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Die Welt · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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No. 52 DIE30EELT 13 christliches Land, die ungeheure Mehrheit seiner Bevölkerung erkennen Christus an. wenn sie auch nicht verlangen, daß irgend jemand gegen seine Überzeugung handelt. Es scheint undenkbar, daß die Aufgeklärteren unter den Juden mit. dem Verlangen ihrer Brüder in New York einverstanden sein können." Es sei nur daran erinnert, daß die New Yorker Juden sich lediglich gegen die zwangsweise Teilnahme ihrer Kinder an diesen christlichen Übungen gewandt haben. Da die Schulen Staatsschulen sind, der Religionsunterricht auch Privatsache ist, blieb der Schujbehorde eben nichts anderes übrig, als diese Weihnachtsfeiern ebensosehr aus der Schule zu entfernen oder ihnen wenigstens den christlichen Charakter zu nehmen, wie dem -Religionsunterricht] Und da zeigt sich sofort, daß dfe christliche Bevölkerung dadurc)] in ihren heiligsten Gefühlen verletzt wird, und wir müssen sagen* auch uns erscheinen diese interkonfessionellen Weihnachten etwas kurios. Hier zeigt sich eben einmal in evidenter Weise die Um haltbarkeit der liberalen Theorien in der Praxis und wird wieder einmal der reinlichen Scheidung das Wort geredet an einer Stelle, die man bisher als ein Musterbeispiel des Ausgleichs der Gegensätze zu betrachten gewohnt war. Inzwischen zieht nach den letzten Nachrichten diese Angelegenheit weitere Kreise. In Brooklyn fand bereits ein großes Meeting statt, bei dem der Hauptredner, ein Prediger namens Carlile, die amerikanischen .luden mit Pogromen bedrohte, falls sie nicht von ihrem Verlangen abständen. Amerika sei ein christliches Land, Konstitution hin, Konstitution her, die Majorität müsse tun dürfen, was sie wolle usw. Wie man sieht, ist der Effekt ein vollkommener. Die Äliensact in Amerika Nach dem vom Staatssekretär Strauß erstatteten Bericht des Einwanderungsamt sind im Jahre 1906 07 1 285 349 Personen eingewandert. Davon waren nur 47 000 mehr als 45 Jahre alt. 1'3 364 Einwanderer wurden zurückgewiesen. Das ist ein neuer Rekord und beweist, daß in Amerika das Fremdengesetz noch strenger gehandhabt wird, als in England, wo jetzt eine große Agitation dagegen eingesetzt hat. Palästina Die in Kairo erscheinende Zeitung „Les Pyramides" berichtet unter dem 11. Dezember: Die Teuerung im Libanon und Beirut wächst täglich. Manche Pessimisten sprechen schon von Hungersnot. Der Gouverneur hat dringend nach Konstantinopel telegraphiert und eine Irade erlangt, laut dessen vorläufig alle Lebensmittel zollfrei eingeführt werden dürfen. Indessen halten gewisse Kaufleute absichtlich mit ihren Vorräten zurück und bewirken derart ein weiteres Steigen der Preise...... Der Handel Hai fas entwickelt sich immer mehr. Die Hedschasbahn führt der Stadt immer neue kommerzielle Verbindungen zu. Der Bau eines für die großen Dampfschiffe ausreichenden Hafens ist nurmehr eine Frage der Zeit. NOTIZEN ^CI3 Eine amtliche deutsche Stimme über den Zionismus In letzter Zeit mehren sich die Stimmen deutscher Nichtjuden in amtlicher Stellung, die der Verwirklichung der zionistischen Idee ein günstiges Prognostikon stellen und die Ansiedlung von Juden als das Heilmittel für Palästina empfehlen. Wir konnten erst jüngst ein von Mitgliedern des deutsch-archäologischen Instituts in Jerusalem herausgegebenes Werk zitieren, das sich über den Zionismus sehr freundlich äußert. Heute möchten wir unsere Leser auf das Werk „Beiträge zur Kenntnis der Landesnatur und der Landwirtschaft Syriens" von Hubert Auhagen*) hinweisen, das sich gleichfalls zur zionistischen Frage günstig äußert. Das Werkchen erschien in der Serie der „Berichte über die Land-und Forstwirtschaft des Auslandes", die vom Auswärtigen Amt des Deutschen Reiches herausgegeben wird, und daher besondere Beachtung verdient. Das Auhagensche Buch, das eine sehr instruktive Darstellung der Bedingungen und Möglichkeiten der palästinensisch - syrischen Landwirtschaft enthält und für unsere Kolonisationsbestrebungen sehr wertvolle Fingerzeige bietet, schließt folgendermaßen: *) Beitrüge zur Kenntnis der Lundesnalur und der Landwirtschaft Syriens von Hubert Auhagen. Großokljiy, «"15 S. Perlin, Verlag der deutschen Lnndwirlschaftsgcsell schaft. Aber von der größten Wichtigkeit für die Entwicklung Syriens ist die Kolonisationsfrage. Was nützen alle Verbesserungsvorschläge auf wirtschaftlichem Gebiete, wenn keine Leute vorhanden sind, die sie durchführen können. Die Deutschen haben zweifellos viel für die kulturelle Erschließung des Landes getan und sich nach dieser Richtung