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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 24)
Language
German
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26 DIE1q£ELT No. 48 Langsam nur und unter Rückfällen bricht sich — innerhalb und außerhalb des Zionismus, im Qolus und im Heimatlande — neues jüdisch-kulturelles Schaffen Bahn, — viel schwerer als sonst die jüdische Volkskraft, die ja auch für den ungelduldigen Blick manchmal beängstigend langsam vordringt. Weit, weit übers Ziel sind unsere Träume geflogen. Haben wir nicht gewußt, wie schwer die Qhettofesseln sind? Wie die Fremde die jüdische Psyche modelt und schon vermodelt hat? Wird vielleicht doch nur der Heimatboden allein erst die Macht haben, die höheren Volkskräfte fruchtbar zu machen, und muß man auf jede Art von Entfaltung im Qolus verzichten? Und warum hat unsere nationale Bewegung nicht anregender und befruchtender gewirkt? Hat vielleicht die organiastorische Formierung und Uniformierung des Menschen eine Schablone der Form, eine gewisse Parteimechanik des nationalen Denkens und Fuhlens erzeugt, die die Phantasie und individuelle Regsamkeit, die Voraussetzungen jedes höheren Schaffens, in Schranken halten? Hat die Pogromnot die Geister betäubt? . . Es gäbe noch manche Fragen. Fragen wir nicht mehr und klagen wir nicht mehr um die Blütenträume, die nicht reiften! Ein nicht ganz unbeträchtliches Pfund haben wir trotzdem in der Hand,- mit ihm wollen wir wuchern! In dem neuen jüdischen Kulturbesitztum ist neben dem modernen hebräischen Sprachgut JOZEF ISRAELS das Werk Lebensabend der jüdischen Künstler unser wertvollstes und verhältnismäßig ausgebildetstes Stück. Nicht sowohl wegen der Bedeutsamkeit des Geschaffenen, die wir durchaus nicht verkleinern möchten, als vielmehr wegen des überhaupt Neuartigen, Entwicklungsfähigen, das in ihm liegt. Haben doch die Juden das „Sehen" und „Bilden" eben erst erlernt! Und daß sie, gerade vertraut geworden mit dem Geheimnis der Linien und Farben, aus dem Ghetto und den Kontors heraus so viele und vortreffliche Künstler in wenigen Jahrzehnten erzeugt haben, ist für uns, die wir eine künftige jüdisch-heimatliche Kultur ersehnen, eine gewaltige Stärkung unserer Vermutung, daß im jüdischen Volke noch eine Fülle von Energien und Fähigkeiten schlummert, die nur geweckt und gepflegt werden-müssen, um sich zu entfalten. Und wäre das Schaffen der jüdischen Künstler bisher nichts gewesen als-sozusagen die Ausbildung eines neuen Sinnes, nichts altf eine technische Schulung, wir müßten sehr zufrieden sein. Und sind um so zufriedener, da es wirklich Kunst geworden ist. * * * Die jüdische Kunstausstellung in der Wilhelmstraße ist klein. Vielleicht kleiner, als die Arrangeure selbst sie gewollt haben. Zu klein jedenfalls für den Namen und den Begriff, den sie deckt. Wenn die Arrangeure tt nach außen wirken, der Öffentlichkeit eine Übersicht über das Werk der jüdischen Künstler geben wollten, dann fehlen hier zu viele Namen, und es fehlenzu vielenNamen, die hier sind, die bedeutendsten Bilder und Skulpturen. Das ist ein Nachteil der Ausstellung, um den man nicht herumkommt, wenn man — wie gesagt — Wirkung auf solche üben wollte, die noch keine Kenntnis vom Umfange jüdisch-künstlerischen Schaffens haben. Sieht man davon ab und verlangt man nur intime Wirkung, Wirkung nach innen, so ist es eine stimmungsvolle, mit vielem Fleiße und vielem Geschmacke komponierte, mit einem Worte: eine feine Ausstellung, in der alles Marktschreierische vermieden, alles Tendenziöse ausgeschaltet ist. Als ein Anfang, ein ebenso lobenswie dankenswertes Unternehmen. Ein Baustein, auf den andere gelegt werden sollen von vielen und an vielen Orten! * # * Die Arrangeure haben in einem schönen Kataloge den freundlichen Besuchern eine Reihe von Fragen vorgelegt, die sie sich an Bild und Skulpturen in diesen Ausstellungsräumen selbst beantworten sollen: „Ist es den Juden gelungen, in dieser kurzen Zeit der letzten Jahre sich auf die Höhe künstlerischen Schaffens anderer Kulturvölker aufzuschwingen? Hat die solange währende Unterbindung der künstlerischen ÖLGEMÄLDE

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