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Die Welt · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Herr Med. G. Fantl, Prag, erstattete das Referat über „Das zionistische Programm" in tschechischer Sprache, indem er sowohl eine Darstellung der Prinzipien der Bewegung gab, als auch im besondern das Verhältnis der tschechischen Juden zum Zionismus besprach. Seinen anregenden und anschaulichen Vortrag ergänzte dann Dr. Emil Margulies durch ein Referat über „Palästinaarbeit", worin er den politischen Charakter dieser Palästinaarbeit, aber auch die politische Notwendigkeit derselben bewies und sodann eine Darstellung dieser Arbeit gab. Er schloß mit einer Aufforderung zur materiellen Förderung der Palästinainstitutionen und der Kolonialbank. Als dritter Referent sprach Herr Dr. Adolf Bergmann, Pardubitz, einer der ersten Zionisten in Böhmen, der von allem Anfang an in der vordersten Reihe der Arbeiter steht, klar und bestimmt über „Die zionistische Arbeit unter den tschechischen Juden" in tschechischer Sprache. Er brachte auch eine Reihe präziser Vorschläge, die auch sämtlich die Zustimmung der Versammlung fanden. An diesen sehr instruktiven Vortrag schloß sich eine sehr angeregte Debatte. Es wurde vom Rayontag die Teilung des Rayons Ostböhmen in zwei selbständige, nach Sprachgebieten geschiedene Rayons, die Schaffung eines besonderen Rayonkomitees für das tschechische Gebiet, die Herausgabe eines zionistischen Organs in tschechischer Sprache sowie von tschechisch geschriebenen Propagandamittel beschlossen. Die Leitung des tschechischen Rayons übernimmt Herr Dr. Ludwig Singer, Kolin. Mit Dankesworten des Vorsitzenden, der auch die erfreuliche Nachricht geben konnte, daß gegen 20 Aktien der Kolonialbank gezeichnet wurden, und Absingung der Nationalhymne wurde der erste ostböhmische Zionisteritag geschlossen. Mährisch-Schlesischer Distriktstag, Sonntag den 22. Dezember 1907, um 1 Uhr 30 Min. nachmittags, wird in Troppau, im Lokale des Jüdisch-Literarischen Vereins der Distrikstag der mährisch-schlesischen zionistischen Vereine für das Jahr 1907 mit der im Organisationsstatute vorgesehenen Tagesordnung abgehalten werden. Zu demselben entsenden die Vereine mit einer Mitgliederzahl bis 50 zwei Delegierte, für jedes weitere begonnene Halbhundert einen Delegierten mehr. Die p. t. Vereine werden ersucht, die Delegierten dem D. K. bis zum 20. d. M. zu nominieren, überdies noch dieselben mit einer vom Vorstande gefertigten Legitimation zu versehen. Anfragen bezüglich Unterkunft in Troppau sind an Herrn Gustav Finzi, Johannesgasse Nr. 5, zu richten. Besondere Aufforderungen zur Teilnahme am D.-T. werden an die Einzelvereine nicht erlassen. Belgien Vorträge des Herrn Dr. Blöde. Herr Dr. Gerson Blöde aus Nürnberg weilte einige Zeit in Belgien. Seinem Aufenthalt in Belgien verdanken wir eine Reihe von Vorträgen, die von nachhaltiger Wirkung sein dürften. Am Mittwoch, 10. Oktober, veranstaltete der Verein Ahawath Zion in Brüssel im Saale „Nouvelle Cour de Bruxelles" einen Vortrags- und Diskussionsabend, der überaus glänzend verlief und unter den Brüsseler Juden, die für jüdische Angelegenheiten Interesse haben, viel Aufsehen machte. Herr Dr. Blöde behandelte das Thema „Die Entwicklung der Juden zum Zionismus". Die Diskussion nahm durch das Auftreten sozialistischer Redner teilweise einen stürmischen Charakter an. Zum Schlüsse der Versammlung fanden zahlreiche Neuaufnahmen statt. Am 22. Oktober sprach Herr Dr. Blöde im Cercle des dames sionistes in Antwerpen über „Die Krankheiten der Juden und die jüdische Frau". Am 23. Oktober sprach