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Die Welt · 1909-01-08 · 2 (8.1.1909) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
2 (8.1.1909)
Date
1909-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die letzten Bewohner dieses Hauses, die ihren Wohnsitz wahrscheinlich infolge eines Brandes verlassen haben, dürften also in der Zeit um 700 v. Chr. gelebt haben. Das Haus enthielt einen unbedeckten Hof mit einer Ruhebank an der Ostseite, ein langgestrecktes, durch eine Tür vom Flur aus zugängliches Zimmer im Süden und auf der Nordseite des Flurs den nach dem Hofe zu sich öffnenden Küchenraum, in dem die große Wassertonne aus Ton noch an ihrem alten Platze in der Nordwestecke stand. Wir können nicht nur Grundriß und Aufbau dieses Hauses in dem von Chiel neuerbauten Jericho rekonstruieren, sondern die hier gefundenen Vasen haben uns das ganze Inventar, das zu seiner Ausstattung gehörte, kennen gelehrt. Schüsseln und Teller, Kannen und Amphoren, Krüge und Flaschen, Getreidemühlen aus rotem Sandstein, Lampen und Fackelträger, Eisengeräte und Griffe von Geräten aus Hirschgeweih. Die Formen der Gefäße stehen in deutlichem Zusammenhang mit der gräkophönikischen Keramik auf Kypros und haben keine Verwandtschaft mit der altkanaanitischen. Auf den grau bis gelben und roten Ton werden hie und da konzentrische Kreise in matt violetter Farbe gesetzt; häufiger kommt eine Mattmalerei in Weiß und Rot auf dunklem oder braun und rot auf hellem Tongrund vor. Diese Zusammenstellung von schwarz, weiß und rot erinnert an Mittelmeerkeramiken wie in Kreta (Kamaresgattung), in der Äolis und Naukratis, aber auch im Norden. Besonders sorgfältig ausgeführte „Fruchtschalen" zeigen eine weiße, feine Engobe mit roten und violetten geometrischen Ornamenten. Ein Erbteil der vorhergehenden Epoche darf wohl in der seltenen Anwendung von Politur bei kleinen Gefäßen erkannt werden, auf die bisweilen noch mit dunkelroter Farbe gemalt wird. Die Verwendung der Töpferscheibe ist noch nicht allgemein. Eine weitere Grabung auf dem Quellhügel dürfte durch die zu erwartende Vermehrung des Materials eine genaue Kenntnis der israelitischen Keramik in einer begrenzten Periode ermöglichen und damit eine sichere Grundlage für die Chronologie der israelitischen Vasen abgeben. Weniger klar ist nach den bisherigen Untersuchungen über die Nordstadt zu urteilen. Hier ist zunächst eine Reihe von Häusern mit gemeinsamen Zwischenwänden zu nennen, deren Rückwände im Süden nach dem Hügel zu sich treppenförmig gegeneinander absetzen, indem stets das anstoßende Haus gegen das vorige um etwa eine Ziegellänge vorspringt. Jedes Haus scheint nur einen Raum, ausnahmsweise noch einen Vorraum oder eine Vorhalle zu besitzen. Von den Häusern auf dem Quellhügel scheint dieser Haustypus, auch in der Größe der zur Verwendung kommenden Ziegel völlig verschieden zu sein. Die Wände der Häuser sind etwa drei Schichten hoch erhalten. Die Zeit der Besiedelung des Nordabhangs läßt sich nach oben hin begrenzen durch die Beobachtung, daß eines der Häuser über eine Treppe, die zum Hügel ISRAELITISCHES HAUS AUF DER HÖHE DES QUELLHÜGELS, AUS NORDOSTEN emporführt, hinweggebaut ist, und daß auch die übrigen über der Steinschüttung liegen, die mit der Treppenanlage gleichzeitig ist. Nach der (an anderer Stelle des Berichtes) ausgeführten Vermutung hat man die Treppen gebaut, als nach der Zerstörung die dem Fluche verfallene Stadt in ein Gartenland verwandelt wurde. Leider können wir aus archäologischen Beobachtungen noch nicht sicher bestimmen, wie lange die Wirkung des Fluches gewährt und die Bevölkerung an der Neubesiedelnng gehindert hat, so daß dieser terminus post quem einstweilen noch sehr vage ist. Da die Ausgrabung sonstige Inschriften, die eine genauere Datierung einzelner Schichten ermöglichten, bis jetzt nicht ergeben hat, so beanspruchen ein ganz besonderes Interesse die mit Legenden versehenen Stempel auf den Henkeln der Krüge. Wir haben von solchen, auch abgesehen von den rhodischen, eine ganze Reihe gefunden. Leider vorläufig beinahe wertlos ist die Kategorie derer, in die ein Skarabäus hineingedrückt war, bei denen aber der Ton ein so grober, rauher, schlecht geschlämmter war, daß es bis jetzt nicht gelungen ist, auch nur eine einzige Darstellung klar zu erkennen; nur auf dreien sind Spiralen und Striche zu sehen; Macalister verzeichnet derartig gestempelte, in Gezer gefundene Krüge P. E. F. 1903 p. 123 Nr. 8—11 und 1904 p.21 Nr. 9—14. Wir haben von dieser Art in der letzten Kampagne 8 gefunden, überwiegend amNordabhang, einen auf dem Quellhügel und einen in den Magazinräumen. Alle diese dürften den gleichen Herkunftsort haben. Wie es bis jetzt scheint, etwas jünger ist eine andere Kategorie, die eine aramäische Legende trägt. Schon bei der Probegrabung 1907 hatte ich einen Henkel mit einer solchen gefunden, sie richtig gelesen, mich aber durch sonstige Funde an derselben Stelle — den Magazinräumen der Zitadelle — verleiten lassen, sie für viel zu alt zu halten. Überwiegend tragen diese Handgriffe 2 aramäische Buchstaben (vergl. Abb.). Dieselben sind nicht alle aus derselben Fabrik hervorgegangen, der Ton ist ein verschiedener und auch die Schriftzüge wie die Art der Stempelung differieren bisweilen ein wenig. Aber gemeinsam ist ihnen allen das charakteristische und sonst bis jetzt nur in kleinasiatisch- und ägyptisch-aramäischen Urkunden des V. und IV. Jahrhunderts gefundene ,-j (vergl. Lidzbarski „Handbuch der nordsemitischen Epigraphik" II. Taf. XXVI 3 und XXVIII 1—4). Wir fanden diesmal 9 solche, und zwar 7 am Nordabhang des Plateaus, 2 im westlichen Suchgraben. Meine schon 1907 geäußerte Vermutung, daß die Legende mit dem jüdischen Gottesnamen zusammenhinge, hat eine weitere Bestätigung dadurch erfahren, daß wir außer jenen 9 diesmal — ebenfalls am Nordabhang — zwei Henkel ausgruben, die 3 Buchstaben trugen, und zwar ipp (vergl. Abb.). Mit aller Reserve wird man also vorläufig an dieser Erklärung festhalten können (zur Sache vergl. dann Sacharja 14, 20 f.). Schlußfolgerungen ans ihr zu ziehen, wird

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