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Die Welt · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 2 DIE^ELT 39 Izraelita Aus Warschau wird geschrieben: Die hier im 43. Jahrgang erscheinende jüdische Wochenschrift „Izraelita", das Organ der polnisch-jüdischen Assimilation, hat mit dem 1. Januar 1909 ihr Erscheinen eingestellt Das Blatt konnte in den letzten Jahren mit der modernen Zeit nicht mehr rech Schritt halten und erschöpfte sich in einem fruchtlosen Kampf gegen die neu erwachenden Strömungen im Judentum, die es früher immer totzuschweigen versucht hatte. Immerhin stand das Blatt jahrelang auf einer gewissen literarischen Höhe. \ Amerika (Von unserm Berichterstatter) Eine zionistische Theatervorstellung in der Harvard=Universität New Yor£, 21. Dezember: Eine bemerkenswerte Abendunterhaltung fand verflossenen Dienstag in der Harvard-Universität in Cambridge statt, wo vor einer Zuhörerschaft aus den ersten amerikanischen Kreisen ein Theaterstück aus der Feder eines jungen jüdischen Schriftstellers vorgeführt wurde. Veranstalter des Abends war der Harvard Dramatic Club, ein Verein, der aus Studenten der Universität besteht und ausschließlich solche neuen Stücke zur Aufführung bringt, die literarischen Wert besitzen und solche Schriftsteller zu Verfassern haben, die mit dieser vornehmsten aller amerikanischen Universitäten in irgendwelcher Beziehung stehen. An diesem Abend gelangte zur Aufführung das Schauspiel „Das gelobte Land". Verfasser ist Allen Davis, der seine Studien an der Harvard-Universität im Jahre 1907 beendet hat und jetzt Lehrer an der Universität seiner Heimatstadt Pittsburg ist. Er ist ein junger Zionist und als solcher in den zionistischen Kreisen von Pittsburg, Boston und New Vork sehr wohl bekannt. Schon früher hat man ihn einmal „als den Typus des neuen Juden, des jungen Mannes, der unter den Einflüssen moderner Erziehung aufgewachsen, den Ruf seines Volkes vernimmt und treu das Erbe bewahrt, das ihm übergeben wurde", bezeichnet. Seinerzeit war er Vorsitzender des Zionistischen Vereins und des Vereins Menorah an der Universität in Harvard. Die Handlung des Stückes, die viel von dem Sturm und Drang modernen jüdischen Lebens enthält, umschreibt in nicht mißzuverstehender Weise die Laufbahn eines großen zionistischen Führers. Raymond Hartwell, ein junger Diplomat, dessen Judentum der Außenwelt nicht bekannt ist, wird durch die antisemitische Strömung, die im Anschluß an den Dreyfußprozeß in Frankreich ausbricht, sowie durch die Massakrierung eines Teiles seiner Angehörigen in einem russischen Pogrom, veranlaßt, seine Abstammung bekanntzugeben. Er versucht, eine Lösung der Judenfrage zu finden und beschließt zu diesem Ende, sein Volk ins Heilige Land zurückzuführen. Dies allein, fühlt er, wird die ewige Judenfrage, dieses Gespenst der europäischen Politik, lösen, und dies allein wird den Judenschmerz heilen. Der Liebling der Wiener Salons tritt zur selben Zeit als ein jüdischer Führer auf, da Zolas „J'accuse" die Welt erschüttert. Auf allen Seiten findet er sich durch kleinlichen Zank gehindert. Die Armen und Verfolgten vergöttern ihn, aber können ihm nicht helfen; die Reichen und Mächtigen könnten ihm helfen, glauben ihm aber nicht. Da er zur Erkenntnis gelangt, daß Palästina nur sehr schwer zu erlangen ist, bietet er seinem Volke einen Landstrich in Ostafrika, genannt Ganuda, an, der ihm durch Freunde im englischen Ministerium zugesichert worden ist. Seine Freunde wenden sich gegen ihn und nennen ihn einen Verräter. Schließlich trennt er sich von seiner Geliebten, einer Christin, die zu heiraten ihm der ehrwürdige Rabbi Elchanan verboten hat. Verstoßen von seinen Anhängern, getrennt von seiner Geliebten, stirbt dieser Märtyrer seines Volkes inmitten des Zionistenkongresses, aufs neue mit einem Plane für Palästina beschäftigt. Inzwischen ist das Stück auch in Boston zur Aufführung gelangt, gleichfalls mit großem Erfolg. Der „Boston Transcript", eine der besten Zeitungen dieser Stadt, endigt eine längere Kritik über die Aufführung mit folgenden Worten: „Das Thema hat von dem jungen Dichter voll und ganz Besitz genommen, und in den beiden letzten Akten des Stückes plaidiert, und schreibt er mit einer Leidenschaft, die technische Mängel vergessen läßt, die unsere Ergriffenheit fortwährend steigert und alle, die sehen und hören können, in ihren Bann zieht". Lebende Bilder aus dem jüdischen Leben Mehr als 2000 Personen waren verflossenen Samstag im „Grand Central Palace" versammelt, um die Makkabäerfeier