Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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o o o o o o o c o o o o o AUS DER BEWEGUNG 1 o o o o o o o I 3> o o o o o o o Erklärung In der letzten Nummer der „Welt" ist ein Bericht über den Delegiertentag des Niederländischen Zionistenbundes enthalten, in welchem ein Beschluß veröffentlicht .wird, durch den dem Direktorium des Jüdischen Nationalfonds vorgeworfen wird, Gelder ohne Wissen und Genehmigung des E. A. C. verwandt zu haben. Dieser Beschluß erregte unsere größte Verwunderung. Wir,haben sofort nach Kenntnisnahme den Niederländischen Zionistenbund um Aufklärung gebeten, wieso derselbe dazu kam, in seiner Versammlung derart ungerechtfertigte Angriffe gegen den Nationalfonds zu richten. Nachdem nun dieser Beschluß durch die Veröffentlichung in weitere Kreise gedrungen ist, sehen wir uns zu der Erklärung veranlaßt, daß es nach der ganzen Konstitution des Jüdischen Nationalfonds überhaupt vollständig ausgeschlossen ist, daß Ausgaben ohne Wissen oder Genehmigung des E. A. C. beschlossen werden, da das E. A. C. als Kontrollkomitee durch zwei Direktoren ständig im Direktorium vertreten ist. Es ist demnach ein Beschluß über Verwendung von Geldern ohne Wissen und Genehmigung des E. A. G. nie erfolgt. Für das Direktorium: Dr. Bodenheimer, Vorsitzender Deutschland Köln. Einen ausgezeichneten Verlauf nahm der von der hiesigen Zionistischen Vereinigung am letzten Samstag den 26. Dezember 1908 veranstaltete Vortragsabend. In einem einleitenden Vortrage über das jüdische Volkslied legte der Referent des Abends, Herr Dr. Pinczower aus Düsseldorf, dar, welcher Schatz wunderbarer und ergreifender Volkslieder ernsten und heiteren Genres in ,der Literatur des jüdischen Volkstums enthalten ist und wie wenig — im Gegensatze zu andern Völkern und Nationen — bisher von uns getan wurde, um diesen Schatz zu heben. Der Redner wies an einer Reihe von Beispielen nach, welcher Unterschied zwischen den jüdischen und deutschen Volksliedern bestände, der sich aus dem Gegensatz in der psychischen Veranlagung der beiden Nationen ergebe. Nach dem Vortrage brachte Herr Dr. Pinczower unter Klavierbegleitung, die Fräulein Warendorf freundlichst übernommen hatte, eine Anzahl Volkslieder in tiefempfundener und meisterhafter Weise zum Vortrage. Die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste dankten dem Vortragenden nach jedem Liede durch lebhaften Beifall. Köln: Die „Jüdische Lesehalle", die von der zionistische^ Vereinigung am 1. Dezember v. J. in der Peterstraße Nr. 3 I eröffnet wurde, ist im verflossenen Monat von 424 Lesern besucht worden. An Samstagen und Sonntagen erreichte die Besucherzahl die Höhe von 45, an Wochentagen schwankt dieselbe zwischen 5 und 20. Der erste Monat hat bewiesen, daß diese Einrichtung insbesondere für die in Köln lebenden ausländischen Juden eine direkte Notwendigkeit war, wie der Besuch und auch die Sympathiebezeugungen zeigen, die dem Vorstande von verschiedenen Seiten aus zugingen. In der Lesehalle liegen. augenblicklich folgende Zeitungen auf: 5 deutsche Tageszeitungen, 5 jüdische und •hebräische Tageszeitungen, 14 jüdische Wochenschriften in deutscher Sprache, 1 in hebräischer Sprache, 5 in jüdischer Sprache, 1 in polnischer Sprache, 1 in russischer Sprache, 1 in italienischer Sprache, 4 jüdische Monatsschriften, ungefähr20 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften humoristisehen, belletristischen und allgemeinen Inhalts, 2 kaufmännische Zeitschriften. Durch eine größere Schenkung von Frau Hallenstein wurde ferner die Grundlage für eine Bibliothek gelegt. Die Lesehalle ist geöffnet täglich von 8—10 V« abends, Freitags und Samstags von 7 Uhr ab, Samstags ferner von 1—4 Uhr und Sonntags von 3—5 Uhr nachmittags. Breslau. Am Sonnabend den 19. Dezember, wurde das diesjährige Chanukafest, zu dem ein Damenkomitee eingeladen hatte, in den Sälen der Lessingloge im Stile eines orientalischen Kostümfestes gefeiert. Auf der einen Seite des Saales zeigte ein riesenhafter Prospekt den Ausblick auf den weithin sich erstreckenden Bosporus, mit Serails und Moscheen am Strande. Die Wände waren reich mit Perserteppichen drapiert. Große arabische Caf6s, Basarzelte in