Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-12-13 · 50 (13.12.1907) · page 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
50 (13.12.1907)
Date
1907-12-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316293--50072-3345037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

No. 50 DIE^ELT 13 die Chanukahfeier, zu welcher sich ein zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Nach dem wirkungsvoll vorgetragenen Prolog von1 Lazarus Barth (Herr Sally Rosenheinier) hielt Herr Dr. Julius Moses aus Mannheim in fesselnden und begeisternden Worten die Pestrede.; Musikalische Darbietungen, Vorträge ernsten und heitern Inhalts, von ersten Kräften vorgetragen, gestalteten den Abend zu einem echt gelungenen Feste. Stargard i. P. Am Mittwoch den 4. Dezember fand hier LÜe erste öffentliche zionistische Versammlung statt. Herr Referendar Greifenhagen-Stettin hielt das Referat über den Zionismus und seine Gegner. Er skizzierte knapp die Motive, aus denen der Zionismus entstand, und besprach die Einwendungen, die von selten ier Gegner gemacht zu werden pflegen. Natürlich konnte das iicht verhindern, daß dieselben Einwände gleich darauf von den Diskussionsrednern, Herrn Rabbiner Dr. Silberstein, Justizrat Moses und Justizrat Dr. Meyer, doch wieder vorgebracht wurden, insbesondere war es natürlich der alte Schlager, der Zionismus ertrage sich nicht mit dem Deutschtum der deutschen Juden, der hier eine neue Auferstehung feierte, nachdem er doch an andern Orten zumeist schon glücklich zum alten Eisen gelegt worden ist. Auf alle Gegenargumente, die Dr. Becker-Berlin vorbrachte, um :u zeigen, daß von einem Gegensatz zwischen Zionismus und Deutschtum gar keine Rede sein könne, wußte man nichts zu ervidern als die alten Deklamationen. Kurz vor Schluß der Debatte wurde eine Resolution vorgelegt, die man schon fix und fertig in iie Versammlung mitgebracht hatte, und über die nun abgestimmt werden sollte. In dieser Resolution wird der Zionismus für „antinational und schädlich" erklärt, und als Aufgaben des Judentums werden bezeichnet „lediglich die Verkündung des reinen Gottes- ^edankens und der uneingeschränkten Menschenliebe". Als jedoch der Vorsitzende über diese Resolution die Debatte wieder eröffnen wollte, protestierte man dagegen, worauf natürlich der Vorsitzende auch die Abstimmung über die Resolution nicht zuließ. Angesichts der hier herrschenden Beeinflussung der ganzen, fast vollzählig erschienenen Gemeinde durch einige prominente Mitglieder war an der Annahme der Resolution nicht zu zweifeln, zumal diese Beeinflussung in einem zu unserer Kenntnis gekommenen Falle sogar zu einer Denunziation geführt hatte! Der Gruppenverband Brandenburg-Pommern, der diese Versammlung veranstaltet hatte, an der aus Stettin die Herren Brandt und Pintus teilnahmen, hat hier noch ein großes Arbeitsfeld vor sich. Köln: Hier hat sich ein Herzlklub gebildet, zwecks Verbreitung des Zionismus unter der jüdischen Jugend. Österreich Iglau. Der Jüdische Volksverein „Theodor Herzl" für Iglau und Umgebung hielt Donnerstag den 5. d. Mts. eine interne Makkabäerfeier ab. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden, Vizepräsidenten Herrn Dr. Werner, und dem Anzünden der Menorah durch Herrn Oberkantor D. Weiß hielt der Vereinspräsident Herr Richard Weißenstein die Festrede, die die Versammlung zu lebhaftem Beifalle hinriß. Dem Vortrage des „Moaus zur jeschuossi" folgten in bunter Reihe Rezitationen von Gedichten Rosenfelds, Grünaus, Friedländers. Die Gesangs- und Vortragsnummern der Schauspieler des Iglauer Stadttheaters, der Herren Fischer und Schweitzer, fanden stürmischen Beifall und veranlaßten immer wieder neue Zugaben. Laibach: Am 7. d. M. fand in dem Vereinslokale des B'nei-Zion ein Schlußchanukahfest statt, bei welchem Herr J. Fell er aus St. Gallen (Schweiz) einen zionistischen Vortrag hielt, der allgemeinen Beifall fand. Auch die Festrede des Herrn B. Feller-Sekler wurde bejubelt. Wien. Unter großer Beteiligung fand am 5. Dezember 1. J. im großen Festsaal des Hotels „Bayrischer Hof" die Chanukahfeier des isr. theologischen Vereines statt, die sich zu einer wahren Manifestation des jüd.