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Die Welt · 1907-12-06 · 49 (6.12.1907) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
49 (6.12.1907)
Date
1907-12-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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dankenswerter Weise äußerte sich auf Veranlassung des Herrn James Simon ein anderer Fachmann, Inhaber eines Teppich-Engros- Geschäfts in Rorllü, über die Chancen einer größeren, vom Bezalei ausgehenden Teppichproduktion. Die Urteile aller dieser Herren stimmen darin überein, daß der Tepp ich markt noch außerordentlich aufnahmefähig sei und daß die palästinensischen Teppiche bei richtiger kaufmännischer Leitung sehr wohl ein größeres Handelsobjekt zu werden Aussicht haben. Von besonderem Werte waren die von einzelnen Vorstandsmitgliedern und anderen befreundeten Herren aus Palästina direkt zugegangenen Nachrichten. Herr Fabrikbesitzer S. Hepner besuchte im März 1907 mit Herrn Dr. Sandler aus Breslau und Herrn Rechtsanwalt Strauss aus München unser Institut in Jerusalem und berichtete im eigenen und der erwähnten Herren Namen in sehr anerkennenswerter Weise über die Leistungen des „Bezalei". Herr Hepner schrieb: „Prof. Schatz hat in den acht Monaten Erstaunliches geleistet und ist nicht nur Lehrer, sondern auch in jeder Technik erfahren, sehr sparsam und vorsichtig, durchaus praktisch." Herr Rechtsanwalt Dr. E. Strauss aus München faßte sein Endurteil in folgenden Worten zusammen: „Es ist in Anbetracht der kurzen Zeit, seit üer die Schule besteht, geradezu erstaunlich viel geleistet worden. Sowohl Zeichenals Modellierklasse zeigen schon recht anerkennenswerte Leistungen. Die Entwürfe der Teppichmuster sind vielversprechend, und die in Ausführung begriffenen Teppiche beweisen, daß die Schülerinnen der Technik schon ziemlich gewachsen sind. Bei den ungewöhnlichen Schwierigkeiten, unter denen hier gearbeitet wird — man mußte fast alles Arbeitsmaterial sich erst selbst bereiten (Modellgüsse, Wollespinnen und Färben) —, lassen sich die erzielten Erfolge nur durch die volle Hingabe an die ideale Sache bei Lehrer und Schüler erklären. Prof. Schatz lebt ganz in seiner Sache und für sie." Seine schriftlichen Berichte ergänzte Herr Hepner persönlich auf einer im Sommer dieses Jahres abgehaltenen Vorstandssitzung. Auch Herr David Wolffsohn, Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, und Herr Rev. Dr. üaster aus London äußerten sich privatim dem Vorstand gegenüber sowie öffentlich in Versammlungen und in der Presse mit voller Anerkennung über die Fortschritte der Schule und betonten ihre große Bedeutung für die Hebung der ökonomischen und kulturellen Verhältnisse der Juden in Palästina. Besonderen Dank müssen wir Herrn Gerichtsassessor Dr. Arthur Ruppin ausdrücken, der die Freundlichkeit hatte, während seines Aufenthaltes in Palästina im Juni d. J. sich der genauen Untersuchung aller Verhältnisse in der Bezalel-Schule zu widmen. Um so erfreulicher war es, daß Herr Dr. Ruppin auf Grund seiner sehr eingehenden und allseitigen Beobachtungen zu einem für die Schule durchaus günstigen Ergebnis gelangt ist. Er bezeichnet die Entwicklung der Schule, die „jede mögliche Unterstützung verdient", als eine absolut gesunde und dem ursprünglichen Programm entsprechende. Schließlich gewann auch der Vorstand aus einem Bericht, den Herr Professor Schatz Ende August persönlich erstattet hat, die Oberzeugung, daß das Bezalei-Institut auf dem besten Wege der Entwicklung sich befindet. Nach den drei Semestern, die gegenwärtig die Schule hinter sich hat, steht es. nun fest, daß der „Bezalei" kein unsicheres Experiment mehr ist, und daß man den — ursprünglich für drei Jahre gedachten — Versuch bereits als abgeschlossen betrachten kann. Die bisherigen Erfahrungen beweisen nämlich, daß die Schule einem wirklichen Bedürfnis entspricht und ihre Wirksamkeit von den segensreichsten Folgen für das Wohl