Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 50 (13.12.1907)
- Date
- 1907-12-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- Safed 2× ep/1046078
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8 blE3§f E LT No. 50 Tischlerarbeiten usw. an, und die Mannschaften dieser Kompagnie haben in den betreffenden Arbeiten schließlich eine derartige Fertigkeit erlangt, daß ihre Lehrer entbehrlich wurden. Auf diese Weise hat sich die Leitung des Baues von den Unternehmern unabhängig gemacht und ist in der Lage, falls Not an Mann kommt, die ganze Bahn bis Mekka mit den Truppen allein fertigstellen zu lassen. (Schluß folgt) Palästinensische Frühlingsbilder Von R. Eckardt (Schluß) Das Hügelland von Südgaliläa weist ähnliche Bilder wie das von Samaria auf, doch sind die einzelnen Hügelgruppen durch die umliegenden Ebenen mehr isoliert. So macht der Tabor trotz seiner geringen Höhe von 562 Meter einen bedeutenden Eindruck, weil er unmittelbar am Rande der Ebene Jesreel aufragt; dazu interessiert er durch seine auffällige Gestalt, die vom Südwesten eine Halbkugel, vom Nordwesten einen abgestumpften Kegel darstellt. Stattliche Wälder von Eichen und Terebinthen bedecken seine Abhänge und bieten zahlreichem Wilde Unterschlupf; daß auch die Hyäne hier ihr Wesen treibt, beweist ein stattliches, ausgestopftes Exemplar im Klosterhospiz. Die Aussicht vom Dach des Hospizes oder von den Ruinen der alten Kirchen im Osten ist abwechslungsreich. Im Süden begrenzt sie der nahe Nebi Dahl, der sogenannte kleine Hermon, auf dessen halber Höhe Nain liegt. Von dem Fuße dieses Berges zieht sich weit nach Westen hin die breite Ebene Jesreel, abgeschlossen vom langen Gebirgszuge des Karmel; das blendende Weiß der Kreideberge sticht grell von dem Braunrot der Ebene ab. Vom Norden grüßen die Berge Obergaliläas herüber, der Dschebel Dschermak und der Dschebel Safed, über ihnen die Schneefelder des Hermon. Tscherkessen- und Judenkolonien mit roten Dächern beleben die Landschaft am Fuße des Berges. Durch die Lücke des Wädi el- Hamäm im Osten lugt das Nordende des Sees Genezareth, im Südosten klafft das tiefe Jarmük-Tal, hinter dem die Berge des "Adschlün blauen. So ist die Aussicht reich an mannigfaltigen Bildern; nur verläuft der Horizont in zu gleichmäßigen Zügen. Unvergleichlich großartiger ist die Rundschau, die der 1200 Meter hohe Dschebel Dschermak, der höchste Berg Obergaliläas, gewährt. Am alten jüdischen Heiligtum Merön führt der Weg zunächst zwischen riesenhaften Olivenbäumen hin, dann empor zu verlassenen Siedlungen, schließlich durch Gestrüpp und dürftiges Gras; blaue Hyazinthen und mannigfaltige Orchideen schmücken die Trift. Will man droben die großartige Aussicht vollständig haben, so muß man die beiden nahe nebeneinander sich erhebenden Hauptgipfel besuchen. Die Fülle der Gesichte, die sich droben enthüllt, wirkt auch auf den nüchternsten Beschauer überwältigend. Der Wechsel der Szenerie vollzieht sich von Wendung zu Wendung; nirgends einmonotonerHorizont, und auch überall im Vordergründe andersgeartete Bilder. Im Nordendacht sich das obergaliläische Bergland in vielfach von stattlichen Kuppen durchsetzten Hochebenen allmählich ab. Dahinter steigt das Terrain nordwestlich wieder zur Scala Tyriorum, und noch weiter nördlich schimmern die Sclmeefelder