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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 18

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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lebt, größer als das Reich des einzelnen, und aus einem Wissen redet, tiefer als das Wissen des einzelnen. Sie ist in Wahrheit zwischen den Kreaturen, das heißt: sie ist in Gott. Leben durch Leben gedeckt und gebürgt, Leben sich gießend in Leben, so schaut ihr die Seele der Welt. Wessen das eine ermangelt, des wird, das andere ihm entgegenschwellen. Wenn eines zu wenig liebt, wird das andere mehr lieben. Die Dinge helfen einander. Helfen aber ist: selbst in einem gesammelten Willen das Seine aus sich selbst tun. Wie der, der mehr liebt, dem andern nicht Liebe predigt, sondern, selbst liebt und sich also gewissermaßen nicht um ihn kümmert, so kümmert sich der " Not hatten den Narren also verwirrt, daß er nicht mehr ywußte, wie er die verschiedenen Geräte gebrauchen .solle, die Speisen zum Munde zu bringen, und;stümpl oind ratlos dasaß, ohne zu essen , und zu trinkend bis es ^der eine der beiden Weisen merkte und ihn unterwies. Am nächsten Tage aber. wußte er das neue Gerät wieder nicht zu führen, und wieder mußte der Gefährte ihn; .beistehen. Und so ging es seither Tag für Tag. Der - andere Weise aber saß und schwieg und achtete keines randeren Dinges als seiner Gedanken. Einmal, fragte ihn jener: „Warum sitzest du fürdich und schweigst und hilfst mir nicht, den Toren zu belehren?"1 Antwortete , er: „Du mühst dich stetig aufs neue und LEOP. PILICHOWSKL Untei$yegs ÖLGEMÄLDE Helfende gewissermaßen nicht um den andern, sondern tut das Seine aus sich selbst im Gedanken der Hilfe. Das bedeutet: das Eigentliche, was zwischen den Wesen geschieht, geschieht nicht durch ihren Verkehr, sondern durch eines jeden scheinbar einsames, scheinbar unbekümmertes, scheinbar brückenloses Tun aus sich selbst. Dies wird im Gleichnis gesagt: „Wenn ein Mensch singt und kann die Stimme nicht erheben, und einer kommt ihm zu helfen und hebt an zu singen, dann kann auch jener wieder .die Stimme erheben. Und das ist das Geheimnis der Verbindung." - s Es gibt aber noch eine andere Hilfe, eine weite und wissende, vom Leid der Welten geboren, von ihrem Blut genährt. Wer der singenden Ewigkeit hilft, hat jedem Leben geholfen. Auch davon redet ein stilles Gleichnis. Drei Männer saßen einst im Kerker, an einem Orte der schweren Finsternis. Von diesen Männern waren zwei weise, der dritte war ein Tor. Es wurden ihnen aber täglich andere Speisen, und anderes Gerät zum Essen gebracht, und das Dunkel und die n kommst zu keiner Grenze, denn; morgen wandelt siel' das Gerät und du mußt wieder beginnen. Ich aber sitze und sinne, wie ich in die. Wrand eine Öffnum bohren mag, daß das Licht der Sonne hineinstrahk und er alles sehe." Es ist aber all dies nicht'etwa so zu verstehen als gälte das einfache Einanderfielfen nicht im Licht der Lehre. Vielmehr ist dieses einfache Einanderhelfei keine Aufgabe, -sondern das. Selbstverständliche um die Wirklichkeit, auf die das Zusammenleben de Chassidim gegründet ist und über der sich die höhere:; Gestalten der Hilfe aufbäiien. Die Hilfe ist keim Tugend, sondern eine Ader, des Daseins. Das ist de: neue Sinn des alten jüdischen Wortes: das Wohltu rette vom Tode. Nur eines wird geboten und gefordert daß der Helfende sich nicht auf die andern besinne die mithelfen können, auf Gotf und die Menschen, umi nicht vermeine, eine Teilkraft zu sein, die nur beizutragen habe, sondern daß-jeder als Ganzheit anwortet und'einstehe. So pflegte Rabbi Mosche Leib zu sagen,

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