Dr. Blöde in dem Saale der Harmonie über „Die Juden als Rasse". An den Vortrag schloß sich eine kurze, aber anziehende Diskussion. Am 24. Oktober fand ein Vortrag in Brüssel statt. Diesmal sprach Dr. Blöde über „Jüdische Kolonialarbeit". Am 28. Oktober veranstaltete die Belgische Zionistenfederatioi; einen Sc holem Alei ehern-Abend. Der anwesende Dichter trueeinige seiner besten Sachen selbst vor. Reicher Beifall lohnte die ausgezeichneten Darbietungen. Am 29. Oktober fand im Lokale „Beth Zion" in Antwerpen ein Vortrag statt, der mehr als in einer Beziehung interessant war Der Misrachi Verein Bnei Zion und der Referent Herr van der Horst hatten sich eine doppelte Aufgabe gestellt. Erstens den Zionismus vom religiösen Standpunkte aus zu beleuchten und zweitens, auf die holländischen Juden Antwerpens einzuwirken Es waren auch viele holländische Juden erschienen, die dem holländischen Vortrag mit viel Aufmerksamkeit folgten. England Birmingham: Unter dem Namen Birmigham Workers. Oi Zion Society wurde hier eine neue zionistische Gruppe gegründet, der sofort über 50 Mitglieder beitraten. Liverpool: In einer großen Versammlung wurde beschlossen, eine lebhafte Agitation für die Abänderung der Statuten zu entfalten. Für den Parteifonds wurden 140 Mark gesammelt und beschlossen, die Schule Kiriath Sefer nachdrücklich zu unterstützen. Amerika Zionismus und Sozialismus Der zweite Vorlesungsabend in der Serie von Vorträgen, die Herr Dr. Magnes im Auftrage der New-Yorker Zionisten hält, fand am Montag den 18. November, abends, in Clinton Hall vor einem sehr zahlreichen Auditorium statt. Herr Dr. Magnes sprach über das Thema: Zionismus und Sozialismus und führte aus, daß diese beiden Bewegungen sehr wohl eine gewisse Strecke zusammen gehen könnten, indessen lediglich in der Theorie. Praktisch müßten sie miteinander in Konflikt geraten. Denn einem Juden, der an das Jüdische Volk glaube, müßten die jüdischen Interessen vorangehen, und das eben perhorreszierten die Sozialisten. Zum Beweise dafür führte Redner das Beispiel des amerikanischen jüdischen Sozialisten an, der auf dem letzten internationalen Sozialistenkongresse in Stuttgart die Beschränkung der Einwände rung nach Amerika verlangt habe. An den interessanten Vortrag schloß sich eine eingehende Debatte, in der einige Redner der poale-zionistischen und zionistisch-sozialistischen Partei darzulegen versuchten, daß beide Theorien sehr wohl nebeneinander bestehen könnten, indessen wurde von anderer sozialistischer Seite behauptet, daß dem Sozialisten die allgemeinen Interessen übe; die speziell-jüdischen gehen müßten. Schekelwoche Das Exekutivkomitee der American Zionist Federation hat be schlössen, die Chanukawoche als Schekelwoche zu bestimmen Wie schon jetzt festgestellt werden kann, ist dieser Appell überaü mit Eifer aufgenommen worden. In vielen Städten haben große Massenversammlungen stattgefunden, und es ist zu erwarten, dal» der materielle Erfolg den Bemühungen entsprechen wird. Sioux City: Die Sons and Daughters of Zion veranstalteten einen zionistischen Vortragsabend, bei dem Herr Horovitz über den Achten Kongreß berichtete. Der Abend war sehr zahlreich besucht. Argentinien Buenos Aires: Am 10. November fand hier eine große Massenversammlung statt, in der über den Achten Kongreß berichtet wurde. Herr J. Makansky gab den Bericht und sprach auch über Zehn Jahre Zionismus. Herr Frumkin referierte über Realarbeit in Palästina. Beide Redner fanden viel Beifall. Die Versammlung drückte in einer Resolution dem E. A. C. ihr Vertrauen aus.

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