-nationalen Gedankens gestaltete. Sowohl die Eröffnungsrede des Herrn Präs. Dr. K. Kupfer als auch die beiden Festreden, die deutsche des Herrn M. Halbers tarn und die hebräische des Herrn A. Zifrinowitsch, waren von echt nationalem Geiste erfüllt. Mehrere erstklassige Kunstkräfte der Hauptstadt, die sich in liebenswürdiger Weise dem Verein zur Verfügung gestellt haben, trugen sehr viel zur Verschönerung des Festes bei. Eine Rede des Prof. Dr. Leo Kellner Lemberg: Bei dem Inaugurationsabend der hiesigen jüdischen Toynbeehalle hielt Sonntag, den 1. d. M., Dr. Leo Kellner, der Gründer dieser populären und nützlichen Volksinstitution, eine großangelegte Rede. Anknüpfend an das Chanukahfest führte der Redner aus: Wir sind ein Volk, welches an fortwährenden Kampf gewöhnt ist. Leider muß dieser Kampf nicht nur gegen außenstehende, fremde Feinde geführt werden, sondern eben unser innerer Feind, der jüdische Volksverräter, droht uns immer als größte Gefahr. Seit den Inquisitionszeiten in Spanien bis zum heutigen Tag sehen wir unseren inneren Feind, den jüdischen Volksverräter, an der Spitze jeder Judenverfolgung. Dem Römer Tacitus sind wir allzu fromm, im religiösen Mittelalter sind wir ein Volk voll von Sünden; für den Despotismus — zu revolutionär und für den Kollektivismus: allzu bourgeois. Wir haben heute auch als Zionisten einen schweren Kampf auszustehen. „Tötet alle Zionisten", — das ist das Schlagwort, welches immer mehr in unserer Gesellschaft erschallt. Und diese niederträchtigen Hetzereien gegen uns Zionisten sind für mich ebenso brutal und unmenschlich, wie die gewöhnlichen Judenpogrome. Leider sind wir Zionisten selbst daran schuldig. Als der Herzische Zionismus entstand, war es eine Ehre, Zionist zu sein; damals haben die bekanntesten Schriftsteller und Politiker vom Zionismus als dem Stolz des Judentums gesprochen. Heute ist aber der Zionismus nicht so rein wie früher, und wir treten an die Erfüllung von Aufgaben heran, welche nicht im Zusammenhange mit der zionistischen Idee stehen. Auf vielen Versammlungen, sogar Studentenversammlungen, habe ich viel über jüdisch-nationale Aufgaben und Pflichten gehört, nichts aber über „Zion". Unser Ziel ist die Erlangung einer Heimaterde für die Juden. Wenn auch das Ziel nicht so leicht und rasch zu erreichen ist, müssen wir mit allen Kräften und ohne Unterbrechen für diesen Zweck arbeiten. Wehe aber uns, wenn durch unsere Schuld die Fackel erlöschen werden wird, welche Theodor Herzl angezündet hat. I. Ostböhmischer Zionistentag Zu dem vom östböhrnischen Rayonkomitee für den 1. Dezember 1907 nach Kolin einberufenen Zionistentag waren gegen 60 Gg. aus einer ganzen Anzahl Städte, wie Pardubitz, Chrast, Caslau, Golc- Jenikau, Trautenau, Kohljanowitz, Kuttenberg, Kolin, Podebrad, Himburg, Jungbunzlau, Königstadtl, Zittau u. a. m. erschienen. Außerdem kamen Gäste aus Prag, Pilsen und zahlreiche Begrüßungstelegramme von zionistischen Organisationen. Vertreten waren die Organisationen D.-K. Wien, Kolin, Padebrad, Kuttenberg, Prag, Bar Kochba (Prag), Poale-Zion (Prag). Dr. Emil Marguli es eröffnete nachmittags halb 3 Uhr den Zionistentag namens des Rayonkomitees mit einer Ansprache, in der er kurz die Aufgaben des Zionistentages darlegte. Der unserem verewigten Führer vor kurzem im Tode nachgefolgten Gattin Herzls hielt er einen Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Ober seinen Antrag wurde sodann an den Präsidenten des E. A. C. Herrn David Wolffsohn, Köln, ein Begrüßungstelegramm abgeschickt. Zu Vorsitzenden wurden neben Herrn Dr. Emil Margulies die Herren Kobler-Kolin und Markus-Kuttenberg berufen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.