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Die Welt · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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gerade deshalb nicht nur ihre tatkräftige und moralische Stütze, sie geben uns, um uns nur sicher nicht zum Ziele zu verhelfen, für zionistische Zwecke prinzipiell keinen Pfennig. Und die Zionisten? Die Frage ist gestellt, das war leicht. Aber die Antwort? Sie ist nicht leicht zu geben. Eigentlich muß ich nicht antworten. Die Zionisten sollen die Antwort geben, aber warten wir ab, bis die Antwort eingelaufen sein wird. Ich bin ein Jude. Ich werde weiter fragen. Wenn aller Orten nach voraufgegangener, jahrelanger, mühevoller Propaganda endlich zionistische Vereinigungen existieren, wenn die Zionisten zusammenkommen und für je 200 einen Delegierten nach dem Kongreß entsenden mit Weisungen und Aufträgen, und die Delegierten lange beraten und im besten Wissen und Gewissen einen unumgänglichen, dringenden Beschluß fassen? Müssen dann die Zionisten die Beschlüsse des Kongresses achten und ratifizieren, oder nicht? Diese Antwort ist leicht. Selbst ein Antizionist wird antworten: Ja, das müssen sie! Sicher. Aber tun sie es? Man möchte glauben, nachdem die Zahl der Zionisten verhältnismäßig nicht sehr groß ist, daß diese in jedem Fall nicht nur die weitsichtigsten, selbst- und zielbewußtesten, sondern auch die opferwilligsten Juden sind. Man sollte meinen, es werde jeder Zionist von selbst kommen und mit Freuden die Parteisteuer nach Maßgabe seiner Kräfte leisten. Aber was ist bis jetzt geschehen? Der Präsident, Herr Wolffsohn, hat ein schönes Beispiel gegeben und 5000 Mk. als Parteisteuer gezahlt. Einige Wenige sind ihm in weitem, sehr weitem Abstände, aber doch gefolgt. Die große Masse der Zionisten hat bis jetzt trotz der Kongreßbeschlüsse und ungeachtet des gegebenen Beispiels die Parteisteuer nicht abgeführt. Das Aktionskomitee hat wiederholt einen dringenden Mahnruf ergehen lassen. Die Masse der Zionisten hat sich noch nicht aufgerafft, die Parteisteuer, welche schließlich doch mit Ach und Krach gezahlt werden wird, schnell und prompt zu zahlen. Es wird wieder notwendig werden, daß die Führer im Zionismus, die ihre Zeit, ihre Kraft, ihre Gesundheit, ihr Leben der Sache opfern, daß diese von Mann zu Mann gehen, jedem einige lange und breite Reden halten, bis sie erst ein Versprechen und dann später d;e Gabe erhalten. Inzwischen hat das Aktionskomitee das Geld nötig. Wenn wir zwei Jahre mit dem Inkasso der Parteisteuer verlieren, wie können wir dann in derselben Zeit praktische Arbeit ausführen? Mit welchem Recht werden die Zionisten von den Führern, die Delegierten des Neunten Kongresses von der Leitung Rechenschaft fordern? Mit welcher Begründung wird dann die Frage gestellt werden: Was habt Ihr an „Praktische Arbeit" geleitet? Wie verträgt sich das mit unsern Prinzipien, mit unserm Ehrgegefühl; wenn die Leitung nicht sofort in den Stand gesetzt wird, einen oder mehrere Versuche zu machen? Mit welchem Recht beklagen wir Zionisten uns über unsere Gegner, die all unserm Bitten una Flehen zum Trotz, all unsern Erklärungen und Erläuterungen zum Hohn verstockt bleiben und uns ihre Unterstützung verweigern, wo es gilt, dem jüdischen Volke das Höchste zu geben: seine Heimat und durch die Heimat die Freiheit! Zionisten! Erinnert euch doch des bitteren Gefühls, welches unsere Gegner euch verursachen, so oft ihr im öffentlichen oder im privaten Leben es versucht, die Hartnäckigen, die Indifferenten zu überzeugen. Könnt ihr, wollt ihr eurem Führern dieselben Bitterheiten bereiten? Nein! Zionisten wollen das nicht! Es liegt nun einmal in der Judenheit, daß jede Gabe, jede Spende als weggeworfenes Geld betrachtet wird. Von diesem Empfinden werden wir uns noch lange nicht befreien. Selbst die Zionisten, die im allgemeinen sehr viel geben, tun dies nicht in ungezwungener Weise, geben nicht zur richtigen Zeit und nicht in gehöriger Form. Das Geld ist nicht da, wenn man es haben muß, und die Zeit vergeht, Spesen werden gemacht, und am Ende ist das Erreichte nicht dem geopferten Gelde und Mühe an Wert gleich. Freilich, um die Überzeugung zu gewinnen, daß unsere Gaben nicht verloren gegangenes Geld sind, sondern eine Anlage für die späteren Generationen, müßte man deutlich und greifbar sehen können, daß mit dem Geld etwas Nützliches gemacht wird. Die Leitung muß sich