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Die Welt · 1909-01-15 · 3 (15.1.1909) · page 11

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Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 3 DIEE^&ELT 59 Bruck vom hiesigen Stadttheater seine reife Künstlerschaft voll entfaltete. An die künstlerischen Darbietungen schloß sich eine Verlosung und ein Verkauf von jungjüdischen Büchern und Produkten der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem an. Das Büffet wurde von der national-jüdischen Frauenvereinigung, der auch für die Ausschmückung usw. besonderer Dank gebührt, gestiftet. Österreich (Von unserm Berichterstatter) Innerösterreichischer Distriktstag Sonntag den 10. d. M. nahm im ehemaligen Kongreßbureau der am 13. Dezember v. J. vertagte außerordentliche Distriktstag der Zionisten Innerösterreichs seinen Fortgang. Herr Brecher brachte folgendes Schreiben des Präsidenten Herrn David Wolffsohn zur Verlesung: Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Ich danke Ihnen bestens für die frdl. Mitteilung von der vorläufigen Neukonstituierung des Innerösterreichischen Distriktskomitees. Ich hoffe zuversichtlich, daß die Beschlüsse der Sitzung v. 10. er., in der die Wahl der definitiven Funktionäre vorgenommen wird, zur Stärkung Ihres D.-K. und zur Besserung der allgemeinen zionistischen Lage in Innerösterreich beitragen wird. Ich bin überzeugt, d;:ß gerade in Ihrem Distrikte für den Zionismus erheblich größere Erfolge als bisher erzielt werden können, wenn sich der bekannte rühmliche Eifer der dortigen Gesinnungsgenossen wiederum auf die eigentlichen zionistischen Arbeiten konzentriert Ich unterschätze durchaus nicht den Wert der Gegenwartsarbeit in der Diaspora, aber es ist selbstverständlich, daß sie nur neben der eigentlichen zionistischen Arbeit ausgeführt werden kann. Wir dürfen niemals vergessen, daß jene andern Arbeiten nur Mittel zum Zwecke sind und nur dazu dienen sollen, uns unsere eigentliche Arbeit zu erleichtern, die einzig und allein auf Palästina gerichtet ist. Sie muß immer das hauptsächliche Moment unserer .ganzen Tätigkeit bilden, und es darf nicht dahin kommen, daß die andern Arbeiten überwiegen und daß das Mittel zum Zweck wird. Gerade in Wien, das mit unserer Bewegung so eng verknüpft ist, müssen ganz andere Erfolge für den Zionismus zu erzielen sein, und werden auch viel bessere Erfolge erzielt werden, wenn nur unsere Arbeit sich konzentriert und nicht in Nebendingen zersplittert. Ich hoffe gerne, daß die Arbeit in Ihrem Distrikte in diesem Sinne geleitet werden wird, und bin überzeugt, daß ihr dann recht große Erfolge blühen werden. Ich werde mich freuen, Näheres über den Verlauf Ihres Distriktstages zu vernehmen und verbleibe mit besten Zionsgrüßen, hochachtungsvoll D. Wolffsohn Nach einer eingehenden Debatte wird der Antrag Stockei angenommen, über die eingelaufenen Anträge und Resolutionen der Vereine die Debatte zu eröffnen. Der Verein „Bar Kochba" beantragt die Trennung des Schekels von der Parteisteuer. Die Herren Stockei, Wechsler ui;d Waldmann unterstützen diesen Antrag. Man hat mit der Verquickung von Schekel und Parteisteuer schlechte Erfahrungen gemacht. Wien ist von 1500 auf 500 Schekel gekommen. Der Schekel verlor seinen ursprünglichen Charakter — eines Bekenntnisses zum Baseler Programm. Del. Schmitz verlangt die Erneuerung der Schekeltage und -Versammlungen, befürchtet, daß die Trennung von Schekel und Parteisteuer das Distriktskomitee aller Mittel berauben werde. Der Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso werden ohne Debatte zwei Resolutionen angenommen, die vom D.-K. die Gründung von Zweigvereinen in den einzelnen Bezirken Wiens und die Entfaltung einer regen Propaganda für die Palästinainstitutionen verlangen. Zur Verhandlung gelangt folgender Resolutionsantrag: „Der Distriktstag lehnt jedwedes Kompromiß mit den bisherigen Machthabern in der Kultusgemeinde ab." Del. Stockei betrachtet diese Resolution als den springenden Punkt des Distriktstages. Es müsse ausgesprochen werden, daß wir mit Feinden des zionistischen Gedankens, die derzeit den Kultusvorstand bilden, nicht paktieren können und wollen. Das Kompromisseln in der Gemeindepolitik soll nicht der Inhalt der neuen Richtung sein. Del. Reich erklärt, Kultuswahlen stehen nicht bevor, die Frage ist somit keineswegs1 aktuell. Die vorgeschlagene Resolution sei ein Schlag ins Wasser, eine leere Demonstration, die nur geeignet ist, den Distriktstag nach außen zu kompromittieren. Del. Baum wendet sich