Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Dr. Jerusalem schlägt im Namen des Dreier-Komitees folgende Herren zur Wahl ins D.-K. vor: Zum Obmann Herrn Dr. Karl Pollak, ferner die Herren Dr. Leopold Meisel, Artur Neumann, Siegfried Beer, Abg. Adolf Stand, Sternlicht, Dr. Ehrlich, Arnold Reich, Dr. Berkowicz, Dr. David Rothblum. (Lebhafter Beifall.) Sämtliche Herren wurden gewählt. Herr Ad. Brecher dankt im Namen des provisorischen Komitees für das erwiesene Vertrauen und bittet Herrn Pollack den Vorsitz zu übernehmen. Dr. Pollack dankt für die Wahl. Das K.-D. gehe mit viel gutem Willen und wenig Zeitaufwand an die Arbeit. Es soll wenig geredet und viel gearbeitet werden, und zwar im Depeschenstil. Bei der Kritik des neuen Distriktskomitees möge man stets berücksichtigen, daß es viel Schutt wegzuräumen haben wird. Wir werden uns bemühen, den alten Zionisten den Weg zur Rückkehr zu ebnen. Wer nicht mittut, hat kein Recht, Kritik zu üben. Wir werden keine Ketzerriecherei treiben, über niemanden einen Bann verhängen. Niemand soll gelästert werden, wenn der nicht dieselbe Meinung hat wie das „hohe Distriktskomitee". Wir werden nie für Aktionen sein, die nicht fundiert sind (Beifall). Mittel muß man haben, um Erfolge zu erringen. Nicht groß hinauswollen wir — und klein zurück! In Erwartung gedeihlicher Arbeit erklärt Redner den Distriktstag für geschlossen. (Lebhafter Beifalls Makkabäerfeier in Wien Sonntag den 10. d.M. veranstaltete der Jüdische Bürgerverein für die westlichen Bezirke im Hotel Savoy eine Makkabäerfeier. Herr Dr. Bernhardt forderte zum Eintritt in den „Jüdischen Bürgerverein" auf, der es sich zum Zweck setze, alle selbstbewußten Juden West-Wiens zur organischen Arbeit zu sammeln. Die Festrede hielt mit gewohntem Erfolg Herr Abg. Dr. Mahl er. Herr Dr. Löhn er (Beda) rezitierte einige Satiren aus seinem Werklein „Getaufte und Baldgetaufte". Frl. Oesterreicher sang einige hübsche Lieder. Das Fest war sehr gut besucht. Schekelreformen Die Schekeleingänge in Österreich weisen in diesem Jahre einen bedeutenden Rückgai.g auf. Die Gründe sind nicht ohne weiteres klar. Vor allem fällt es auf, daß man heuer erst recht spät mit der Leistung des Schekelbeitrages begonnen hat. Daher die großen, nie dagewesenen Schwierigkeiten bei der Verrechnung. Das unerwartete Resultat bewog so ziemlich alle der Kongreßorganisation angehörenden Zentralkomitees, Maßnahmen zu ergreifen, um den Stagnationserscheinungen vorzubeugen. Aus dem Berichte über den Innerösterreichischen Distriktstag ist zu ersehen, daß man iri Wien daran geht, den Schekel in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen. Er soll von der Landesparteisteuer getrennt einkassiert werden. Die Exekutive der Partei Poale Zion hat zum entgegengesetzten Mittel gegriffen. Der Schekel wurde mit der poale-zionistischen Parteisteuer und der Maisteuer (Beitrag für den Jüd.-soz. Weltverband Poale-Zion) vereinigt. Der derart vereinheitlichte Jahresbeitrag wird in monatlichen Beiträgen eingehoben. Sie werden mit besondern Monatsmarken quittiert, die in die Parteimitgliedskarte eingeklebt werden. Wie wir erfahren, plant auch das galizische zionistische Zentralkomitee eine ähnliche finanz-technische Reform der Beitragsleistung. Es wird sich zeigen, ob das unerfreuliche Ergebnis des letzten Schekeljahres diese organisatorischen Neuerungen rechtfertigt. Kundmachung des Mähr.«Schles. Distriktskomitees Die Verhandlungen des Mähr.-Schles. Distriktstages finden am 17. Januar in Olmütz, Klubzimmer der Pilsner Bierhalle, Böhmengasse 3, präzise 3 1I2 Uhr statt. Kotzman: Sonntag den 27. Dezember 1908 veranstaltete der jüdisch-nationale Verein „Dorschej Zion" in Kotzman eine Makkabäerfeier, die durch ihr reichhaltiges Programm und durch den massenhaften Besuch zu den glänzendsten und gelungensten Veranstaltungen, die in Kotzman je gegeben wurden, gehört. — Nach der kurzen Begrüßung des Vereinsobmannes hielt Herr Dr. Nathan Birnbaum die Festrede. Mit einem gemütlichen, durch Gesang und Wort gewürzten Kommers schloß die Feier. Radautz. Bei der am 13. Dezember a. c. abgehaltenen Generalversammlung des Vereins „Dorsche Zion" in Radautz erstattete der Vereinsobmann Herr Dr. Josef Bierer einen überaus ausführlichen Rechenschaftsbericht, dem unter anderm zu entnehmen war, daß der Verein im abgelaufenen Semester eine ziemlich eifrige Tätigkeit entwickelt hat und daß in dieser Zeit vom Vereine 120 Schekel, 240 