Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 48 (29.11.1907)
- Date
- 1907-11-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 48 DIE^ELT der Bogenstellungen ein Feld eingesetzt wird, mit einem auf das Weihefest bezüglichen Spruch in verzierter Schrift Während die romanische Grundform bleibt, wechseln aber die Verzierungen und zeigen, daß sich die Grundform durch sieben Jahrhunderte, bis in das 18. herein, erhalten hat. Figur 2 gibt das Beispiel einer gothischen, aus Gelbkupfer hergestellten Chanukahlampe, die wohl aus Südfrankreich stammen dürfte. Figur 3 mit den einander zugeneigten Delphinen ist eine vorzügliche künstlerische Arbeit der italienischen Renaissance, klar in der Komposition und sauber in der Ausführung. "| Das 15. und 16. Jahrhundert bieten uns in den italienischen Arbeiten schöne Proben, die immer noch einfach bleiben und gefällig sind. Vom 17. Jahrhundert an aber wird sowohl in Deutschland, wie in Italien, die Form mannigfaltiger, die Verzierungen treten stärker hervor und überwuchern den ganzen Gegenstand, wovon die übrigen Proben ein Beispiel geben. Den Übergang für den großen Chanukahleuchter, der in den Synagogen die rechte Seite des Aron Hakodesch schmückt, bilden die silbernen, künstlerisch oft hervorragenden Chanukahleuchter; sie sind freistehend auf einem meist vierseitig mit Löwenfüßen geschmückten ^Untersatz^und , einem, in 8 Zweige sich teilenden Stamm, an deren Enden die Lampen angebracht sind, diese selbst enthalten oft eine besondere Röhre für den Docht, einen zuweilen gravierten Deckel bei den einzelnen Lämpchen und dahinter oft plastischen Schmuck von Tieren, wie Pfau, t^Mj f\\A% i^^i %mw Mß^m^ä a^^^il^.^yj^. Figur 4 Eichhörnchen und dergleichen, die auf das zierlichste modelliert und in Silber ausgegossen sind. Für diesmal wollen wir uns mit der Abbildung einiger kleinerer, aus Gelbkupfer hergestellter Chanukahlampen begnügen, die immerhin schon einige interessante Typen aus den letzten Jahrhunderten zeigen. Der das Titelblatt schmückende besonders große Chanukahleuchter aus Gelbkupfer, befindet sich in der Synagoge in Pogrobyszcze (Galizien); die Reproduktion ist nach der Zeichnung hergestellt, die sich in der Sammlung von Mathias Bersohn in Warschau befindet. Das reich verzierte Muster unterscheidet sich wesentlich von den in italienischen und deutschen Synagogerl meistens gebrauchten einfachen Formen. Auf vier Löwenpranken ruht eine rhombische Platte, aus deren Mitte der Stamm aufsteigt, der in eine durchbrochene große Krone mit einem darauf stehenden Hahn endigt. An den vier Ecken der Fußplatte sind schräg gehende Löwen, welche mit ihren Vorderfüßen ein, auf einer rhombischen Platte aufgesetztes, durchbrochenes Gitter tragen, auf dem an den vier Ecken je ein Vogel sitzt. Zwei der Löwen haben einen doppelarmigen Leuchter im Maul. Ein drittes durchbrochenes Gitter auf einer rhombischen Platte umgibt den Stamm. Je vier Arme auf beiden Seiten, beginnend mit 1, 'sitzenden Löwen und endigend in Leuchter tragenden Vögel, die in Lichtkronen stehen, sind mit den für die acht Tage des Weihefestes bestimmten Kerzen versehen. Der bewegliche Diener hat keinen sitzenden Löwen, dafür einen großen springenden Widder. WM^ UNSERE SPRACHE pg* ^Von Dr. Samuel Rappaport l \ I ^;(Aus Anlaß des Chanukahfestes)J Unbewußt und fast^unbemerkt entwickeln sich Erscheinungen, die£die ^treibende Lebenskraft der Natur notgedrungen zu;Tage fördert. Schopenhauer, der die Ansicht von dem notwendigen Kausalitätszusammenhange aller Naturerscheinungen vertritt, meint, daß wenn das Rad im Uhrwerk sprechen könnte, würde es mit Bestimmtheit behaupten, es bewege sich freiwillig. Und doch bewegt es sich notwendig durch die treibende Kraft des ganzen Uhrwerkes. So geht es im Leben des einzelnen Individuums wie ganzer Völkerschaften. Eine Kraft, die in ihnen schlummert, erwacht, wenn der geeignete Moment kommt und wird zur wirklichen Er- 2*