Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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wieviel kleiner und manchem, der davon nichts versteht, sehr kleinlich erscheinender Einzelunternehmungen, Experimente, Versuche es bedarf, um zu einem großen Resultate zu kommen. Das Große, will man es in die Praxis umsetzen, muß man in tausende von kleinen Kleinigkeiten zerteilen. Es geht nun einmal nicht anders, im wissenschaftlichen Leben und im wirtschaftlichen.....Es ist mir unverständlich, —. und nicht nur mir —, daß unser verehrter Herr Dr. Marmorek auch jetzt im Zeichen des türkischen Parlaments noch immer gegen „Einzelunternehmungen" des Zionismus zu Felde zieht. Andere, die vor der türkischen Verfassung^ seine Auffassung teilten, Leute, die auch Verantwortungsgefühl, Überlegung, Sachkenntnis besitzen, sind jetzt anderer Anschauung geworden. Und Herr Dr. Marmorek läßt uns leider auch darüber im Unklaren, gegen welche speziellen zionistischen Unternehmungen sein Groll sich richtet. Ist es der Bezalel? oder die PLDC? oder das Industriesyndikat? oder die Konstantinopeler Bank? oder die Achuzath- Bajith? Wir wissen nicht, was speziell ihm so falsch und verfehlt und gegen den „politischen Zionismus" gesündigt erscheint, daß er die Allgemeinheit der Betätigungen in Palästina" so bekämpft. Und es geschieht in einer so bespöttelnden Herabsetzung der der seinen entgegengesetzten Auffassung, daß man die Art wirklich nur mit „Unduldsamkeit" charakterisieren kann. Jeder versucht seiner Auffassung zum Siege zu verhelfen, das ist nur menschlich. Aber in dem „Wie" zeigt sich eben die Toleranz des einen und die Intoleranz des andern. Aus den von der „Welt" uns mitgeteilten Worten spricht aber eine Unduldsamkeit, die so verletzend wirkt, daß, wüßte man nicht, der Sprecher steht mit seiner Auffassung vereinzelt, sie geeignet wäre, alle anders Denkenden auf und davon zu jagen oder resignieren zu lassen. Zugleich aber — als wäre seit dem achten Kongreß nichts unter der Sonne Neues geschehen, als hätte sich nichts geändert, und hätte man inzwischen nichts hinzugelernt sondern stände alle Entwicklung still, — wird jetzt wieder gegen „die Zionisten" der Vorwurf der Intoleranz und Unduldsamkeit wiederholt, in einem Moment, da wirklich auf allen Seiten Frieden einzukehren scheint, zu einer Zeit, wo fast alle, die angeblich „aus unsern Reihen gestoßen" wurden (in Wirklichkeit: aus eigenem Antrieb von uns gingen, weil ihnen die Richtung nicht paßte), wo fast alle diese sage ich, wieder zu uns zurückkommen. Bis auf einen vielleicht, der sich zu sehr inzwischen mit Luden Wolf angefreundet hat, und dessen „Schmelztiegel" zeigt, daß er eigentlich nie zu uns gehörte. Muß da grade in diesem Moment diese „olle Kamelle" wieder aufgetischt werden? Und mußte das grade in einer öffentlichen Propaganda- Versammlung gesagt werden? Sollen die Leute dadurch zum Zionismus gebracht werden, daß ihnen in einem Augenblick, da fast alles, was national-jüdisch noch fühlt, an einem Strange zieht, gesagt wird: Die Zionisten sind über ihre Methoden uneinig, die herrschende Richtung ist „intolerant?" Mußte das sein? War das der Platz für diese Kritik? Dann ist es kein Wunder, wenn Frankreich, das so viel Juden hat, die die Golusnot am eigenen Leibe gespürt haben, in den Ausweisen des Schekels, des Parteifonds, des Nationalfonds so wenig glänzend abschneidet, — dann ist es auch kein Wunder, daß die wenigen eingeborenen Juden Frankreichs so die „Alliance" und die „Jka" leiten . . . Wir dagegen, die wir ein wenig mehr im jüdischen Leben stehen, wenn auch nicht grade inmitten ehemaliger Emigranten, sehen, wie grade jetzt der Zionismus, und wenn nicht er selbst, so Geist von seinem Geiste sich in nie gehoffter Blüte zu entfalten beginnt, grade jetzt, weil jetzt die Mögl chkeiten praktischer Arbeit in Palästina gegeben sind, die Möglichkeit für tausende und abertausende kleiner Unternehmungen, die zusammen ein großes Ganzes ergeben werden: das was Herzl erstrebt hat, das was wir alle in seinem Sinne erstreben. Wenn wir aber früher an dieselben Leute, die heute mit uns arbeiten, herantraten, sie für unsere finanziellen Institute interessieren wollten, da wiesen sie uns kalt lächelnd ab, weil wir das Geld aufspeichern wollten und mußten, da wir ja nicht arbeiten konnten. Herr Dr. Marmorek verzeihe mir die Kritik seiner Worte. Sie wird hoffentlich nicht als unduldsam aufgefaßt werden. Sie sind nur eingegeben von dem Wunsche, auch ihn wieder im Zionismus mitarbeiten zu sehen . . . als eins <3er „richtigen Elemente, die kulturfördernd wirken," hoffentlich bald dort, wo