Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1909-01-01 · 1 (1.1.1909) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
13 (1909)
Issue
1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316349-3316351--51424-3345106
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

No. 1 DIE^ELT 13 Konstruktion dieses Flügels der für ein solches Gebäude notwendigen Solidität nicht entsprach. Für den Weiterbau sind mehrere Maßnahmen von der Kommission getroffen worden, die der Festigkeit des Gebäudes dienen sollen. Die Arbeit wird fortgesetzt, man hofft, daß die Schule nach dem Pessachfest ins neue Gebäude wird übersiedeln können. Da der Bauunternehmer die ganze Arbeit und einen großen Teil des Baumaterials auf eigne Rechnung übernimmt, wird der Schaden des Odessaer Komitees infolge des Unfalls wohl nur einige tausend Francs betragen. Die Eröffnung des Parlaments wurde auch hier und in Jerusalem von der gesamten Bevölkerung in großen Straßenumzügen und Volksversammlungen gefeiert, Als sonderbare Rednertribüne diente ein großes, auf einen Wagen aufgeladenes Boot. Sämtliche Häuser waren beflaggt und am Abend illuminiert. Auch alle im Hafen liegenden Schiffe bekundeten ihren Anteil an der türkischen Feier durch Flaggenhissen und Illumination. Von den Juden, die am gesamten Umzüge teilnahmen und auch in der Synagoge eine große Volksversammlung veranstaltet haben, wurden Ansprachen in hebräischer, spaniolischer und türkischer Sprache gehalten. AUS DER BEWEGUNG o o o o o o o —^ iL o o o o o o o Sitzung des Engeren Aktionskomitees am 27. Dezember 1908 Am Sonntag, den 27. Dezember, fand in Köln eine Sitzung des Engeren Aktionskomitees statt. Außer mit der politischen Lage, die einen der Hauptpunkte der Beratung bildete, beschäftigte sich das E. A. C. mit einer Reihe von Projekten und Anregungen, die sich auf daspolitischeundorganisatorische Qebiet erstreckten. Die Projekte wurden geprüft, wobei sich manche als eines weiteren Studiums bedürftig und manche als erstrebenswert erwiesen. Letztere sollen den zuständigen Institutionen zugewiesen werden, deren Ausbau und Erweiterung als notwendig anerkannt worden sind. Hingegen sprach sich das E. A. C. entschieden gegen die Schaffung neuer Institutionen aus. Nachdem die.zionistische Organisation unter großen Schwierigkeiten und mit erheblichen Opfern eigene Vertretungen im Orient geschaffen hat, erachtete das E. A. C. es für durchaus unzweckmäßig, daselbst neue zionistische Institutionen aus den Mitteln und mit den Kräften der zionistischen Organisation einzurichten, anstatt die vorhandenenEinrichtungenzustärkenund auszubauen. Das E.A.C. besteht nachdrücklich auf der Zentralisation aller zionistischen Arbeiten im Orient bei den von der zionistischen Organisation eingerichteten und ihr unterstehenden Instituten. Aus dem russischen Hilfsfonds wurden auf Antrag des Palästinaamts und des Hilfsvereins der deutschen Juden einige Bewilligungen für Pogromwaisen genehmigt. Die Berichte des von der Jahreskonferenz eingesetzten Finanzausschusses und der Kommission zur Änderung der Geschäftsordnung wurden eingehend, behandelt und die weitere Beratung einiger Punkte angeordnet. Das E. A. C. beschloß ferner, eine große Aktion für den Verkauf von Aktien der Jüdischen Kolonialbank und insbesondere von solchen der Anglo Palestine Company einzuleiten. Es wurde beschlossen, das große Aktionskomitee auf den 15. und 16. März nach Köln einzuberufen. Gleichzeitig sollen Sitzungen der Bank, des Nationalfonds usw. stattfinden. Makkabäerfeiern Die Chamtkkahtage bildeten wie alljährlich, so auch in diesem Jahre für die zionistischen Vereine der ganzen Welt den Anlaß zur Begehung