Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 47 (22.11.1907)
- Date
- 1907-11-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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16 -= DIE3 Eigentümlichkeit wir bereits kennen. Noch einige Arbeit mit der Hacke, und wir können die ehrwürdigen Reste an das Tageslicht bringen; und wer weiß: vielleicht entdecken wir endlich an irgendeiner geheimen Stelle ein Exemplar des heiligen Buches, das bei den gottesdienstlichen Zeremonien gebraucht wurde, also eine Bibel aus dem fünften Jahrhundert vor Christus! Wird dieses Glück der französischen oder der deutschen Mission zuteil, die beide dicht nebeneinander, nur durch einen Draht getrennt, arbeiten? Nach welcher Seite wird die Schicksalsgöttin ihre Entscheidung lenken? Das wird uns eine sehr nahe Zukunft lehren; ich bin davon fest überzeugt." * Neue Ausgrabungen im Orient Ober dieses Thema hielt Universitätsprofessor Dr. Bezold aus Heidelberg in der Wiener „Urania" unter großem Andrang des Publikums einen nicht nur sehr lehrreichen, sondern speziell vom jüdischen Gesichtspunkte ungemein interessanten Vortrag, der ganz neue Gesichtskreise eröffnete. Nachdem der Vortragende das Land Mesopotamien in kurzen plastischen Zügen geschildert hatte, gab er einen Überblick über die Reihe großer Entzifferer der Keilinschrift, Grotefend, Rawlinson, Oppert, des Dreigestirns der Assyrologie, und die Unsumme von Genie und Fleiß, die dazu erforderlich war, um dann auf das angekündigte Thema überzugehen, das er in fesselnder Weise zu behandeln wußte. Delitzsch habe mit Babel und Bibel nicht den ganzen Umfang dieser Bedeutung zu erschöpfen gesucht. Das Gebiet der Keilinschriften erstreckt sich weit über Mesopotamien hinaus bis nach Vorderasien, Palästina und Ägypten und enthüllt den geistigen Zusammenhang der alten Kulturen dieser Länder, ohne dessen Kenntnis eine richtige Betrachtung der aitorientalischen Geschichte unmöglich ist. Die Ausgrabungen haben die Berichte der Bibel über Babylonien und Assyrien aufs glänzendste bestätigt und gewähren Licht bis hinauf ins fünfte Jahrtausend vor Christus, also weit über die ältesten Pyramidenerbauer hinaus. Mit Assur beginnend, wurden nun die Ergebnisse der Keilinschriften über die Reihe jener Herrscher vorgeführt: der Stierkoloß, Belagerungsszenen, Schlachtenreliefs und Löwenjagden versetzten in jene Tage des alten Ninive, das, wie später Babylon, so oft in der Bibel erwähnt wird. Seine Könige Assurbanipal (650 v. Chr.), dessen Bruder Schamaschamukin den Tod in den Flammen fand, Asarhaddon, dessen Siegesdenkmal erst vor 16 Jahren entdeckt ward (Tyrrhaka 670), Sancherib mit seinem Zuge gegen Hiskias (701) wurden nahegerückt, bei letzterem Herrscher Assurs ein interessanter Vergleich mit dem biblischen Berichte angestellt, der gerechtfertigt erscheint. Dann ging es noch weiter zurück auf Sargon IL, Salmanassar II., also ins IX. Jahrhundert, wo Israel zuerst mit Assur in Berührung kam. Ein Obelisk ist besonders merkwürdig durch das oberste Reliefband, das uns die Tributleistung des Königs Jehu darstellt, wieder im Einklang mit der Heiligen Schrift. In den achtziger Jahren fand man das Denkmal, das uns durch die Fülle seiner szenischen Reliefs in alle Gebiete jener Kultur einführt (Salmanassar) und, wenn auch die Perspektive nicht unseren Anforderungen entspricht, doch einen außerordentlichen Kunstsinn bekundet Weiter zurück ging es in das altbabylonische Reich, also in die zweite Hälfte des zweiten Jahrtausends vor Christus, mit einer Kultur, die sich auf Hethiter, Kanaan, Ägypten usf. erstreckt. In Ägypten fand 1888 eine arabische Bauersfrau zufällig einen Keilinschriftsatz aus der Zeit AmenophisIV. (Kuenaten). Die Funde von Tellamarna wurden detailliert behandelt. In babylonischer Schrift und Sprache liegt da in 200 Tafeln und Zylindern aus ungebranntem Tone die Korrespondenz der Pharaonen mit asiatischen Fürsten vor uns, „aus einer Zeit," sagt der Vortragende, „wo wir uns den Auszug der Kinder Israels aus Ägypten vorstellen". Gekneteter Nilschlamm diente als Material für die Täfelchen. Redner legte die Wichtigkeit der Funde für die sprachlichen Verhältnisse und sonstigen Beziehungen jener Völker dar. Babylonisch spielte damals die Rolle des heutigen Französisch. In Kanaan trafen die Hebräer das alte Kanaanitische, das mit ihrem Idiom die nächste Verwandtschaft hatte. Die Ausbreitung der franzosischen Sprache im Orient Wir lesen im „L'Orient": „Gernäß den Vorschlägen im Bericht des Herrn Marcel Charlot sind verschiedene Projekte in Erwägung gezogen worden, die die Errichtung eines Seminars zur Ausbildung von Laienlehrern für die französischen Schulen im Orient zum Zweck haben. Die Regierung dürfte wahrscheinlich dem Plane den Vorzug geben, der als Sitz dieser Schule die Stadt Liniassol, die zweitgrößte