Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316352--51445-3345128
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 2 DIE ELT 33 ( □□□□□□ FEUILLETON o" □□□□□□!) O (N V O In der Nacht Alle Klänge sind erstorben, Stadt und Dorf sind eingeschlafen, Erd' und Himmel, zwei Geliebte, Drauß' im Feld zusammentrafen. Wandeln draußen miteinander Durch die Gräben, längs den Beeten, Unter seidnen Zauberschleiern, Zwischen silberweißen Ketten. Und die Nacht, Mondschein im Haare, Glitzert durch das Wälderdunkel, Sucht dort jemand, bis beginnen Flammenherzen ihr Gefunkel.----- Still, — im Osten, seht ein Sternlein, Gruß von Gott, herniederfliegen! Bis vor Tage flimmt's von Grüßen, Weißer Tauben Schwingenwiegen. II. Und dann geschieht ein Geheimnis am Himmel: Der Engel Memuna regt silberne Flügel, Er, der wacht, Tag und Nacht, an der himmlischen Pforte, Rückt auf mit der Hand den vergoldeten Riegel, Und spreitet das leuchtende Tor auseinander, — Durch fliegt's, beflügelt, ein Schiff der Gespenster, Ein schwarzes, von Tausenden Sternen beschimmert, Kristallen das Segel und gleißend die Fenster. Das Schiff hält den Weg grad abwärts, zugrunde, Es ankert auf Flur, auf noch nicht entdeckter, Dort ruht es aus, ------- und dem Schiffe entwimmelt Eine Heerschar Engel, wie Schnee, unbefleckter. Das sind die Boten, von Gott, seine Kundschaft, Die heimlich entsandte,--und still, ohne Worte, Entschweben sie eilends, wie silberne Schatten, In alle behausten, durchatmeten Orte. Und wo nur ein Spältlein und wo nur ein Türchen, Allüberall schau'n sie hinein und lauschen, Und ziehen in Reihen auf seidene Fäden, Gleich Schnüren von Perl\ alles Raunen und Rauschen. — Kein Laut in der leisen Nacht geht verloren, —---- Doch wenn anhebt im Ost Gottes Atemziehen, Flugs eilen zur Flur all die Engel wieder, Wie sie kamen, im Schiff, himmelwärts zu entfliehen. Alldann sieht der verspätete Wandrer Vor Tag ein Schiff hinschweben hoch droben, Wie ein Schatten entschwinden, als Spur nur im Äther, Ein silberner Saum, mit Bläue durchwoben. III. Und beginnt es still zu tagen, dann stehen Schon lange die Engel vor Gott und erzählen Das Geheimnis der Erde, sie, seine Zeugen, Kein Ding kann die drunten vor dem Schöpfer verhehlen. Und war sie fröhlich, verheißend die Kunde, — Schickt der Herr einen Tag voll leuchtendem Scheinen, Voll Vogelsingen und Weiherspiegeln, Und Sonnenlächeln am Himmel, dem reinen. Doch war es schlimm, was die Boten gekündet, — Ist trüb' Gottes Blick und voll Tränen geworden; Schlagregen gießt nieder, und ruhlos flattern Bis Abend in Stößen Sturmwinde aus Norden. Aus dem Jüdischen übertragen*) von Israel Auerbach *) Ich fand das Gedicht vor Monaten im „Jüdischen Arbeiter". Für Mitteilung des Namens des hochbegabten Verfassers. wäre ich dankbar. Der Übersetzer

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.