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Die Welt · 1907-12-27 · 52 (27.12.1907) · page 4

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
52 (27.12.1907)
Date
1907-12-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Blütenregen aus dem Ätherdunkel aus „AI Maarawe", aus Palästina hinüberquollen, daß die Mütter an den Wiegen und die Lehrer und die Sänger und die Fabeldichter jahrhundertelang das Bild des Landes lebendig erhielten, daß die Halacha, die den Geist schärfte, und die Agadah, die den Qram besänftigte, um das Land sich wie ein Kranz wanden, — mag das noch so sehr hieroglyphischveraltet denjenigen erscheinen, die den Quellen ihres Volksgeistes, dem Borne ihres Schrifttums entrückt sind, es bleibt doch unerschütterliche Wahrheit. Nicht der Zusammenhang mit dem Lande, sondern das Sichlosringen ist ein Märchen. Ein hebräisches Wort mit einer lateinischen Endung wird in Umlauf gesetzt. Dann flattern andere Worte in der Luft herum, Worte über die Einteilung der Juden und über ihre Beeinflussung durch diese oder jene Bestrebungen. Es heißt dann : Zionismus, Partei, Tendenz. Da öffnen sich die Schleusen der Beredsamkeit in den neuen Sprachen, Redewendungen und Terminen, die einem jeden geläufig sind, und es poltert wie ein Mühlrad. Zum Kinderspott erniedrigt die geschichtliche Vorstellung, das Märchen, das von der Möglichkeit eines „Los-von-Zion-Judentum" faselt. Alles — die Feste, die Gebote, die Symbole, die Fasttage, die Bräuche, die Erinnerungen gehen von Zion aus und kehren nach Zion wieder zurück. Nebel entsteigen nur aus einem See, dampfen in die Höhe, verdichten sich und fallen dann in der Gestalt von Regen herab, um denselben Weg wiedermals auf- und niederzusteigen. Ist hier eine Scheidung möglich? Ja, für das Auge, das die inneren Zusammenhänge nicht sieht, die notwendigen inneren Zusammenhänge, die unbekümmert um die tiefe, oder oberflächliche Beobachtung bestehen. Hier ist Wirklichkeit, — das Entgegengesetzte ist Traum! Sie existierten wirklich die Volkserzieher, die Verkünder der Lehren, die Ebner der rauhen Goluthspfade, die Gründer und Ordner des nachexilischen Judentums, — die babylonischen „N'issijim" und Akademien, Synagogen und Gemeinden, Tanaim und Amoraim,diese Generationenkette, dieser Schulenkomplex von Jahrhunderten, die der ganzen Diaspora ihren Stempel aufgedrückt und ihren Geist eingehaucht hat. Nicht eine Partei und eine Tendenz, — das sind Benennungen moderner Plattheiten, Stichworte politischer Polemik, die wie ein greller Mißton die ruhige Harmonie des Unverrückbaren und Notwendigen stören. Die Leviten saßen an den Flüssen Babels und weinten, als sie an Jerusalem dachten. In den Schulen Neherdaohs und Pumbaditas, auch an den Flüssen Babels, saßen die Amoraim , und predigten ihre Sinn- * Sprüche über Erez-Israel und seine Heiligkeit, über die ' Pflicht des „Jischuw", über das Sehnen zur Rückkehr. rFast ein Jahrtausend lag dazwischen. Waren dies Parteien, wären dies Tendenzen und Momente? Nein, es 1 war die Fortdauer des Bewußtseins einer geschicht- ' liehen Notwendigkeit. Nie war der Volksschatz für die geistige und materielle Wechselwirkung geschlossen. Und kamen die Sendboten Jerusalems nach Rom vor und nach der Tempelzerstörung, so schlangen sie die engsten Bande fünf Jahrhunderte später zwischen Jerusalem und Babylonien. „Hinaufsteigen" bedeutete nach Palästina, „heruntersteigen" nach Babylonien. „Ein Agitator", wird der Tagesschwätzer sagen. So spricht der Mann, der das Blickfeld einer Fliege vorsieh hat und im Munde den Zeitungsjargon seines Landes führt. Er schaut durch ein Monokle ... auf Pyramiden, — ein Weltbaumeister in der Westentasche. Er ahnt nicht, daß die ephemäre Terminologie zu dem Ewigkeitswerte ebensowenig paßt, wie eine Cake-walk-Melodie zu einem Psalmen-Oratorium. Der geschichtlichempfindende Jude zerzaust dieses Phrasen-Spinngewebe, denn in ihm verschmelzen sich Vergangenheit und Gegenwart zu einer Synthese. Nur so schwingt sich der moderne Jude zum modernen Menschen empor, zum Menschen, in dem seine eigene Vergangenheit fortlebt. Er bleibt nicht in den hergebrachten Formeln, wie eine Mumie verkapselt, und reitet auch nicht auf dem Steckenpferd fremder Phrasen, oder auf dem Wind des Tagesgeschwätzes Er schreitet mit klarem Blick auf historischen Bahnen vorwärts. Und ist es ein Häuflein der Vorwärtsschreitenden, so ist es nur vorläufig ein Häuflein. Es hat sich nicht nur vor 10, auch vor 100 und vor 1000 Jahren zusammengefunden, weil es sich zusammenfinden mußte, so oft ein Notsignal aufloderte. Und es lodert wieder auf. N. S. VON MA'AN NACH EL'ULA Die zweite Teilstrecke der Mekkabahn (Schluß) Was den baulichen Zustand der Mekkabahn zwischen Ma'an und El'Uia betrifft, so konstatiert Generalleutnant Auler Pascha, daß die Strecke zwischen Ma'än und El Mu'assam einschließlich der Stationsgebände so vollkommen wie jede andere europäische Friedensbahn ist. Der Zug, welcher die Kommission mit 12 Personenwagen und einem Gesamtgewicht von rund 250 Tonnen hinunterbrachte, fuhr hier auf ebener und wenig geneigter Strecke mit einer Geschwindigkeit bis zu 45 Kilometer in der Stunde. Sämtliche Brücken sind mit den Sandsteinquadern des vortrefflichen Materials der Umgebung gebaut und machen einen äußerst soliden Eindruck, auch soweit sie durch die Truppen ausgeführt worden sind. Die längste Brücke ist die über das Wadi Ethil mit 143 Meter und 20 Öffnungen zu 6 Meter. Die Schwellen auf der erwähnten Strecke sind durchweg aus Eisen. Die Stationsgebäude sind gleichfalls massiv aus Sandstein hergestellt, ein oder zweistöckig und der Landessitte entsprechend mit horizontalen oder wenig geneigten Zementdächern versehen. Durch Anbau einer Vorhalle hat man sie gegen die Einwirkungen der sengenden Sonne geschützt und dadurch gleichzeitig einen schattigen Aufenthaltsort für die Passagiere außerhalb des Gebäudes geschaffen. Vom Wadi Ethil ab sind alle Stationsgebäude durch Anbringung von Vertikalscharten in den Umfassungswänden zur Verteidigung eingerichtet, damit die in diesen Gebäuden untergebrachten Stationsbeamten und Bahnerhaltungsarbeiter etwaige Angriffe räuberischer Beduinen zurückweisen können. Zwischen El'Mu'assam und El'Uia ist der Unterbau ebenso solide ausgeführt wie auf der vorangegangenen Strecke. Der Oberbau hatte aber erst eine Schicht Ballast, und drei Kompagnien des Eisenbahnbataillons Nr. 1 waren noch damit beschäftigt, die zweite Schicht aufzubringen und die Befestigung der Schienen auf den Schwellen zu vervollständigen.

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