echtem Stile mit arabischen Aufschriften, tropische Bäume, die verschleierten Verkäuferinnen in orientalischen Trachten, erhöhten die Illusion. Ein reich ausgestatteter Harem, dessen Besitzer stolz seine „Schätze" zeigte, entzückte die Besucher. Von fliegenden Händlerinnen erstand man Türkenlose und gewann, wenn Allah wollte, allerlei im „Bezalel" hergestellte Kunstgegenstände. In den Räumen aber wogte eine Menge von 500 Herren und Damen in den Kostümen von Beduinenscheiks, Fellachen, sephardischen Juden, Armeniern, Türken, Griechen, Tscherkessen, türkischen Beamten usw. Die wenigen nicht kostümierten Damen wurden beim Betreten der Säle verschleiert, die Herren mußten noch rasch einen Fez erstehen. Allerlei Darbietungen, darunter Deklamationen von Dichtungen orientalischen Inhalts (Frl. Salta vom Stadttheater), ein orientalischer Tanz (Frl. Staub und Frl. Walter), endlich ein großer Festzug um Mitternacht, in dem eine Salome (Frl. Borchardt) vor dem Pascha den Siebenschleiertanz aufführte, und in dem der Pascha unter dem Jubel der Araber, Türken und des riesigen Elephanten (anstelle des nicht erhältlichen Kamels) wörtlich die neue Verfassung vorlas, erhöhten die Stimmung, in der sich der jugendliche Orient bis zum frühen Morgen Vergnügte. Der Überschuß, der palästinensischen Institutionen zugute kommt, betrug infolge der großen Spesen des Festes diesmal nur etwa 800 Mark, über deren Verwendung in einer der nächsten Nummern berichtet werden soll. Hamburg. Die zionistische Ortsgruppe Hamburg-Altona veranstaltete am 26. Dezember in sämtlichen Räumen des Logenheims eine Chanukahfeier durch einen Kostümball im Rahmen eines „Volksfestes in Palästina". Die Vorbereitungen hatte ein Vergnügungsausschuß unter Leitung von Frau Dr. Halpern und Frau Dr. Viktor übernommen. In den mit orientalischen und zionistischen Emblemen ausgestatteten Räumen sammelten sich mehrere Hundert Teilnehmer. Den ersten Teil bildeten Vorträge, unter denen die von Herrn Oberkantor Rosenblatt künstlerisch vorgetragenen Lieder in jüdischer Mundart besonJers reichen Beifall ernteten. Daran schloß sich ein von 16 jungen Damen ausgeführter orientalischer Schleiertanz. Nach Beendigung der Vorträge entwickelte sich ein buntes Palästinajahrmarktstreiben. Den Mittelpunkt bildete ein „Harem" mit türkischem Cafe und einer Orient-Bar. Außerdem waren noch verschiedene Verkaufsbuden aufgestellt sowie eine Tombola, deren Hauptgewinne in Bezalelteppichen bestanden. Reichen Absatz fand eine von Hermann Struck eigens zu diesem Fest gezeichnete Festpostkarte. Erst gegen Morgen schloß der Ball, der zur allgemeinen Zufriedenheit verlief und für die Ortsgruppe einen erheblichen Überschuß ergab, der für die verschiedenen Palästinainstitutionen bestimmt ist. Frankfurt a. M. Am Montag, den 4. d. M., hielt Herr Referendar Möller in der hiesigen Misrachigruppe vor einem stattlichen Publikum einen Vortrag, betitelt „die Zukunft des Judentums". Unter den mannigfachen Weltanschauungen, die möglich seien, könne, so führte der Redner aus, der traditionelle Jude auch die seinige vertreten, und er hoffe auch, daß sie sich im Laufe der Zeiten intellektuell durchsetzen werde. Das könne ihn aber nicht hindern, die das Judentum erhaltende Tendenz des Zionismus im allgemeinen anzuerkennen. Dem Misrachisten aber ist auch in seiner zionistischen Tätigkeit die Heilighaltung des religiösen Moments eine Voraussetzung, auf die er nicht verzichten kann. Unter dieser Voraussetzung arbeitet er am Zionismus freudig mit, eingedenk des Wortes unserer alten Weisen, daß die Erlösung des jüdischen Volkes keine plötzliche sei, sondern durch die Besiedelung des heiligen Bodens allmählich sich gestalten werde, und daß die messianische Zeit, die die Propheten verkündet, erst dann zu erwarten sei. Herr Professor Weyl, der Vorsitzende der misrachistischen Ortsgruppe, leitete die sich an den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag knüpfende Debatte, an der sich in lebhafter Weise die Herren Goitein, Levigard, Professor Weyl und Dr. Feuchtwanger beteiligten, und in der die kritische Erörterung der von der Marburger Rabbinerversammlung in Sachen des Zionismus und des Misrachi gefaßten Resolution die wichtigste Rolle spielte.