Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Pferd anzuschreien vermochte, von Rabbi Mosche Leib;on Sasow, der die vernachlässigten Kälber auf den Märkten tränkte, von Rabbi Susje, der keinen Käfig ehen konnte („und die Unseligkeit der Vögel und ihr fangen nach dem Fluge in der Luft der Welt, gemäß siirer Natur, freie Wanderer zu sein"), ohne ihn zu »ffnen, und die Schläge des Besitzers mit lächelnder;:reude wie einen kostbaren Lohn empfing. Aber nicht nur die Wesen, denen der kurze Blick der Menge den \Tamen der Lebendigen zuspricht, gehören der Liebe les Liebenden zu: „Dir ist kein Ding in der Welt, in dem nicht Leben wäre, und von seinem Leben hat wichen — was soll ich tun?", erwiderte er: „Ihn mehr lieben." Eines der chassidischen Grundworte ist dieses: Mehr lieben. Seine Wurzeln graben sich tief ein und strecken sich weit dahin. Der mag die Kategorie: Judentum neu verstehen lernen, der es verstanden hat. Es ist eine große Bewegung darin, die sich in unterirdischer Historie verwirklicht, und inniger noch in zeitloser Weisheit, und am innigsten wohl in einem Traum, den zu träumen und zu tragen allerorten und allezeit junge Menschen erstehen und sterben. Eine große Bewegung und doch wieder nur ein S. HIRSZENBERG ÖLGEMÄLDE Die Verbannung des die Gestalt, in der es vor deinen Augen steht, nd siehe, dieses Leben ist das Leben Gottes." So ist es gemeint: die Liebe zu den Lebendigen »t die Liebe zu Gott, und sie ist höher als irgendein Menst. Ein Meister fragte einen Schüler: „Du weißt, aß nicht zwei Kräfte zur gleichen Zeit im Menschenmne Fassung haben. Wenn du dich nun am Morgen 011 deinem Lager hebst und zwei Wege sind vor dir: iebe zu Gott und Liebe zu den Menschen, welcher st der erste?" Jener antwortete: „Ich weiß es nicht." >a sprach der Meister: „Sieh es steht geschrieben in ■lern Gebetbuche, das in den Händen des Volkes ist: Ehe du betest, sage das Wort: Und du sollst lieben ■Jen andern wie dich selbst'. Meinst du, das hätten sie Ehrwürdigen ohne Absicht befohlen? Wenn einer <ir sagt, er trage Liebe zu Gott und trage nicht Liebe!' den Lebendigen, Falsches redet er, und Unmögliches er vor zu besitzen." Darum ist, wo einer sich von Gott entfernt, die;ebe eines Menschen das einzige Heil. Als ein Vater "ni Baalschem [klagte: „Mein Sohn ist von Gott geverlorener Klang. Es ist ein verlorener Klang, wenn irgendwo — in jener dunkeln, fensterlosen Stube — und irgendwann — in jenen Tagen ohne Kraft der Botschaft — die Lippen eines namenlosen, dauerlosen Menschen, des Zaddiks Rabbi Rafael von Berschad, diese Worte formen: „Wenn ein Mensch sieht, daß sein Gefährte ihn haßt, soll er ihn mehr lieben. Denn die Gemeinschaft der Lebendigen ist der Wagen der Gottesglorie, und wo ein Riß im Wagen ist, muß man ihn füllen, und wo der Liebe wenig ist, daß die Fügung sich löst, muß man Liebe mehren an seiner Seite, den Mangel zu zwingen.<k Dieser Rabbi Rafael rief einst vor einer Fahrt einem Schüler zu, er solle sich zu ihm in den Wagen setzen. Darauf jener: „Ich fürchte, ich könnte es euch eng machen." Und er mit erhobener Stimme: „So wollen wir einander mehr lieben: dann wird uns weit sein." Sie sollen hier stehen als Zeuge, das Sinnbild und die Wirklichkeit, verschieden und eines, untrennbar, der Wagen der Schechina und der Wagen der Freunde. Es ist die Liebe ein Wesen, das in einem Reiche