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Die Welt · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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10 •DIE EKELT No. 49 IV. Abteilung für Steinhauer In dieser Abteilung wurden 42 Steinhauer und 3 Maurer in kurzer Zeit so ausgebildet, daß sie bereits 1.20 bis 1.50 Frcs. täglich verdienen. Ihr Verdienst wird, wenn sie sich größere Fertigkeit angeeignet haben werden, bis auf 3 Frcs. täglich steigen. Diese Steinhauer werden jetzt auf ihren Arbeitsstätten noch von den Steinhauerlehrern beaufsichtigt und unterwiesen; sie erhalten nur noch abends in der Schule Unterricht im Zeichnen. Die Steinhauer sind fast ausschließlich junge Leute, die infolge der Judenmetzeleien in Rußland in den letzten zwei Jahren nach Palästina eingewandert sind. V. Die Abendschule Die Abendschule wird von älteren und jüngeren Jerusalemer Handwerkern besucht, die daselbst hauptsächlich Unterricht im Zeichnen erhalten und in der Ausübung ihres Handwerkes vervollkommnet werden. VI. Abteilung für Holzarbeiten Vor wenigen Monaten ist diese neue Abteilung eingerichtet worden. Es sollen hier hauptsächlich einfache Tischlerarbeiten sowie kunstgewerbliche Holzschnitzereien ausgeführt werden. Es besteht auch die Absicht, schon in der nächsten Zukunft die Korbflechterei und mit ihr in Verbindung stehend Stroharbeiten im Bezalei einzuführen. Diese Industrie hätte hauptsächlich große Bedeutung für die landwirtschaftlichen Kolonien. Allein für Weintrauben braucht man in den jüdischen Kolonien über 130 000 Körbe, die an 100 000 Mark kosten. Neben diesen großen Körben würden kleine Körbchen zum Handverkauf von Trauben, Feigen, Aprikosen, Pfirsichen und anderen Früchten in den benachbarten Häfen für die Schiffspassagiere, sicher in ganz großer Menge Verwendung finden. Auch andere Ströharbeiten werden gewiß bald von den Kolonisten ausgeführt werden können, da diese Arbeit ganz leicht erlernbar ist und geeignetes Rohmaterial in Palästina wächst. Die Ausgaben für die Einrichtung und Unterhaltung dieser Abteilung würde im ersten Jahre 3000 Mark betragen, in den späteren Jahren sich wesentlich verringern. Die Weiterentwicklung der Schule hängt hauptsächlich davon ab, ob ihr zur Eröffnung dieser Abteilungen Mittel zur Verfügung gestellt werden. An dieser Stelle erwähnen wir mit großem Dank die Zuwendung des Handelsrichters Herrn J. Moser in Bradford, der 10 000 Frcs. für fünf Jahre (je 2000 Frcs. jährl.) dem „Bezalei" gespendet hat. Davon sind 500 Frcs. zur Ausstattung des Museums am Bezalei bestimmt und 1500 Frcs. zur Einrichtung einer Abteilung für allgemeine weibliche Handarbeiten und Stickereien. Der Leiterin dieser Abteilung soll insbesondere die Beaufsichtigung und Erziehung der im „Bezalei" beschäftigten Mädchen zufallen. Herr J. Moser und unser Ausschußmitglied Herr Rittergutsbesitzer Dr. Paul Schottländer in Breslau, der in opferfreudiger Weise einen Jahresbeitrag von 1500 Mark für den „Bezalei" zu bestimmen die Freundlichkeit hatte, sind zu Stiftern unseres Vereins ernannt worden. Die uns im vorigen Jahre subventionierenden Organisationen, Hilfsverein der deutschen Juden, Kolonisationsverein Esra, das Zionistische Aktions-Komitee, die Großloge für Deutschland, haben auch in diesem Jahre ihre Beiträge gewährt. Das Palästinakomitee in Odessa hat nicht nur einen Kredit von 2000 Frcs. zur Einführung der Steinhauerarbeiten gewährt, sondern auch seinen für den hebräischen Unterricht in der Schule bestimmten Jahresbeitrag auf 1200 Frcs. erhöht. Mit besonderer Genugtuung erwähnen wir den Beitritt einer größeren Anzahl von B'nai B'rith-Logen sowie mehrerer jüdischer