von Makkabäerfeiern, zur Demonstrierung des jüdischen nationalen Gedankens, zur Verherrlichung der großen Vorkämpfer jüdischen Volksempfindens. Es ist uns aus Raummangel unmöglich, die zahlreichen Berichte, die bei uns eingelaufen sind, in extenso zum Abdruck zu bringen. Wir müssen uns damit begnügen, in aller Kürze über einige der bemerkenswertesten Feiern zu berichten. In Frankfurt a. Main beging die Zionistische Vereinigung die Makkabäerfeier bereits am 21. Dezember. Sie war bemerkenswert durch den überaus zahlreichen Besuch, — mehr als 1000 Personen hatten sich eingefunden; — die Festrede hielt Herr Dr. Blöde. In Halberstadt fand die Feier als eine Verherrlichung des jüdischen Volksliedes statt. Herr Konzertsänger Leo Gollanin, Berlin, war der ausgezeichnete Interpret der Blüten des jüdischen Volksgesanges. Der Zionistische Volksverein in Trautenau beging zum ersten Male während seines Bestehens eine Makkabäerfeier und hatte damit einen ausgezeichneten Erfolg. Die Feier fand im Rahmen eines „Bunten Abends" statt, Festredner war Herr Dr. Emil Marguli es. Auch die Makkabäerfeier in Troppau nahm einen ausgezeichneten Verlauf. Sie erhielt einen besonderen Glanz durch die Festrede des Herrn Felix Saiten aus Wien. Festredner der Makkabäerfeier in Stry war Reichstagsabgeordneter Adolf Stand; es erübrigt sich zu berichten, daß dank einer solchen Kraft das Fest einen hervorragend schönen Verlauf nahm. Auch in Gwodzie verlief die Makkabäerfeier in ausgezeichneter Weise. Reichstagsabgeordneter Professor Dr. Mahler hielt die Festrede bei der Makkabäerfeier in Brody und erntete damit stürmischen Beifall. Bei der Makkabäerfeier in Bolechow hielt eine Dame, Fräulein Melier, Sekretärin des Distriktskomitees in Stanislau, die Festrede, und verlieh damit dieser Feier einen ganz besonderen Reiz. Ungewöhnlich schön verlief die Makkabäerfeier in Preßburg, wo Herr Oscar Marmorek die Festrede hielt. In Bukarest veranstaltete der Verein „Idealul" eine Makkabäerfeier, die sehr gut besucht war. Frankreich Eine bemerkenswerte Kundgebung Dr. Nordaus und Dr. Marmoreks Am 26. Dezember sprachen die Herren Dr. Max Nordau und Dr. Alex. Marmorek in Paris vor einem zahlreichen Publikum über die Lage des Zionismus. Ich habe der Versammlung beigewohnt. Es ist nicht meine Absicht, einen genauen Bericht über die glänzenden, scharfen Reden Nordaus und Marmoreks zu geben, aber es sind bedeutsame Worte gefallen, Worte, die wir beherzigen sollten, und Worte, die widerlegt werden müssen. So gut ich es kann, will ich aus dem Gedächtnis den Inhalt kurz wiedergeben. Dr. Marmorek schilderte den Herzischen Zionismus, der die kulturelle Hebung der Juden und die Lösung der Judenfrage erstrebte. Der Zionismus habe erkannt, daß das wandernde Volk eine Heimstätte haben müsse, und daß diese Heimat nur in Palästina gegründet werden könne. Zangwill und mit ihm viele andere haben geglaubt, daß die Lösung der Judenfrage auch in einem andern Lande sich vollziehen könne, und haben sogar einen geographischen Begriff geschaffen: Itoland. Aber das Land befindet sich nicht auf unserm Planeten, und die Herren werden von ihrem Irrtum zurückkommen müssen. Dr. Marmorek stellt sodann die Frage: Was haben wir erzielt? — Wir sind so weit, daß wir uns nicht genieren müssen, offen über unsere Lage zu sprechen. Der Kreis derjenigen, welche die Träger des großen Gedankens genannt werden können, ist nicht größer, sondern kleiner geworden und schränkt sich immer mehr ein. Wenn wir nach den Ursachen forschen, welche den Stillstand .oder den Rückgang bewirkt haben, müssen wir bekennen: das Übel liegt in uns.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.