bleibende Verdienste erworben. Sie haben gezeigt, wie man es machen muß. Aber für eine Massenkolonisation, wie sie in Syrien erforderlich ist, kommen sie nicht in Frage. Da kann nun neben der weiteren Einwanderung von Tscherkessen,' die aber auch nur in verhältnismäßig geringem Umfange 'möglich ist, die zionistische Bewegung für das menschenleere Land von größter Bedeutung werden. Tausend und abertausend jüdische Bauern Rußlands, Rumäniens usw. sehnen sich danach, sich in dem Lande ihrer Väter anzusiedeln, und schon jetzt wächst in Palästina eine Generation jüdischer Landleute heran, die auf den Erfahrungen der ersten, unter großen Enttäuschungen und Schwierigkeiten entstandenen Kolonien fußend, zu großen Hoffnungen berechtigt. Daß der jüdische Bauer, der als solcher aufgewachsen ist, ebenso leistungsfähig ist wie jeder beste andre Bauer, davon habe ich mich durch den Besuch von Zahlzeichen jüdischen Kolonien, in denen ich mich oft tagelang aufgehalten habe, überzeugen können. Doch nun zum Schluß: Syrien ist von der Natur vor anderen Mittelmeerländern dadurch ausgezeichnet, daß es der großen afrikanisch-asiatischen Hochtafel angehört. Die Linie, welche diese gewaltige Tafel von dem jüngeren Faltengebirge trennt, geht südlich vom Atlas durch Nordafrika nach der Grenze von Nordsyrien, also südlich vom Taurus, hinüber. Nördlich davon haben wir das jüngere Faltengebirge mit vielfach grotesken Formen, wie sie uns im Atlasgebirge, in Spanien, Italien, der Balkanhalbinsel und im Taurus entgegentreten; südlich davon, wie im größten Teile Afrikas, in ganz Arabien und Syrien sehen wir die großen ausgeglichenen Formen der Hochtafel. Jene Gebirge sind, geologisch betrachtet, verhältnismäßig jung, sie gehören der Tertiärperiode an; diese sind mesozoischen Ursprungs und gehören in Syrien zur Kreideformation. Sie bieten im großen und ganzen der Kultivierung wesentlich günstigere Angriffspunkte, soweit die Verwitterung der Oberfläche in Betracht kommt Und was Syrien vor dem übrigen großen Tafelgebiete so besonders vorteilhaft auszeichnet, ist, daß hier das Gebirge und die Hochflächen nahe an das Mittelmeer herantreten und das Land Breitengraden angehört, die nichts von der erschlaffenden Wirkung der eigentlichen Tropengegend zeigen. Und dazu kommt, daß in diesen östlichen Teilen des Mittelmeeres sich im Winter jene heftigen Zyklone bilden, die verhältnismäßig große Regenmengen, — Jerusalem hat ziemlich die gleiche jährliche Niederschlagsmenge wie Berlin, — über das Land bringen. Wenn ich diese und die andern, in dem vorstehenden Bericht angeführten Umstände erwäge, so komme ich zu der Überzeugung, daß Syrien in hohem Grade entwicklungsfähig ist und durchaus eine enge kleinbäuerliche Siedlung verträgt, ja fü r eine solche geradezu prädestiniert erscheint. Eine Krisis in der jüdischen Wohltätigkeit Das ungeheuer wachsende Elend der letzten Jahre zeitigt allmählich eine Folge, an die man bisher nicht gedacht hat, und die, wenn ihr nicht bald begegnet wird, von schwerwiegendem Einfluß für die Geschicke der Juden in der Diaspora werden dürfte. Allmählich versagen nämlich die bestehenden jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen, hauptsächlich, weil ihre Mittel für den kolossal wachsenden Andrang nicht ausreichend sind. Nachdem jüngst der Board of Guardians, die bedeutendste englisch-jüdische Wohltätigkeitsgesellschaft öffentlich erklärt hat, nicht mehr in der Lage zu sein, den Ansprüchen zu genügen, falls ihr nicht schnellstens bedeutende Mittel zugeführt würden, sehen sich jetzt die United Hebrew Charities, die maßgebende jüdische Wohltätigkeitsinstitution Amerikas, zu einer ähnlichen Erklärung veranlaßt. Die Leitung dieser Körperschaft war schon gezwungen, die monatlichen Beihilfen auf ein ganz kleines Maß zu beschränken und ihre drei Bezirksbureaux anzuweisen, keinerlei Pensionen zu gewähren und die alten nicht zu erhöhen, die Zahlung von Wochenunterstützungen an arme Familien einzustellen und lediglich Wohnungsunterstützungen weiter zu zahlen. Die kritische Lage dieser Körperschaften hängt allerdings auch mit der wachsenden Gleichgültigkeit der Juden gegenüber den Erfordernissen des Notstandes zusammen. Der Bericht der United Hebrew Charities konstatiert den Umstand, daß von 800 000 jüdischen Einwohnern New-Yorks nur 3800 dieser Vereinigung angehören. Das permanente Wachsen der Wohltätigkeitsanforderungen einerseits, die Gewöhnung an das Übel, die seine Dauer hervorruft, und die dadurch entstehende Gleichgültigkeit dagegen anderseits, lassen eben die Tatsache der Unzulänglichkeit unserer augenblicklichen

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