der poalezionistischen Organisation von New York zu begehen. Die Festlichkeit dauerte den ganzen Nachmittag und Abend. Nachmittags hielt Herbert N. Casson, der bekannte amerikanische Schriftsteller, von dessen zionistenfreundlichem Artikel in einer der verbreitesten amerikanischen Monatsschriften wir neulich berichteten, einen begeisternden Vortrag. Außerdem sprachen J. Appelbaum und Dr. D. Kopolovvitz. Den Hauptanziehungspunkt des Programms bildeten die lebenden Bilder mit symbolischen Darstellungen aus dem jüdischen Leben und von zionistischen Idealen. Unter anderem wurden vorgeführt: „Die Makkabäer", „An den Wassern von Babylon", „An der Klagemauer", „Golus" (nach dem Gemälde Hirschenbergs), „Palästinensische Kolonisten bei der Arbeit auf dem Felde", „Dr. Theodor Herzl vor dem Zionistenkongreß". Diese Makkabäerfeier war die größte ihrer Art in einer Reihe von Makkabäerfeiern, die im Laufe der Chanukkawoche in New York stattfanden. Sie alle waren sehr gut besucht, und bei allen wurden eifrig Schekel gesammelt. Die neue Türkei und der Zionismus in der amerikanischen Presse Der günstige Einfluß, den die Umwälzung der Türkei auf die Verwirklichung der zionistischen Pläne ausüben muß, findet in der jüdischen und nichtjüdischen Presse Amerikas steigende Beachtung. In einer ganzen Reihe bekannter amerikanischer Zeitungen und Zeitschriften traten und treten hervorragende Schriftsteller neuerdings für den Zionismus ein, und fordern die Juden auf, aus den veränderten Verhältnissen zugunsten ihrer unterdrückten Brüder Nutzen zu ziehen. Man kann jetzt schon sagen, daß die Umwälzung in der Türkei die öffentliche Meinung Amerikas für den Zionismus gewonnen hat. Verein zur Förderung jüdischer Kunst Verflossenen Dienstag abend trat der Verein zur Förderung jüdischer Kunst mit einer bemerkenswerten Veranstaltung aus der Untätigkeit hervor, in der er bisher befangen war. Die Veranstaltung, die im „Carnegie Lyceum" stattfand, war der jüdischen Musik gewidmet und hatte eine in jeder Hinsicht ausgezeichnete Zuhörerschaft angezogen. Die Vereinigung jüdischer Kantoren Amerikas brachte einige synagogale Melodien der sephardischen Juden zum Vortrag; Herr Borodin Delwary vom Metropolitain Opera House sang jüdische Volkslieder. Der Abend wurde eröffnet durch einleitende Worte des Dr. Magnes. Zionistische Studienkurse Der Zionistische Studienverein in New York, der aus Studenten der verschiedenen Universitäten besteht, kündigt folgende Vorlesungen für den Winter 1909 an: Professor F. H. Giddings, Professor der Staatswissenschaften an der Columbia-Universität: „Was ist eine Nation?"; Samuel Strauß, Herausgeber des New York Globe: „Zionismus und Judaismus"; Dr. J. L. Magnes: „Was bedeutet der Zionismus für mich?"; Professor J. Friedländer vom Jüdischtheologischen Seminar: „Universalismus und Nationalismus". Die Schaffung einer „Kehilla" für New York Wir berichteten mehrfach über Bestrebungen, die darauf abzielten, die Juden New Yorks zu einer Gemeinde zu vereinigen. Im Laufe des vorigen Jahres fanden auf Veranlassung von Dr. Leon Magnes mehrere Versammlungen statt, in denen ein vorbereitender Ausschuß zur Erledigung dieser Frage gewählt wurde. Wie jetzt verlautet, scheinen die Bemühungen dieses Ausschusses von Erfolg gekrönt zu sein. Das American Jewish Comitee, die maßgebende jüdische Körperschaft Amerikas, hat sich in ihrer jüngst stattgehabten Versammlung mit diesem Plane beschäftigt und beschlossen, einen Aufruf auf Anschluß an eine zu bildende jüdische Gemeinde New York zu erlassen, der von den angesehensten Juden New Yorks unterzeichnet werden soll. Die Konstituierung der neuen Gemeinde ist derart gedacht, daß sie von einem Komitee von 25 Personen geleitet werden soll, das von den New Yorker Juden, soweit sie amerikanische Staatsbürger sind, in einem noch festzusetzenden Wahlverfahren gewählt werden soll. Diese 25 Personen sollen zugleich die Vertreter New Yorks im American Jewish Comitee sein, wo sie besondere Vorrechte genießen. Insbesondere soll ihnen die gesamte administrative Leitung der Angelegenheiten der New Yorker jüdischen Gemeinde zustehen. Der Aufruf auf Vereinigung der bestehenden kleinen Kehillas in New York zu einer großen Gemeinde wird u. a. unterschrieben sein von Daniel Guggenheim, Leon Kamaiky, Eduard Lauterbach, E. W. Lewin Epstein, J. L. Magnes, Louis Marshall, H. Pereira Mendes, Jakob H. Schiff, Isidor Straus, Cyrus L. Sulzberger, H. Masliansky, Dr. A. Radin, Prof. S. Schechter usw.

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