auch bestreben, unter allen Umständen etwas Konkretes in Palästina zu schaffen, aber eben um dieses fertig zu bringen, ist Geld nötig, und dafür ist die Parteisteuer beschlossen worden. In Anbetracht der Wichtigkeit der Sache muß jeder nach seinen Kräften geben. Das Minimum von fünf Franken kann jeder zahlen. Wir sind solche Sklaven des Hergebrachten, der Gewohnheit, daß wir viel schneller in die Tasche greifen, wenn ein Bettler, — ein wirklich Bedürftiger oder ein Berufsschnorrer, — uns um die Gabe angeht, als wenn das Volksinteresse es fordert. Die oberste Leitung der einzigen wirklich lebensfähigen jüdischen Partei, zu der wir gehören, verlangt die zugestandene Steuer, und wir zögern mit dem Zahlen!! Wenn wir schon so weit wären, einen Staat zu haben, unsern Bürgern eine Steuer aufzuerlegen, die wir nötigenfalls zwangsweise eintreiben könnten, wie es die andern Völker tun, dann wäre ja diese Frage erledigt. Aber wir haben gar keine IVlacht, um unsere Volksgenossen zur Zahlung der Steuer zu zwingen, und sind auf den guten Willen unserer Gesinnungsgenossen angewiesen. Höflich und inständig bitten wir: Zahlet die Parteisteuer, und bald. Aber Zionisten! vergeßt nicht, daß wir nicht für uns, sondern auch für euch bitten, betteln und arbeiten. Für euch und eure Nachkommen sowohl als für die unserigen. Machet uns, wir bitten euch darum, die Arbeit nicht zu schwer. Bedenkt, daß auch die Führer Menschen sind, die müde werden können, bedenkt, daß sie keine Belohnung für ihre unbezahlbare Mühe erhalten, daß sie den Spott und die Feindseligkeit unserer Gegner zu ertragen haben, und keinen andern Trost finden, als die Hoffnung, unser Ideal zu erreichen: das jüdische Volk aus seiner unhaltbaren Lage zu befreien und unsern Nachkommen eine unserer glorreichen Geschichte würdige Zukunft zu bereiten. Jean Fischer. Hochgeehrter Herr! Ihr werter Artikel in der Chanukanummer des zionistischen Organs „Die Welt" mit der Überschrift: „Quousque tandem . . . " und der Zeichnung „Izchak" ist mir so sehr zu Herzen gegangen, daß ich nicht umhin kann, Ihnen hierzu einige Zeilen zu schreiben. Ich beherrsche die deutsche Sprache nicht; ich bin mit keiner Rednergabe versehen; ich bin ein schwer mit dem Leben kämpfender Mann, Vater einer zahlreichen Familie. Diese Einleitung ist nötig, um das Weitere zu begründen. Ich bin überzeugt, daß nicht nur jeder Zionist gerne seine 5 Francs Parteisteuer zahlen wird, auch wenn er zu den Unbemitteltsten gehört; vielmehr ist noch viel auch bei solchen, die sich uns noch nicht angeschlossen haben, zu erzielen, ob sie rechts oder links stehen, sofern sie nicht verbissene Assimilanten oder fanatische Gegner sind. Zum Beispiel habe ich in ganz kurzer Zeit auf einem Sammelbogen von Nichtzionisten zirka 80 Mark sozusagen im Vorübergehen zusammengebracht, obwohl ich von meinem Dienst ganz in Anspruch genommen bin und meine Vorgesetzten inkl. Rabbiner dem Zionismusfeindlich gesinnt sind und mir mein. Gesundheitszustand besondere Bemühungen nicht gestattet. Meine Tochter, eine arme junge Witwe, Mutter von drei kleinen Kindern, die schwer arbeiten muß, hat zirka M. 38, eine junge Dame, die hier auf einige Wochen zu Besuch weilte, zirka 75 M. auf Samtnelbogen aufgebracht; dies in einem Zeitraum von einigen Wochen. Meine unmaßgebliche Meinung ist, daß der berufene Vorstand jeder Ortsgruppe verpflichtet werden soll, sowohl die gewöhnlichen, als die außergewöhnlichen Beiträge persönlich bei den Leuten in deren Behausung einzukassieren. Die Zahl der Zionisten ist ja doch noch so klein, daß dies in zwei bis drei Tagen abgemacht werden kann. Nur so werden wir mit Mitteln versehen werden können. Alle Reden, alle Artikel, alle Beschlüsse werden nicht zum gewünschten Ziele führen; nur persönliche Bemühungen von Mann zu Mann, das lebendige Wort, — das allein ist ausschlaggebend. Hochachtungsvoll F. B. Teplitz-Schönau: Unsere Sammlung für den Parteifonds wurde in der bisherigen Weise, durch Aufsuchen der Parteien im Hause fortgesetzt und hat nun die Summe von fast 1500 K. erreicht, ohne bisher abgeschlossen zu sein. Das Rayonkomitee hat sich an die meisten der übrigen böhmischen Vereine gewandt, um sie anzueifern, die Sammlung in gleicher Weise durchzuführen. Hoffentlich hat dieser Appell Erfolg, denn derzeit ist die Sammlung für den Parteifonds die wichtigste unserer Agenden.

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