Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 49 (6.12.1907)
- Date
- 1907-12-06
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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12 Bei Tag ein Luft- und Sonnenbad Und abends Oper in der „Scala", Und ins „Cafe Americain" Geh' ich zu „Kiddusch und Habdalah!" Odessa ist mir wert und lieb, Kann man dort still Geschäfte machen Doch wie die Pest haß' ich Boykott Und Streiks und andre solche Sachen . Besonders nach der „Politik" Will's mich nicht allzusehr gelüsten, Und soll geschossen werden — nun, Ich hatT dort meinen Prokuristen! . . . . DIE3aEE*LT No. 49 VII Der fromme Zylinder (Zwei Dialoge) 1 „Wohin so eilig, Herr Doktor, Man kommt ja fast nicht mit?" —. „Zu unserm verehrten Stadthaupt, Verstehn Sie, — Abschiedsvisite. Ein goldner Herr gewesen Und stets so tolerant; Ein Hooligan bracht' ihn förmlich Ganz außer Rand und Band. Er konnte das Unrecht nicht leiden Und haßte jede Gewralt, — Und rüsteten zum Pogrome Die „Echten", so pflegt' er alsbald, Zu weich, mitanzusehen Das Unglück, das Leid und den Schreck, Sich Urlaub auszubitten Und reiste schleunigst weg. . . . Und jetzt, da er ganz von uns geht — Wer weiß, was noch alles passiert! — Ist eine Adresse das Kleinste, Was solch einem Manne gebührt. . 2 „Wohin so eilig, Herr Doktor?" — „Ins Stadtpolizei-Bureau, Das neue Stadthaupt begrüßen, Verstehn Sie, -- das schickt sich so. Man sagt von ihm in Kiew, Er habe seinerzeit Die Juden warm verteidigt, Und zwar, keine Kleinigkeit: Nicht arme Bettlerhäuschen Hat er vor den Banden bewahrt, — Nein, keinen Geringeren aJs Brodsky Und Halpern und mehr solcher Art. Da schickt es sich doch, — Sie verstehen, — Man wartet nicht erst lang Und sagt ihm im Namen der Juden Im voraus unsern Dank. Und dann, es kann ja nicht schaden, — Gewiß nicht — wie denn auch? . . . Und schließlich ist's ja, Sie wissen, Ein alter, jüdischer Brauch. ..." VIII Das kluge Käppchen Juden! Ruhig, mutig, frei An die Urnen! Schnell herbei! Nicht gezweifelt, nichts bedacht! . . . Wie ein sturmbewegtes Meer Wogt der Wahlkampf hin und her. Schwache Rücken, müde, krumme, Schwache Herzen, bange, stumme, Bald ist die Erlösung da! In der dritten Duma retten Werden wir euch, die „Kadetten"! Nichts mehr soll verborgen bleiben, Alles haarklein niederschreiben Werden unsre fleißigen Hände. Und unser braver Pergament Wird Minister und Parlament Mit Interpellationen Und Resolutionen Überschütten ohne Ende. Wie ein sturmbewegtes Meer Wogt der Wahlkampf hin und her. Juden! Mutig, stolz und frei An die Urnen! Schnell herbei! . . . Ein Platzregen von Wahlzetteln ergießt sich über die ganze Stadt. Die Brownings knattern, Knuten pfeifen durch die Luft. Stiopkä Straßenstrolch, Mitka Seelenmörder und Matrioschka Schnapsquart tanzen um den jüdischen Friedhof einen wilden Pogromtanz. . . . Das „letzte Hemd" tränkt sich mit blutigen Tränen____ Und das Konzert geht weiter. . . . o o o o c o]| Vfcz ooooooojj AUS DER BEWEGUNG Deutschland Emden: In einer von zirka 300 Personen besuchten Versammlung sprach am 24. November unsere Gesinnungsgenossin Fräulein Aenne Berliner aus Hannover über das Thema: „Die jüdische Frau." Eine besondere jüdische Frauenfrage gäbe es nicht. Die Frau habe mitzuwirken an der Lösung der Judenfrage, deren einzige Lösung im zionistischen Sinne möglich sei. Auf dem Boden Palästinas würde dann, wie andere Kulturfragen, auch die Frauenfrage gelöst werden. Reicher Beifall lohnte die Rednerin für ihre sehr interessanten Ausführungen. An der sich bis Mitternacht hinziehenden regen Diskussion, in der die Referentin auf alle angeschnittenen Fragen eingehendst einging und sich als Meisterin der Debatte zeigte, beteiligten sich Frau J. Schönberg sowie die Herren A. Phillipson, E. Bundheim, E. van Cleef, W. Valk und S. de Beer. — Der Ortsgruppe traten verschiedene neue Mitglieder bei. Sammlung für den Nationalfonds 27 60 Mk., sowie 1 Ölbaum für Fräulein Berliner. — Unsere diesjährige Makkabäerfeier findet am kommenden Sonntag den 8. Dezember in den Räumen der „Union" statt. Schönlsnke: Sonntag den 24. d. M. hielt hierselbst Herr Lehrer Auerbach-Posen einen Vortrag, in welchem er in ausführlicher und anschaulicher Weise über den Achten Kongreß referierte.