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Die Welt · 1907-11-29 · 48 (29.11.1907) · page 5

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
48 (29.11.1907)
Date
1907-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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No. 48 DIE^ELT 7 unserer Sprache zweifelt, der heuchelt, an die Lebensfähigkeit unseres nationalen Seins zu glauben! Die wachsende Pflanze schreitet vorwärts. Die Sprache, die einen Smolenski, Lewinsohn, Sokolow, Qordon und Brainin gezeugt, die schlägt ihre Wurzel breit undjtief. . . Sie einigt und bindet die zerstreuten Qlieder des jüdischen Volkes. Nicht soll mehr, durch die Sprachen der Völker getrennt, der jüdische Geist verschiedene Sprachen sprechen. Was der Jude im Osten denkt und fühlt, soll auch der Jude im Westen verständnisvoll teilen. Ein Geist und eine Seele! Dem wiedererwachten geeinten Volke eine Sprache! HERMANN STRUCK .. RADIERUNG Jerusalem vom Olberge aus JUDENTUM UND HELLENISMUS Von Dr. Simon Bernfeld Die archäologischen Erforschungen der letzten Jahrzehnte haben unsere geschichtlichen Kenntnisse vom grauen Altertum einer weitgehenden Revision unterzogen. Ohne daß die große Welt, selbst die der Gebildeten, diesem Vorgange große Aufmerksamkeit zugewandt hätte, *hat sich eine Umwälzung in unserer Weltanschauung vollzogen. Man war früher gewöhnt, den Anfang der menschlichen Zivilisation mit der Entwicklung des Hellenismus zu verknüpfen. Die Geschichte der älteren vorderasiatischen Völker und Ägyptens wurde so nebenher behandelt, als die Geschichte von Barbaren, und nur des jüdischen Volkes wurde Erwähnung getan, da man seine Geschichte für das Verständnis der Entstehung des Christentums nicht gut entbehren konnte. Als im Zeitalter der Renaissance die humanistische Weltanschauung anfing, wodurch das klassische Altertum ■n Europa seine Wiedergeburt feierte, bildete sich immer mehr die Meinung aus, daß nur der hellenische Geist den Kulturfortschritt geschaffen habe. Da man in diesen Kreisen auch dem Christentum wenig Achtung zollte, *o erschien es selbstverständlich, daß man das Judentum rasch abfertigte und auch das jüdische Volk als ein engherziges, kulturfeindliches und bildungsunfähiges darstellte. Zu der Mißachtung, die man dem Judentum schon an sich entgegenbrachte, gesellte sich im Zeitalter der Aufklärung die Abneigung gegen das Christentum, dessen Erscheinen in der Geschichte man dem jüdischen Volk zur Last legte. Die zweite Hälfte des achtzehnten und die erste Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wurden von diesem Ideengang beherrscht. Maa darf dies wohl als die Schule Voltaires bezeichnen. Die Erfahrung hat uns aber nunmehr gelehrt, daß ehrliche Menschen den Erörterungen geschichtlicher Fragen, mögen sie noch so wahrscheinlich sein, niemals den Wert der absoluten Wahrheit beilegen dürfen. Im Lichte der neuen Forschungen verblaßt der Glanz des Hellenismus. Die griechische Welt erscheint klein und unbedeutend im Vergleich mit der vorderasiatischen Kulturwelt, die viel älter, mannigfaltiger und gehaltvoller ist als jene. Was war das kleine Griechenland mit seinem engen Gesichtskreis, mit seinen oft kindisch erscheinenden Anschauungen von Gott und Natur gegen das altbabylonische Reich mit seiner fein entwickelten Zivilisation, mit seinen reichen Kulturschätzen und mit seiner großartigen Weltanschauung, auch auf religiösem Gebiet! Die landläufigen Anekdoten, die uns die griechischen Schriftsteller in ihrer Ruhmredigkeit und

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