Stadt Cyperns, vorschlägt. Ein Abgeordneter dieser Stadt, Spiro Aaronson, hat der französischen Regierung ein Terrain angeboten, das groß genug wäre, um geräumige Gebäulichkeiten für 500 Schüler aufzunehmen. Die Gesamtkosten würden sich auf ca. 5000—6000 Pfd. engl, stellen. iE LT No. 47 Die Lage von Cypern, ebenso nahe Ägypten wie Palästina, Syrien und Kleinasien, verdient es tatsächlich, daß dieser Plan alle Unterstützung erfährt, und wirgglauben zu wissen, daß er die besten Aussichten hat, angenommen zu werden." Ein islamitischer Kongreß in Kairo In Kairo, der alten Stätte des Islams, mit der berühmtesten Universität der mohammedanischen Welt, wird in Kürze der erste allgemeine islamitische Kongreß stattfinden, dessen Arbeiten dazu bestimmt sind, das mohammedanische *Volk wieder zu beleben. Auf dem Kongreß sollen gemeinsam die Natur sowie die Bedingungen der Bewegung festgesetzt werden. Die Anregung geht von dem Russen Ismael Bey Gasprinski aus, der als Redakteur des Blattes Terdjarnan heute in der Krim und im Kaukasus einen großen Einfluß hat. Gasprinski ist kein fanatischer Panislamist, sondern will ein Verteidigungsbündnis der Muselmanen schaffen. ># Zurzeit gärt es sehr unter der mohammedanischen Bevölkerung Ägyptens, die sich zum größten Teil um Mustapha Pascha Kamel schart, der in großen Versammlungen den Nationalismus schürt und gegen die englische Herrschaft predigt. Die Moslemin Kairos sehen dem Kongreß mit viel Interesse entgegen. Eisenbahngesellschaft Damaskus-Hamah Das „Journal de Finances" veröffentlicht den Abschluß der Eisenbahngesellschaft Damaskus-Hamah pro 1906. Darnach haben sich die Einnahmen in diesem Jahre beträchtlich gesteigert. Die Linie Beirut-Damaskus-M'zerib, die die Gesellschaft auf eigenes Risiko betreibt, erbrachte Frcs. 4 057 362,77 gegen Frcs. 3 555 296,16 im Vorjahre. Die Linie Rayak-Hamah erzielte Frcs. 1 394 202,87 gegen Frcs. 927 159,95 im vorhergehenden Jahre, so daß sich der von der türkischen Regierung für diese Linie satzungsgemäß zu zahlende Garantiebetrag von Frcs. 1 895 660,05 auf Frcs. 1 428 617,13 verminderte. Die Linie Hamah-Aleppo, die gleichfalls von der türkischen Regierung garantiert ist, indessen nur im Oktober 1906 in Betrieb genommen wurde, erbrachte in diesem Monat Frcs. 166 716,71. Das obengenannte Börsenblatt schreibt hierzu: Die Vermehrung der Einnahmen auf der Linie Rayak-Hamah hat nur Bedeutung für die Türkei, da sich dadurch deren Garantiezuschuß vermindert; für die Inhaber der Schuldverschreibungen und die Aktionäre der Gesellschaft ist lediglich der Mehrertrag der Linie Beirut-Damaskus- M'zerib interessant, der 502,066 Frcs. beträgt. Allerdings war der Ertrag des Jahres 1905 besonders ungünstig, aber der von 1906 übersteigt auch die von 1904 und 1903, die Frcs. 3 915,393 resp. Frcs. 3 056,685 betrugen. Die Ausgaben sind im Jahre 1906 entsprechend gewachsen, sie betrugen Frcs. 3 608 510,51 und sind somit um Frcs. 132 171,63 höher als die von 1905. Zu beachten ist, daß die Vermehrung der Ausgaben hauptsächlich auf die Kosten der Inbetriebsetzung der neuen Linie nach Aleppo entfallen, während nennenswerte Einnahmen daraus noch nicht zu erzielen waren. Der Reinüberschuß beträgt Frcs. 1 663 949,17 gegen Frcs. 1 606 412,48 im Jahre 1905. Hiervon werden Frcs. 1 389 311,52 (wie im Vorjahre) für den Zinsendienst der Obligationen verwandt, Frcs. 83 193,38 (1905: 80 316,55) werden den Rücklagen zugeschrieben und Frcs. 154466,04 (148854,33) werden als Dividende verteilt. Alles in allem ein erfreuliches Bild des Ertrages einer in den „Nachbarländern" betriebenen Bahn. Die deutschen Katholiken für Palästina Der Deutsche Verein vom heiligen Lande hielt am 3. November in Mainz seine Generalversammlung ab. Der Verein verfolgt den Zweck, die heiligen Stätten in Palästina zu schützen und die katholische Mission dort zu fördern, sowie die kirchlichen und sozialen Interessen der deutschen Katholiken im heiligen Lande wahrzunehmen. Bekannt ist die Schenkung der „Dormition" aus dem Berge Zion an den Verein seitens des deutschen Kaisern zwecks Errichtung eines Klostergebäudes und einer Kirche. Nach dem Kassenberichte belaufen sich die jährlichen Einnahmen des Vereins auf Mark 105 000, von denen 65 000 zum Unterhalte der Stationen und zu Missionszwecken und 40 000 zu Bauzwecken für das neue Hospitz am Jaffatore in Jerusalem verwandt wurden. Der Verein besitzt außer den Bauten auf dem Berge Zion in Jerusalem zwei Hospize am Jaffatore und vor dem Damaskustore mit Schulen, Internat, Externat und Bibliothek, sowie in der Nähe von Jerusalem ein Anwesen Kubebe und am See Qenesareth die herrliche Besitzung Tabgha mit zehn Schulen zur Missionierung der Araber. In Haifa am Fuße des Karmel befindet sich gleichfalls eine Vereinsstation; außerdem untersteht dem Verein die deutsche Schule in Alexandrien.