Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 49 (6.12.1907)
- Date
- 1907-12-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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mann, der warm für die Schule Kiriath Sefer, deren Leiter bekanntlich Herr Beikind ist, eintrat. Leeds: Dr. Ch. Weitzmann hielt im Verein Agudas Hazionim einen beifällig aufgenommenen Vortrag über „Praktische Arbeit in Palästina**. Edinburg: In der Generalversammlung der Edinburg Zionist Association wurde beschlossen, in eine energische Aktion für den Parteifonds einzutreten. Nottingham: Im jüngsten Diskussionsabend des Zionist Klub wurde über das Thema: „Ist der Sozialismus zu verwirklichen?,, debattiert. Liverpool: Am Freitagabend referierte Dr. J. S. Fuchs in der Zionist Hall in hebräischer Sprache über „Die Ausbreitung und die Geschichte der hebräischen Sprache." Dein Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, natürlich gleichfalls in Hebräisch. Schweiz Basel: Am 16. November hielt die Zionistische Vereinigung Basel ihre Generalversammlung ab. Am 23. November gab Herr Ilia Grünberg aus Genf, Basler Delegierter im Haag, seinen Bericht über den 8. Kongreß. In der Debatte kamen Anhänger der mehrpolitischen wie der mehrpraktischen Richtung zum Wort. Vor Schluß der Versammlung empfahl der Verein allen Inhabern von I. C. T.-Aktien, sich mit dem Projekt der Statutenänderung einverstanden zu erklären. Desgleichen wurde beschlossen, eine Proklamation zugunsten des Parteifonds an alle Basler Zionisten ergehen zu lassen. Texas Die Texas Zionist Association wird ihre Jahreskonferenz Anfang Januar in Dallas abhalten. Schon jetzt macht sich eine lebhafte Agitation für die Konferenz bemerkbar. Seitens der Amerikanischen Federation ist Herr Fromenson zur Teilnahme an der Konferenz delegiert. Im Anschlüsse daran wird Herr Fromenson eine Agitationstournee durch Texas unternehmen. Amerika In der letzten Sitzung des Exekutivkomitees wurde u. a. beschlossen, drei neue Propagandabroschüren herauszugeben, nämlich: „DieStellung deramerikanischen Zionisten" von Dr. Harry Friedenwald, „Zionistische Ausblicke" (Rede Dr. Max Nordaus auf dem VIII. Kongreß) und „Einige Probleme des modernen Judentums" von Dr. Emil Cohn- Berlin. Die Sammlung für die Parteisteuer wurde in die Wege geleitet und beschlossen, die Chanukatage als Schekeltage festzusetzen. Mr. Lewin-Epstein gab folgende Übersicht über die Tätigkeit des Palästinakomitees: Seit 1. Juli wurden fürpalästinensische Institutionen gesammelt: Für Bezalel 208 Dollars, Ölbaumspende 175 Dollars, Palästinapflanzungsverein 10 Dollars, insgesamt über 1600 Mark. Die Verteilung von Nationalfondsbüchsen im ganzen Lande wurde geregelt. Südafrika In einer Versammlung der zionistischen Delegierten von Kapstadt und Umgegend wurde beschlossen, den ersten Tag Chanukah als Schekeltag zu bestimmen. In einer zahlreich besuchten Versammlung am 6. November wurde beschlossen, die III. Jahreskonferenz der südafrikanischen Zionisten im Juni 1Q08 in Kapstadt abzuhalten. Am 18. und 19. Dezember wird ein Bazar zugunsten des Baufonds der Zionist Hall veranstaltet werden. China Hongkong: Jüngst hielt Mr. David S. Gabbey im Jevvish Recreation Club einen Vortrag über das Thema: „Die Bedeutung des Zionismus." Es folgte eine lebhafte Diskussion. Shanghai: Am 20. Oktober sprach Mr. N. S. BuIdein in der Shanghai Zionist Association über „Selbsthilfe und Zionismus". Die gegenwärtige Lage der russischen Juden (Von unserem Spezialberichterstatter) Die Regierung und die Juden Beschäftigt sich