es solcher so sehr bedarf, im jüdischen Lande. Hugo Schachtel Mit dem lebhaftesten Bedauern müssen wir aus den letzten Schekelausweisen entnehmen, daß die Zahl der Schekelzahler von Jahr zu Jahr zurückgeht. Wenn wir auch den im heurigen Jahre ausnahmsweise eingehobenen Parteifonds in Betracht ziehen, welcher immerhin an dem mangelhaften Resultat zum Teil schuldtragend ist, müssen wir zu dem Schlüsse gelangen, daß die eingegangenen Schekelgelder in keinem Verhältnisse stehen,, zu der. Zahl der wirklichen Zionisten. Dieser Umstand hat wohl darin seine Ursache, daß wir auf die Eintreibung der Schekelgelder keinen so großen Wert legen, wie sie es verdienen würde, wir laden dadurch eine große Verantwortung auf uns, indem wir das A. C. zur Untätigkeit verurteilen. Es fehlt wohl keineswegs an zionistischen Vereinen, doch diese sind oft nicht imstande, alle bewußten Zionisten zur Mitarbeit heranzuziehen. Oft bietet sich wiederum dem Einzelnen keine Gelegenheit, sich einem zionistischen Vereine anzuschließen. Meine Anregung geht nun dahin, große Schekelsammelverbände zu gründen. Die Aufgabe dieser Verbände würde darin bestehen, alle Gg., welche sich aus irgendeinem Grunde nicht organisieren wollen oder organisieren können, wenigstens zur Schekelzahlung heranzuziehen. Insbesondere auf dem flachen Lande müßten sich solche Verbände gut entwickeln, weil oft in Ortschaften nur einige Juden leben und die zionistisch gesinnten für unsere Organisation gewöhnlich verloren gehen. Jedoch ebenso gut müßten solche Verbände in Großstädten prosperieren. Wenn man z. B. bedenkt, daß in Wien nur 500 Schekel gesammelt wurden, müssen wir uns fragen, worauf es zurückzuführen ist, daß in InnerÖsterreich nur ca. 10° o aller Zionisten ihren Schekel bezahlt haben. Bei dieser Gelegenheit würde ich Jugendvereinen und Arbeiferverbänden empfehlen, ihren Mitgliedern die Zahlung des Schekels in Ratenzahlung zu ermöglichen. Ich bin überzeugt, daß wir im nächsten Jahre entsprechend mehr Schekel absetzen werden, wenn meine Anregung auf fruchtbaren Boden fällt. W. L. Am 10. März 1899 ist die Jüdische Kolonialbank eröffnet worden. Im März d. J. feiern wir also das 10jährige Jubiläum unserer Bank, und da möchte ich anläßlich dieses Jubiläums eine Anregung, welche — im Falle wenn sie von der ganzen zionistischen Welt befolgt würde, — unserer Bank ein ziemlich großes Kapital zuführen könnte. Am 10. März soll jeder zionistische Verein, jede Ortsgruppe und sogar jeder bemittelte Zionist wenigstens eine Aktie der Kolouialbank kaufen. Ich bin der Ansicht, daß sogar die kleinsten Ortsgruppen den Betrag von 25. Kr. aufbringen werden, urn eine Aktie auf den Namen der Gruppe bzw. des Vereins oder auch einzelner verdienstvoller Männer erwerben zu können. Mit Zionsgruß Leon Baum Sehr geehrte Redaktion! Das vortreffliche Flugblatt der Kommission zur Erforschung Palästinas in Nr. 47 der „Welt", welches mit der größten Klarheit den kürzesten Weg zeigt, auf welchem die Befreiung unseres unglücklichen Volkes aus . unwürdiger Sklaverei und unsäglichem Elend erreicht werden kann, muß auch den härtesten Assimilanten und den vornehmsten Antizionisten belehren, wie leicht dasgigantische Ziel erreicht werden könnte, wenn jeder Jude seine Pflicht täte. Gestatten Sie, daß ich meinen Vorschlag mache, der vielleicht der Erwägung wert ist und, wenn er mit Liebe und Geschick durchgeführt wird, überraschend große Mittel einbringen könnte: Es sollten sich eigne Komitees zu dem Zwecke bilden, um das Flugblatt unter Christen zu verbreiten. — Ich bin nämlich durchdrungen von der Idee," da(3 es Hunderttausende von humanen, hochherzigen Christen gibt, denen es eine Genugtuung wäre, an der Befreiung dieses gemarterten Volkes, welchem die Menschheit viel zu verdanken hat, mitzuhelfen. Wissen sie ja doch auch, daß die Juden niemals ihre Hilfe versagen, wo es sich um Linderung des Elends ihrer christlichen Mitbürger handelt. Außerdem wäre die Beteiligung unserer christlichen Mitbürger ein Ansporn für die Gleichgültigen unseres Volkes. Florenz. Bertha Markus ^===^7T~ TV^*^ °o° NACHRICHTEN X\ *S vs--^U------- J/^^_^ Österreich (Von unserm Berichterstatter) Wiener Toynbee-Halle Die von den Wiener Zionisten begründete Toynbee-Halle ist in den nördlichen Bezirken Wiens zu einer ständige^, beliebten und segensreichen Institution geworden. Hunderte von Juden in der Brigittenau und der angrenzenden Leopoldstadt werden dort jeden Abend belehrende und pppuläre Vorträge geboten. Auch für Kunst und Literatur wird gesorgt. Während der Pause wird den Besuchern ein Tee serviert. Es soll Leute geben, die nur deswegen