gleichfalls gegen den Antrag. Es geht nicht, sich in einer taktischen Frage von vornherein zu binden. Man muß auch Realpolitik treiben. Mit den sogenannten prinzipiellen Resolutionen kommt man nicht weit. Del. Wechsler: Wir stehen vor der Wahl eines neuen Distriktskomitees, dem wir eine Richtschnur mit auf den Weg geben müssen. Nur kein Versteckenspiel. Die Resolution ist eine Demonstration, aber eine inhaltschwere. Del. Dr. Löhn er wendet sich sehr energisch gegen die Resolution. Es ist eine Fortsetzung der alten Mefhode der Schaum - Schlägerei und des Humbugs der Prinzipienreiterei. Wir haben Besseres zu tun, als mit Fanfarenstößen und einer Bum-bum-Me'.hode den schlechten Eindruck der Wahlniederlage zu vergrößern. Del. Dr. Zuckermann: Die Resolution müßte, wenn nicht jetzt, so später auf die Tagesordnung kommen. Wir haben ein Recht, zu erfahren, wie sich die Kandidaten zur Kultusgemeinde in Zukunft verhalten wollen. Wir wollen kein neues System und keine neue Richtung. Die geschmähten Prinzipienreiter haben vor den Reichsratswahlen ein Kompromiß mit dem Polenklub, das dem Zionismus unwidereinbringlichen Schaden zugefügt hätte, verhindert. So soll es auch in der Zukunft bleiben. Wir brauchen keine gemäßigten Zionisten als Gegenstück zum „gemäßigten Israelit" "(Heiterkeit). Del. Dr. Pol lack: Unsere Reden haben wenig Wert. Auf die Tat kommt es an. Trotzdem würde Redner die Resolution zur Annahme empfehlen, wenn sie eine Rückschau bedeuten sollte. Für die Zukunft lassen wir uns von keiner Gruppe die Hände binden, nur von der Majorität des Distriktstages (Beifall). Del. Wald mann befaßt sich mit den Angriffen in der jüdischen Presse Wiens gegen die Wiener Zionisten. Man will die Welt glauben machen, es gebe einen andern Zionismus als denjenigen der offiziellen, gewählten Vertreter der Partei. Es gibt keine Usurpation im Wiener Zionismus. Redner empfiehlt daher die Resolution zur Annahme. Del. Schönhof verweist darauf, daß Zionisten, oder die es einmal waren, gegen die Organisation auftreten und in der gegnerischen Presse das Märchen von dem verratenen Zionismus erzählen. Diesem unerträglichen Zustand muß ein Ende bereitet werden. Redner beantragt folgende Resolution: „Der Distriktstag weist die Zurücksetzung der Herren Max Markus, Dr. Weisengrün und Dr. Zweig in der ßloch'schen Wochenschritt mit Entrüstung zurück und erklärt sich mit den Angegriffenen, die im Auftrage der Partei handelten, solidarisch." (Beifall). Del. Freundlich verlangt die Aufrechterhaltung des früheren Systems. Del. Diamant: Wir können nicht darauf verzichten, mit den Anhängern des Kultusvorstandes zusammenzugehen. Würden unsere Gegner für den „Bezalel" oder für die Kolonisation Palästinas arbeiten wollen, werden wir ihre Mitarbeiterschaft ablehnen? Nein! (Dr. Pollak: Gewiß nicht!) Das Grundübel der bisherigen Politik ist das radikale Genieindeprogramm. Man möge sich an Dr. Straucher ein Beispiel nehmen, der dieses Programm abgelehnt hat. Redner verlangt eine Revision des Programms mit Weglassung der Forderung des allgemeinen Wahlrechtes (Protestrufe). Del. Stockei meint, ein Zusammengehen mit der Kultusgemeinde ist wohl möglich, da kein Gegensatz zum Programm besteht. Werden sich die Verhältnisse ändern, dann wird auch eine andere Taktik am Platze sein. Der Antrag wird in namentlicher Abstimmung mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso eine Resolution, die im Falle der Ausschreibung von Kultuswahlen im Jahre 1909 die Einberufung eines außerordentlichen Distriktstages verlangt. Zur Verhandlung gelangt die Resolution Schön ho f. Del. Dr. Löhner: Es hat keinen Zweck, gegen die Blochsche Wochenschrift Verwahrung einzulegen. Redner nehme „Bloch" nicht ernst. Die Resolution ist eine altliberale Demonstration. Diese Proteste, Gerichtsverhandlungen usw. verhindern jede großzügige Arbeit. Wir wissen, was wir von Dr. Weisengrün, Markus und Zweig zu halten haben. Sie leisteten ihr Bestes im Auftrage der Partei. Den „Bloch" kann man ruhig ignorieren. Schaffen Sie etwas Positives, — eine jüdische Mensa, ein jüdisches Studentenheim, Bürgervereine. Das Protestieren ist jugendlich. Del. Dr. Zuckermann: Der politische Anstand erfordert die Annahme des Antrags Schönhof. Bloch ist nicht zu unterschätzen. Das Märchen muß zerstört werden, daß es im Zionismus Erbeingesessene und Eindringlinge gebe. Nachdem noch die. Herren Waldmann, Schönhof und Reich gesprochen, wurde die Resolution mit 17 gegen 3 Stimmen angenommen. ' ■ i '

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