Gemeinden, die insbesondere dank der Agitation des Herrn Rabbiners Löb in Szegedin in Ungarn unsere Ziele zu fördern sich entschlossen haben. Wir hoffen, daß dieses schöne Beispiel auch andere Gemeinden und jüdische Vereine zur Nachahmung anregen wird. Eine große Anzahl von Freunden gewann der „Bezalei" unter der palästinensischen Bevölkerung selbst und unter den vielen Touristen, 'die auf ihrer Palästinareise das Institut persönlich zu besuchen Gelegenheit hatten. Der * beste Beweis dafür ist die große Anzahl von Spenden, die bei der Schule in Jerusalem direkt eingelaufen sind. Um eine intensivere Propaganda für den „Bezalei" entfalten zu können, haben sich auch an verschiedenen Orten spezielle „Bezalei"-Vereine, von denen insbesondere die von den Poale-Zion- Organisationen unterhaltenen durch ihre großen Beiträge hervorgeboben zu werden verdienen, gebildet. Auch der vielen Freunde, die bei mannigfachen Gelegenheiten Sammlungen für den „Bezalei" veranstalteten und die uns nicht alle namentlich bekannt geworden sind, sei hier mit Dank gedacht. Möge auch in Zukunft das Interese an dieser Schule, die einen eminenten kulturellen Fortschritt in Palästina einzuleiten verspricht, rege bleiben und sich derart ausdehnen, daß es möglich wird, schließlich sämtliche Zweige des Kunstgewerbes und der Hausindustrie von diesem Institut aus entwickeln zu können. Wir sind uns bewußt, daß der „Bezalei" erst im Anfang seiner Entwicklung steht. Möge jeder mithelfen, damit der Verein das hohe Ziel, das er sich gesteckt hat, auch erreiche. * * * Am 17. vor. Mts. fand im Sitzungssaale der Großloge des B'nai B'rith-Ordens für Deutschland die erste Hauptversammlung des Vereins zur Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern, „Bezalei", statt. Den Bericht erstattete der Vorsitzende Professor O. War bürg. Er wies darauf hin, daß die Förderung von Hausindustrie und Handwerk eines der erfolgreichsten Mittel sei zur Beseitigung der materiellen Not, die unter der städtischen jüdischen Bevölkerung Palästinas herrscht. Die Einführung von Hausindustrie wird auch zur Stärkung der Kolonien in hohem Grade beigetragen. Im übrigen verwies er auf den abgedruckten Bericht. Als Vorsitzender wurde Professor 0. Warburg wieder gewählt, in den Vorstand wurden die Herren Dr. Paul Nathan, Berthold Israel, Fabrikbesitzer S. Hepner, Dr. Hirsch Hildesheimer, Direktor Paul Lewy, Dr. E. Mittwoch, S. Bergel, Professor M. Philippson, Bert. Hamburg, Dr. Paul Schottländer, James Simon, Dr. S. Soskin berufen. Den künstlerischen Beirat bilden wiederum die Herren Maler Jul. Bodenstein, Professor Max Liebermann, Maler Hermann Struck. c □□□□□□ FEUILLETON o□□□do Ii o O — JJ O THEATER IN ODESSA NACH DEM JÜDISCHEN DES S. FRUG Personen: Der Regisseur, Der Lebensgeist, Das Gelbhemd,1) Das Schwarzhemd,2) Das letzte Hemd, Der Odessaer Arbeitgeber, Der fromme Zylinder, Das kluge Käppchen.3) x) Das gelbe Hemd ist die jetzt beliebte Tracht des „Schwarzen Hundert". 2) Das schwarze Hemd die Tracht der Anarchisten. 3) Im Original: „Jarmelke", die die frommen Juden tragen. I Der Regisseur Meine geehrten Damen und Herren, alte Pogrombrüder und junge, frisch-zappelnde Patrioten! Odessa ist von lange her an glänzende und rauschende Vorstellungen gewöhnt, an — wie es gewöhnlich heißt — Qala-Konzerte und Gala-Spektakel, die sich über viele Straßen und Plätze zugleich auszudehnen pflegen, in der grellen Beleuchtung von Feuergarben und begleitet von Kriegsmusik, dem Gepolter auf dem Straßenpflaster aufschmetternder Möbel und dem Geklirre von Fensterscheiben, das von einem Ende der Stadt zum andern schallt.

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