K. dem Nationalfonds zur Eintragung der Herren Professoren Engel und Lieben ins Goldene Buch und 7 Ölbaumspenden abgeführt wurden. Nach einer ziemlich bewegten Debatte über den Rechenschaftsbericht wurde derselbe mit dem Ausdruck dankender Anerkennung zur Kenntnis genommen und dem abgetretenen Ausschusse das Absolutorium erteilt, worauf die Versammlung wegen vorgerückter Nachtstunde vertagt wurde. Bei der am 20. Dezember a. c. stattgehabten Fortsetzung der Generalversammlung behufs Vornahme von Neuwahlen wurden gewählt Herr Dr. Josef Bierer zum Vereinsobmann, Herr Dr. Leo Luttinger zum Obmannstellvertreter, Herr Gerson Tauber zum 1. und Herr Moses Kasswau zum 2. Schriftführer, Herr Lehrer Berl zum Kassierer, Herr Samuel Harth sen. zum Bibliothekar und Herr Fabian Schapira zum Hausverweser. Ferner zu Ausschußmännern ohne Funktion die Herren Israel Menschel, Stadtbaumeister Karl Rudnik, Abraham Pressner, Nathan Schächter und Mendel Herer. Zu Ersatzmännern wurden gewählt die Herren Wolf Kranzdorf, Sam. Harth jun., Isak Klein, Isak Weinstein und Motel Laufer. Radautz. Dienstag, den 22. v. M. veranstaltete die jüdischakademische Ferialvereinigung „Chermonia" eine Makkabäerfeier, die einen überaus glänzenden Verlauf nahm. Nach der Begrüßungsansprache durch den Vizepräses cand. jur. Lastojowker und nach Vornahme des zermoniellen Lichteranjünders betrat Reichstags- Abgeordneter Dr. A. Mahl er, von brausendem Beifall umrauscht, die Rednerbühne. Mit voller Begeisterung nahm die freudig erregte Menge die fein durchdachte, markige Rede des Abgeordneten auf. Es trugen sodann die Herrn Dr. Rosenfeld und Prof. de Emery einige Konzertstücke mit wahrhaft künstlerischer Vollendung vor. Als zweiter Redner sprach Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher), dessen treffliche Rede mit stümischem Applaus aufgenommen wurde. Belgien Antwerpen: Am 19. und 26. November sprach Herr Ludwig Merlaender über „Das Jüdische in der Kunst". Am 3. Dezember sprach Herr M. D. Horowitz über das Thema: „Zur Lage des Zionismus". In seiner klaren, präzisen Art besprach Herr Horowitz die jetzige Lage des Zionismus, die für manchen Zionisten ziemlich unklar ist, stellte alte Irrtümer richtig und zeigte, ohne sich in das Gebiet der höhern Diplomatie zu verlieren,- woran wir gegenwärtig sind. Namentlich besprach er unser Verhältnis zur Türkei. Lebhafte Ovationen wurden Herrn Horowitz für seine schönen, interessanten Ausführungen zuteil. Am 10. Dezember sprach Herr Vanderhorst über Spinoza. Redner bemerkte gleich eingangs, daß er mit seinen Ausführungen sich wahrscheinlich in Gegensatz zu seinen Parteigenossen, den Misrachisten, stellen werde, daher er nicht im Namen des Misrachivereins auftrete, sondern des Agudath Zion. Er möchte für seine Äußerungen ganz allein die Verantwortung übernehmen. Es zeigte sich bald, daß Herrn Vanderhorsts Vorsicht am Platze war, denn, wir sagen es offen, Äußerungen dieser Art aus dem Munde eines Misrachi mußten sowohl seine Parteigenossen als auch Außenstehende überraschen. Der Vortrag war eine Apologie für Spinoza und eine Anklage gegen die Orthodoxen, die es bewirkt haben, daß dieser eminente jüdische Geist ohne Einfluß auf das Judentum blieb, die seine Philosophie als antijüdisch verdammt haben, diejenige Philosophie, die gerade dre höchste und feinste Quintessenz des Judentums ist. In meisterlicher Weise gab Herr Vanderhorst das Lebensbild Spinozas und ein Kulturbild der damaligen Juden als Hintergrund, besprach sodann die Philosophie und Ethik Spinozas, um zum Schluß zwischen denselben und den ethischen und kosmischen Grundsätzen im Mosaismus Parallelen zu ziehen. Am 17. Dezember sprach Herr Heinrich Grünau-TGrünzweig über den Jargondichter Simon Frug. Anläßlich des Chanukahfestes veranstaltete der Verein Zeire- Zion am 22. Dezember im Roten Saale der Harmonie ein Konzert, das einen in jeder Hinsicht günstigen Verlauf nahm. Nach einer einleitenden Festrede des Herrn M. D. Horowitz nahm das Konzert seinen Anfang. An das Konzert schloß sich ein Tanzkränzchen an, das die Teilnehmer noch ein paar Stunden vergnügt zusammenhielt. Ungarn Die Bewegung entwickelt sich hierzulande in letzter Zeit sehr zufriedenstellend. Innerhalb der letzten drei Wochen fanden Versammlungen statt in Budapest, Preßburg, Kassa, Eperjes, Nagytapolscany, Miava, Marmarosziget, Liptoszentmiklos, Marosvasarhely. Demnächst findet eine große Agitationsversammlung in Szatniar und