft ,Haifa' m. b. H." Bei dieser Gelegenheit sei darauf hingewiesen, daß die P. L. D. C. auch in Hamburg und Nürnberg christliche Aktionäre mit recht großen Anteilen besitzt; auch sind dem Ressort von Christen anderer Länder bereits wiederholt größere Beiträge für das palästinensische Kolonisationswerk zugegangen. Hoffentlich werden dem Beispiel der christlichen Zionsfreunde unsere wohlhabenden Glaubens-, Stammes- und Gesinnungsgenossen recht bald Folge leisten. Briefkasten Jahresversammlung des zionistischen Turnverbandes „Makbi". Besten Dank. Zionsgruß D. W. Posener Zionisten: Besten Dank. Zionsgruß D. W. Bei der Administration der „Welt" irc Köln sind eingegangen: Für die Misrachi-Schule in Palästina: M. S. Chanukaspiel.................ff 21. Für den Palästinakulturfonds II: Zionistische Ortsgruppe Breslau: Rest des Überschusses vom Chanukafeste...............<-il 35.— Bei der Jüdischen Kolonialbank in London sind eingegangen: Für den Bezalel: Per Federation of Zionist Societies of Canada from the Port Arthur and Port Wiliiam Zionist Society .... $ 4. Per J. Cohen, Sunderland: Ute Schles £ 0.2.0, Dora Cohen 0.1.0, Isaac Cohen £'0.1.0......... £ 0.4.0 Per B. Herrmann von Miss A. Schönfeld, St. Pölten . . „0.2.10 Einem Aufruf der Lese- und Redehalle jüdischer Studenten in Wien entnehmen wir folgende Stellen: Juden! Es soll eine Enzyklopädie des jüdischen Geistes geschaffen werden. In einer Sammlung von großen Monographien soll gezeigt werden, daß die Juden eine geistige Elite bilden; es soll zum erstenmal umfassend bewiesen werden, daß wir die Gastfreundschaft, deren zweifelhaften Genuß man uns fortwährend vorwirft, mit tausendfachen Zinsen bezahlt haben. Daß das Judentum als ein Ferment der menschlichen Kultur der Welt nicht nur einen Gott und eine Moral geschenkt hat, sondern daß die Juden auf allen Feldern des Gedankens gekämpft und geduldet haben; daß jeder einzelne dieser Ritter vom heiligen Geiste zugleich ein Märtyrer war, der mit offenem oder geschlossenem Visier gelitten hat wie ein Hund,

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