Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 13 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3315709-3316349-3316352--51443-3345126- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 2 DIE 31 man sich noch versagen müssen. Nur bezüglich der Herkunft wird man auf Grund der Schriftzüge sagen können, daß diese Krüge dem V.—III. Jahrhundert ihre Entstehung verdanken werden. Dazu stimmt, daß sie bald in der Nähe der rhodischen Henkeln, bald ein wenig tiefer als diese gefunden wurden, wie anderseits das negative Moment, daß auf dem Quellhügel — also in den alleren jüdischen Häusern — uns keiner von ihnen begegnete. V- Wichtig ist v/eiter ein Krughenkel mit dem jüdischen Königstempel, der beim Verfolgen der Außenmauer im Nordosten, leider offenbar versprengt, gefunden wurde. Er trug über dem bekannten schematisierten Sonnenkäfer das "ptö und unter ihm lädiert Die beiden letztenBuchstaben waren weggewaschen, deutlich erhalten nur die beiden ersten. Aber nach den englischen Funden kann die Ergänzung ja nicht zweifelhaft sein. Auch der Ton war der charakteristische, auffallend poröse, mit rotbraunem Oberzug, wie ihn Büß (Excavations inPalestine p. 106ff.) geschildert hat. Daß im VIIL/VII. Jahrhundert hier eine jüdische Ansiedlung sich befunden hat, ist durch diesen einen Henkel als sicher bestätigt. Endlich ist noch zu nennen ein Handgriff, der ebenfalls im Nordosten bei der Außenmauer ausgegraben wurde und vollständig in aramäischen Schriftzügen die Legende nsD trug. Dagegen muß ein anderer mit 5 vielleicht althebräischen, wahrscheinlich aber auch aramäischen, etwas verwischten, kreisförmig stehenden Schriftzeichen, der auf dem Quellhügel gefunden wurde, noch weiter untersucht werden. Wenn wir die Resultate dieser ersten (großem Kampagne auf ISRAELITISCHE KERAMIK: SCHALE AUF HOHEM FUSS, EIFÖRMIGE KANNE, KUGLICHE KANNE, AMPHORA dem Boden des alten Jericho zusammenfassen, so können wir sagen, daß in den größten Zügen die Aufklärung der Trümmerstätte vollzogen ist, indem die Umfassungsmauer der alten Stadt sowie der Platz der Zitadelle mit ihrer nördlichen Umwalhing festgelegt wurde, und daß daneben eine Fülle von Einzelfunden bereits ein annäherndes Bild ergaben von den wechselnden Besiedelungen, die die Stätte im Laufe der ~ t Jahrtausende erfahren hat. Aber nun im ein- 1 zelnen diese Entwicklung darzustellen, die einzelnen Funde, Bauwerke und Befestigungsanlagen auf die einzelnen Perioden jener aufzuteilen, mit einem Worte eine Geschichte des Platzes auf Grund der bisherigen Ergebnisse der Grabung zu bieten, das ist natürlich nochvollständig ausgeschlossen. Denn überwiegend sind bis jetzt doch nur erst Probleme gestellt, Fragen aufgeworfen, die hoffentich zum Teile ihre Beantwortung in der nun bevorstehenden Kampagnefinden werden. Nur drei sichere Ergebnisse haben sich bereits bis jetzt herausgestellt, die für die Geschichte nicht ohne Bedeutung sind: einmal die Tatsache, daß Jericho in kanaanitischer Zeit ein ausnahmsweise stark befestigter Platz gewesen ist, zum andern die, daß in der kulturellen Entwicklung desselben ein Riß zu konstatieren ist, den wirsonst in Palästina nicht beobachtet haben, daß die Stätte n ach derSchleif u ng eines Teils der starken kanaanitischen Lehmmauern längere Zeit als Garten- oder Ackerland dagelegen haben muß, und endlich, daß der ägyptische und der ägäische Kultureinfluß sich hier nicht annähernd mit derselben Intensität wie in den Städten der Schephelah und der Jesreel-Ebene bemerkbar gemacht haben. BRIEF AUS KONSTANTINOPEL (Von unserm Berichterstatter) Die Kultusfrage in der Parlamentsadresse Das Volk hat seine Antwort auf die Thronrede des Souveräns gegeben und sie im ganzen Reiche öffentlich anschlagen lassen. Und so hat jeder Satz dieses bedeutenden Dokuments Kraft und Wirkung gewonnen. Um so wichtiger ist die Fassung, die schließlich der Auslassung über die Kulturfrage gegeben wurde. Die große prinzipielle Debatte mit klarem Heraustreten der nationalen Programme und Gruppierungen, die erwartet wurde, ist ausgeblieben. Wieder hat sich die Eigenart des türkischen Charakters, wenn man will, auch o*