des Libanon, im Nordosten die des Hermon. Von diesem niedergleitend, taucht der Blick in die grünen Tiefen der Jordanaue, die bis zum Nordende des Hule-Sees sichtbar ist. Den östlichen Horizont flankiert der Dschölän, dessen ganzes Relief von hier aus deutlich übersehbar ist; weit aufgerollt liegen die Steppenflächen der Hochebene da, und ihre Schöpfer, die erloschenen Vulkane, thronen in langer Reihe auf ihnen. Schwer von dem düster erhabenen Anblick sich trennend, schweift das Auge, langsam südwärts gleitend, den Ostrand entlang; da wird ihm die Fernsicht gehemmt: der Dschebel Safed sperrt die Ausschau. Aber wenn er alle Aufmerksamkeit hier für sich allein in Anspruch nimmt, so lohnt er auch reichlich; in edeln Linien strebt der gewaltige Berg aufwärts, und um sein Haupt windet sich wie ein Diadem die weiße Stadt Safed. Und den Blick nach dem Südosten läßt er frei: das blaue Auge der Landschaft, den See Genezareth, darf er nicht verdecken. Der größte Teil des Sees ist sichtbar und dahinter sein ganzer Ostrand, der südliche Dschölän mit seinem Vorsprunge Kai 'at el Hösn. Im äußersten Südosten dämmern die Berge des 'Adschlun. Im Süden schieben sich kulissenartig noch einige hohe Bergzüge vor; zwischen ihnen durch sieht man, wie jäh die Senkung nach Untergaliläa hin sich vollzieht. Aus weiten Tälern erheben sich niedere Kuppen, zwischen ihnen der Tabor. Den westlichen Teil des südlichen Bildes begrenzt der langgestreckte, schräglaufende Karmel, der von imposanter Wirkung ist. An ihm wandert der Blick entlang zum Meere. Da, da ist es, das leuchtende, herrliche Meer. Ich sah es im Sonnenglanze, wie flüssiges Gold war es in die Unendlichkeit hingegossen. In fernster Ferne verschmolzen Himmel und Wasser in unnennbaren Farben lichten Sonnendunstes. An der Küste aber glitten weiße Segel, ragten Palmen und glitzerte die Brandung an der blendenden Dünenkette. Und in diesem Farbenrausche träumte das alte Akko von seiner stolzen Vergangenheit, von Römertürmen,Genueserflotten,Johanniterbollwerken,Napoleonsschlachten. ... Die Aussicht, die sich von diesem Berg Galiläas dem entzückten Auge des Wanderes bietet, darf ohne Bedenken zu den großartigsten der Welt gerechnet werden. Vom Dschebel Dschermak verklärt sich die weite Welt zum erhabenen Bilde. Hier ist gut sein. — Eines der schönsten Gebirgstäler Obergaliläas ist das Wädi 'Aubä. Von Kades kommend, betritt man es bei dem fremdartig erscheinenden Mogrebinerdorfe Deschün. Zwischen wohlgepflegten Gärten, die von sehr hohen Kaktushecken umzäumt sind, stehen die kleinen Häuser der algerischen Auswanderer, aus'Steinen und Erde gebaut und mit Rohr gedeckt. Der Wanderer, der sich gewöhnt hat, in palästinensischen Dörfern die Häuser dicht aneinander, ineinander, übereinander gebaut, i^die Gärten aber vor der Ortschaft zu sehen, weiß zunächst nicht, wie er das freundliche Bild deuten soll, bis er belehrt wird, daß er eine Niederlassung von Nordafrikanern vor sich hat. Oberhalb des Dorfes zwängt sich der Fluß durch eine enge Felsspalte, die er selbst in die Talsperre gesägt hat. Noch weiter westlich tut sich ein weites Tal zwischen mächtig aufstrebenden Bergen auf; eine lange Strecke aufwärts kann der Blick den regelmäßigen Verlauf der Senkung überschauen. Man glaubt ein deutsches Alpental zu durchwandern.