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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 11)
Language
German
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So. 48 DIE^ELT 13 ra>Tö^ivri Von Nahum Sokolow Am Chanukasabbat, im stimmungsvollen Zwielicht der großen Gnadenstunde während der Abendmahlzeit, sagte mir mein Wunderrabbi im Flüsterton: „Kennst du das ChanukamYsterium?" Nein, du kennst es nicht, denn du bist zu jung, aber ich will es dir entdecken. Ein böses Spiel treibt der Satan. Zu allem, was der Heilige — gebenedeit sei Er --erschuf, hat er ein Gegenstück erschaffen. Gott hat das Licht erschaffen — nun kam er und erschuf das Feuer. Gott hat aus dem Lichte die Welt und das Paradies, die Bonne und die Sterne erschaffen — da kam er und erschuf aus seinem Feuer die Hölle. Aus dem Feuer seines Lichts hat Gott die Thora erschaffen — da erschuf der Satan aus dem Lichte seines Feuers den Götzendienst. Das eine erwärmt und erleuchtet, das andere verbrennt, zerstört, verdunkelt und blendet. Nun muß ich dir noch etwas sagen. Weißt du, worin eigentlich die Kraft des Satans besteht? Im Widerschein eines heiligen Funkens jenes Urltchts, der unter die „Klippoth"-Schalen l) gefangen und an der harten Rinde der Finsternis zerschellt worden ist. Aber „das Zerschellen der Funken in den Gefäßen" wirst du kaum verstehen — denn du bist zu jung dazu. Das ist es, worüber die „Zaddikim"*) aller Generationen weinen: Der Funke des verborgenen Lichts, der sich unter den „Klippoth" in Gefangenschaft befindet! Ohne diesen Funken könnte das Feuer des „Gehinnom"3) auch nicht eine Stunde lang bestehen . . . Wohlgemerkt! Was nicht Urlicht ist, blendet, wenn es leuchten, und versengt, wenn es erwärmen will. Die „Reschoim"4) aller Generationen ärgern sich darob. Die einen, die Sanguiniker, machen vor Ärger den tollsten Ulk; die andern, die Choleriker, wüten und schimpfen. Sie zürnen gegen das wahre Licht, das Gott seiner Welt gespendet, möchten Sonne, Mond und Sterne auslöschten, versprechen neue Sonnen und ') Euphemistische Bezeichnung des bösen Prinzips. ') Gerechter, Frommer, so wird auch der wundertätige Rabbi von den <-nassidim genannt. 3) Hölle. 4) Bösewichter, Unfromme. neue Sterne — nur soll das^schon vorhandene wahre Licht früher erlöschen, ganz erlöschen. 11. Mein Kind, hast du je einen winterlichen Vorabend mit offenen Augen beobachtet? Rein und klar der Himmel, weißgekleidet, wie ein Abglanz dieses Himmels, die Erde ... da flackert am nordwestlichen Himmelsrand ein großer und breiter Strom rötlichen Feuers auf. Ein ganz sonderbares Gebilde, von verschlungenen, auftauchenden und untergehenden Gestalten umgeben. Bald kommt es dir vor, als ob Kriegslegionen in voller Rüstung vorbeizögen, bald sind es ehrwürdige Greisengestalten, in großer Sitzung ernst beratend.j^Und eine Helligkeit ist das! Du schaust in süßer Verzückheit! Aber je länger du schaust, desto tiefer dringt die Kälte in deine Knochen, in deinen Kopf, in dein Herz! Du erstarrst! Flieh, mein Kind, nach der „Klaus" und erwärme dein erstarrtes Herz am „Ner-Tomid"6). Es ist das Feuer des Satans! Frierendes Feuer! Die sündigen Menschenseelen, vor Qualen zerfetzt, werden dort gerichtet. Ich beneide dich, daß du das Geheul und das Zähneklappern nicht hörst, du bist zu jung. Daß dieser Strom sich nicht über den ganzen Himmel ergießt, ist ein Glück. Er würde sonst das All zerstören. Einst sind die „Klippoth" toll geworden und wollten das Urlicht verbrennen. Sie legten einen großen Herd an, verbrannten in zahlloser Menge, Menschen, Tiere und Bäume sieben Jahre lang. Aus diesem Feuer entstand das schreckliche Salamandertier, dessen Blut die Eigenschaft besitzt, die Menschen, die sich damit beschmieren, unverbrennbar zu machen. Das Ungetüm begann zu atmen und zu schnauben. Es lebte, und wo sein Odem nur hinwehte, da war es aus mit der Macht des Feuers. Alles, was von diesem Hauch berührt worden ist, erfror^die Rosen verwelkten auf dem Karmel, die Blumen erstarrten im Saron, und im Libanon begann ein Blätterfallen von den Bäumen. Alles warx erstarrt! Als ob Gottes Sonne, nicht mehr über die Welt leuchtete! Da zogen der Satan und die Millionen Scharen der „Maleache 5) Das ewige Licht.

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