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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 23)
Language
German
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■Na 48 DIBBELT 25 Mann zu Mann, — von Memme zu Memme, dachte, Mattathias hellster Sohn, Juda Makkabi, — und endlicfi gab sich der griechisch gekleidete Geselle einen Ruck^ trat herfür und lallte und schritt mit schlotternden Knien zum Altar. Kreidebleich waren seine Wangen, seine Hände zitterten, als er das Opfergefäß von einem feisten Priester entgegennahm, um selbst damit zu hahttereü Apelles leuchtete übers ganze Gesicht und warf dem Schüchternen ermunternde Blicke zu, die bewirkten, daß der aus dem zagen Wesen kroch, wie eine Schnecke aus dem Gehäuse, und bald unbefangen vor dem metallenen Götzen stand und in heimlicher Hoffntfng über seine-verratenen Brüder hinauszuwachsen schien. Jetzt hatte er vor ihnen keine Angst, Apelles würde ihn in Schutz nehmen . . . W7ar nicht ein kühler Zug der höhnenden Genugtuung in seinem Gesichte aufgetaucht? Kündete er da glicht in dreistem Beginnen dem Väterglaüben Hohi Gab: er nicht den andern ein verderbendes Beispiel War er nicht ein jQlied, das zu faulen anfing an dei Körper der Judäer? . . . Mattathias zitterte am ganzen Körper. In seinej Kopfe hämmerten wirre Gedanken. Ratlos blickte zum Himmel auf, flehend und erwartungsvoll . V. Li< sich nitht ein Zeicheh sehen? Eine Wolke wälzte sieht von Westen nach Osten gewitterschwer und schwarz- Apelles lächelte siegesbewußt. Seine dickleibigen Priester sangen satt und überlegen von Zeus' Triumph. Die Söldlinge spießten die Judäer mit verachtungsvollen, giftigen Blicken. Der Abtrünnige aber stand weiter vor dem heidnischen Altar, betete fremde Worte nach und schien, ganz in sich gefestigt, einer lichten Zukunft entgegenzusehen, in Prunk und Pracht unter höflichen Fremden — nein, Freunden —, fern von seinen Brüdern, den Fanatikern, die, ihrem grauen Bunde und sich selbst treu, in Sklaverei und Drangsal verkümmern oder in Kampf und Not fallen sollten. Und durch sein zuversichtliches Lächeln und gelassenes Tun konnte er alles zerstören, was Mattathia in den Herzen geweckt und hervorgerufen hatte . . . Und ein Riß ging dann durch das Volk . . . Und Finsternis verschlang es ... Daloderte es mächtig in Mattathias Herzeh auf, wild, schmerzhaft krampfte es sich zusammen und schoß ihm alles glühende schäumende Blut in die Augen, — seine Beine zuckten, seine Hand erhob sich. — Er war kein Greis . . Ein Sprung — ein Schlag — ein Schrei — Der Griechling fiel tot . zu Füßen des stummen Zeus nieder. Das war die Lösung zur Erhebung. FRAGMENTARISCHES ZUR JÜDISCHEN KUNSTAUSSTELLUNG VON BERTHOLD FEIWEL Der erste Frost, und nun auch der erste Schnee. Etwas Weiches, Besänftigendes legt sich um den ..r brausenden Taumel der Großstadt, dämpft den grellenf Schein des Glühlichtes* beruhigt die ächzenden Schienest stränge, zieht einen Schleier vor die wirbelnde Mas^f des Gehenden, Fahrenden, Dahinsausenden. Ein pausi#f rendes Atemholen des gewaltigen Riesen, -der. im-.fieberhaften Schnelltakt der Minuten mit hunderttause^|- Armen baut und zerstört, schaffend ohne Rast, schajU fend im Auftürmen und Niederreißen. „Deutsche Kraft|,| heißt der Gigant, der mit seinem Oberflusse diese Sta|tt speist, die sein Herz ist . . . r . ^1 Und eingemietet in ein. kleines Plätzchen ' dies&t Stadt die jüdische "Kunstausstellung, ein Stückcfien zuckenden jüdischen Lebens, unseres Lebens, eingebettet in diesen von Lebenskraft strotzenden Riesen1 Organismus. Wie arm wir doch geworden sind, wie arm und klein! Inmitten des überquellenden Reichtums der, andern, da man bei jedem Schritt umrauscht ist von den Flügelschlägen einer gewaltigen Schaffensfreiheit und -Freudigkeit, läßt sich die Wehmut nicht zurückdrängen. Und ieicht könnte sich die Wehmut in Verzagtheit wandeln, wüßten wir nicht und fühlten wir nicht mit unserem überfeinen Empfinden, wieviel jüdisches Geäder eingesprengt ist in diese deutsche Kultur, vor der wir uns bewundernd neigen. Und wanderte nicht immer mit uns das lebendige Gedenken ^ines Einst, das zu groß war, um gestorben sein zu können . . . * * *•; Ein gutes Stück Weges noch in die Wilhelmstraße, wo die jüdische Ausstellung etabliert ist. Die Gedanken haben noch Zeit zu mancherlei Exkursionen. j Eine jüdische Kunstausstellung. Ist das nicht ein Stück von unseren jungen Träumen, die wir so oft in den dämmernden Morgen hineinträumten? Wie lange das doch her ist! Oder scheint uns das nur so, weil Träume, die nicht voll reiften, schnell greisenhaft werden? Ja, jung, ganz jung waren unsere Träume wie wir selbst, und jung und frühlingshaft waren die Zukunftsgefilde, die wir schauten. Bezaubernd und "hoffnungsfreudig gemacht von dem ersten Aufwachen der jüdischen Seelen und Menschen, das wir eben sehen konnten, malten wir uns JBilder aus in reichen Farben: An die Ersten-, die die Heimatssehnsucht aufgeweckt : bat, soll sich der große Zug schließen. Und nicht nur, weil Leibesnot oder seelisches Darben sie drängt, sollen sie ziehen, nein, getrieben von einem heroischen Willen nach einem Größeren, Schöneren, Besseren. Darum sollte in dem Zuge keiner fehlen, nicht der Bauer, der die Scholle erobert, der Arbeiter, der den Grund für neue soziale Werte legt, nicht der Kaufmann und nicht — der Künstler. Ja, wir erhofften, der jüdische Befreiungsgedanke werde die jüdischen Künstler, die jüdischen Dichter, die jüdischen Gelehrten zuerst wecken. Und sie würden uns vorangehen, das Gesunde verschönend, das Kraftvolle bändigend durch ihre Einsicht, das Schwere verklärend durch 'Symbole, und Lieder. Ein neues, ein großes jüdisches Schaffen, so hofften wir, wird sich in der nationalen Bewegung konzentrieren, der nationalen Bewegung Blut und Seele sein, und wir sahen eine erste Erfüllung und wir riefen: „Renaissance!" Wiedergeburt des Geistes! ... Das Wort war zu groß, wie unsere Hoffnung zu groß war, wenigstens für die Gegenwart. Wir mußten lernen uns zu bescheiden.

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