der palästinensischen Judenheit sein wird. Die Bedeutung der Schule wird darin liegen, immer neue Hausindustrien und Kunstgewerbe in Palästina einzuführen und unter der Bevölkerung zu verbreiten. Eine hervorragende Kraft gewann jetzt die Schule in dem rühmlichst bekannten Maler S. Hirszeuberg, der seine Tätigkeit als Lehrer für Zeichen- und Dekorativunterricht vorigen Monat aufgenommen hat. Gegenwärtig bestehen in den Schulen folgende Abteilungen: I. Höhere Klasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellierunterricht In dieser Klasse werden nur begabte und zumeist bereits vorgebildete Schüler aufgenommen. Von ihnen sollen die einen zu Teppichlehrern und Kunstzeichnern ausgebildet, die andern dagegen einer handwerksmäßigen Beschäftigung, insbesondere der Stein- und Holzschnitzerei, zugewiesen werden. Dieser Zweig ist infolge des steigenden Absatzes von Schnitzereien an Touristen und Pilger noch großer Ausdehnung fähig. Von den Teppichlehrern und Musterzeichnern beenden die am frühesten eingetretenen ihre Ausbildung erst am 1. März 1909. Dann werden sie größtenteils wohl bei der Teppichfabrikation Verwendung finden, bei welcher sie schon jetzt der Schule durch Entwerfen von Teppichmustern erheblichen Nutzen leisten. IL Vorbereitungsklasse für kunstgewerblichen Zeichen- und Modellierunterricht In diese für Anfänger bestimmte Klasse wurden einige begabte Jerusalemer Jünglinge aufgenommen, die ohne den „Bezalei" ein nutzloses Dasein zu führen verurteilt gewesen wären. Diese beiden Klassen, die zusammen 24 Schüler zählen, sind nur für besonders künstlerisch talentierte junge Leute bestimmt und werden auch dauernd nur eine eng begrenzte Zahl von Schülern aufnehmen dürfen, da sonst eine Überfüllung in ihrem späteren Berufe zu erwarten sein würde. III. Abteilung für Teppicharbeiten In dieser Abteilung finden 48 Mädchen im Alter von 10 bis 15 Jahren, meist aus Jerusalem stammend, Beschäftigung. Die Mädchen lernen ein Jahr lang ohne Entgelt und erhalten im zweiten Jahre 15 Frcs. monatlich. Ungefähr 25 Mädchen sind bis jetzt so weit, In der Teppichknüpferei des „Bezalei" daß sie diesen Verdienst beziehen. Bedenkt man, daß in Jerusalem der Verdienst eines Mannes durchschnittlich kaum 25 Frcs. monatlich beträgt, so bedeutet dieser Verdienst der Mädchen eine sehr wesentliche Mithilfe für ihre armen Eltern. Mehrere Teppiche sind bereits fertiggestellt worden, und einige kleinere Teppiche als Muster sind gerade in den letzten Tagen in Berlin eingetroffen. Diese Teppiche sind nach Aussagen von Fachleuten recht gut ausgeführt und machen einen sehr gefälligen Eindruck. Solange nur eine geringe Anzahl von Mädchen und Frauen das Teppichknüpfen versteht und solange ihre Produktion keinen bedeutenden Umfang annehmen kann, ist der Absatz der fertiggestellten Exemplare gesichert, da bereits jetzt der Schule mehrere Arbeiten in Auftrag gegeben sind. Es ist jedoch zu erwarten, daß nach zwei bis drei Jahren bei der Teppich-Manufaktur mit Leichtigkeit einige hundert Arbeiterinnen Beschäftigung finden können, da die anfänglichen Schwierigkeiten, wie die Beschaffung der richtigen Wolle und das richtige Färben derselben, bereits jetzt größtenteils behoben sind und die Schule nach einigen Monaten ihr eignes Gebäude beziehen soll, in dem genügend große Räume sind, um eine größere Zahl von Mädchen zur Anlernung des Teppichknüpfens aufzunehmen. Dadurch, daß eine gut arbeitende Wollwäscherei vor kurzem in der jüdischen Kolonie Rischon le Zion bei Jaffa gegründet worden ist und eine Wollspinnerei jetzt ebendaselbst im Entstehen begriffen ist, dürfte in Zukunft die für die Teppichknüpferei sich sehr gut eignende Palästinawolle wohl ausschließlich in der Schule Verwendung finden und gleichzeitig die mühsame Handspinnerei, die den Mädchen dieser Abteilung bisher verhältnismäßig viel Zeit gekostet hat, überflüssig werden.

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