die Regierung noch mit der Judenfrage? Las Organ der Radikalen „Towarischtsch" beantwortet diese Fra^e negativ. Die „Kommission für die Judenfrage" beim Ministerium des Innern soll, wie dieses Blatt berichtet, aufgelöst worden se n. Aber diese Mitteilung stimmt mit unseren zuverlässigen Nachricht _n nicht überein. Die Kommission ist nicht aufgelöst worden; ric existiert weiter und ist mit dem Sammeln neuen Stoffes beschäftigt. Erst in diesen Tagen forderte das Ministerium des Innern uk Gouverneure auf, ihm genaue Daten über die Zahl der jüdisch: n Schüler in den Regierungsschulen zu geben. Diese Auskunft ist für die besagte Kommission bestimmt und gehört zum Kapi -l „Schulordnung", in dem ein Teil der Judenfrage enthalten ist. Die Regierung ist nicht gesinnt, die Judenfrage in ihr r Ganzheit der Duma zur Diskussion zu unterbreiten. Sie will aber gewisse, mit der Judenfrage zusammenhängende Rechtsfragen n der Duma erörtert sehen, oder richtiger, sie muß diese Angelege - heiten zur Erörterung bringen. Zunächst kommt die Frage weg. i des Paßwesens und der Freizügigkeit. Dieses Gebiet geh« i zur praktischen Ausführung des Grundgesetzes der „persönlich.!! Freiheit". Würde die Regierung in dem Gesetzestext die Juden nicht erwähnen, so wäre das eine Aufhebung des jüdischen Ansiedelung - rayons eo ipso. Aber die jetzige Regierung wird sich dazu nic; i aufschwingen, sondern in den betreffenden Gesetzestext eine Au:- nahmeklausel wegen der Judenfrage aufnehmen .wollen. Es i.-t also unvermeidlich, daß die Judenfrage, wenn diese Angelegenrn i zur Besprechung gelangt, aufgerollt werden muß. Zunächst und unmittelbar darauf kommt eine zweite allgemein j Frage, die ein eminentes jüdisches Interesse involviert, nämlich d; Frage der städtischen Selbstverwaltung. Wäre die Redaktk \ des neuen Gesetzesprojektes ganz allgemein, so würde dies eis.: Gleichberechtigung auf diesem Gebiete nach sich ziehen. D Regierung glaubt aber eine Gleichberechtigung nicht gewähren v : können und beabsichtigt, ein Maximum (V«) für die jüdischeu Mitglieder der städtischen Dumas zu beantragen. Juden, Kadette i und Linksoppositionelle werden gegen ein solches Ausnahmegese:/ protestieren; Echtrussen und vielleicht auch Monarchistenin i Rechte werden die Norm zu hoch finden. Das Resultat läßt sie - nicht voraussehen, aber jedenfalls muß es zu einer leidenschaftliche Diskussion kommen. Dann kommen die Projekte wegen der neuen Schulgesetz, und da wiederholt sich dieselbe Unmöglichkeit, die Judenfrage aus zuschalten. Eine besondere Schärfe enthält diese Frage infolge dt Vorkommnisse in der Kiewer Technischen Hochschule, die zu; Steckenpferd der Echtrussen und zum Lieblingsthema dt. Dubrowinschen „Russkoje Znamja" geworden ist. Dies ist di- Grund, weshalb die Regierung von den Gouverneuren neue Datc bezüglich dieser Fragen verlangt. Es ist bezeichnend, daß die Nachrichten nicht von den Schti:- behörden, sondern von den Verwaltungsbehörden verlangt werdes Die Schulbehörden scheinen der Zentralregierung nicht echtrussisc genug, obwohl sie in vielen Orten mit geflissentlicher Sorgfalt di Durchführung der Ausnahmegesetze überwachen. Erst in diese Tagen hat der Kurator des Odessaer Lehrbezirks, Graf Mussin Puschkin, eine strenge Warnung an ein Gymnasium wegen dtr Überschreitung der vorgeschriebenen Norm bei der Aufnahm, jüdischer Schüler gerichtet. Auch das „Verkehrsministerium'' mit der Frage der Normierung jüdischer Schüler in seimj> Unterrichtsanstalten beschäftigt. Bei all diesen Fragen wird es die jetzige Regierung versuchen.